Doris Knecht
| 10/07
| Kurier-Kolumne
Es war eine mächtige Menge, die am Dienstag abend für ein Bleiberecht demonstrierte: Zwischen 5500 und 10.000 Menschen waren einem Aufruf der Grünen gefolgt und zogen vom Minoritenplatz über die Löwelstraße zum Michaelerplatz. Junge Menschen, ältere Menschen, viele Familien, keine Randalierer: Ganz normale Bürger, die beunruhigt sind von der Tatsache, dass sie in einem Land leben, das auf der Basis eines hinterfragbaren Fremdenrechts gut integrierte Familien abschiebt und auseinanderreißt.
In einem Land, in dem mehr als 10.000 Asylwerber seit drei Jahren, und, wie der KURIER berichtete, mehr als 375 Menschen schon länger als zehn Jahre auf ihren Bescheid warten. Zehn Jahre! Das muss man sich mal vorstellen. Es mag Menschen geben, die sich durchaus Möglichkeiten denken können, diese Asylwerber daran zu hindern, in dieser Zeit Kinder zu bekommen, aber so tief sind wir zum Glück noch nicht gesunken – nur so tief, dass wir diese Kinder, für die Österreich Geburtsland und einzige Heimat ist, daraus verjagen.
Es gibt ein Gutes an der Debatte um Arigona und die anderen Zogajs, um die Milics und um Frau Kryeziu, deren sechsjähriger Sohn abgeschoben werden soll: Nie zuvor haben sich so viele Leute mit den Asyl- und Fremden-Gesetzen beschäftigt, die in bei uns wirksam sind. Viele setzen jetzt ein Zeichen, dass sie mit diesen Gesetzen nicht einverstanden sind. Andere fordern konsequenten Vollzug: Wozu einem einfällt, wie ein gewisser Landeshauptmann Ortstafel-Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes ignoriert, ohne dass ein Innenminister durchgreift oder von Erpressung spricht. Aber das ist wirklich etwas ganz anderes.