24.10.07

Ich muss mal vor die Tür

Doris Knecht | 10/07 | Kurier-Kolumne

Ich ging wieder einmal ins phil letzte Woche, da war Buchpräsentation. Also eigentlich war die Buchpräsentation schon vorbei. Und als ich die Gumpendorferstraße entlang auf das phil zumarschierte, sah man schon aus der Ferne eine große Leutetraube   vor der Tür stehen, und ich dachte mir, sapperlott, für dieses Buch interessieren sich aber mächtig viele Leute. Das Buch, ein schönes Buch, war aber nicht der Traubengrund, denn die Leute, die heraußen standen, taten das nicht, weil drinnen schon voll war, sondern weil sie rauchen wollten. Das phil, beliebtes Szenelokal mit integierter Buch- und Altinterörhandlung, ist, zum Schutz der Bücher und Möbel,  schon seit einiger Zeit rauchfrei. Was ich freudig begrüße, aus vielerlei Gründen, die allesamt damit zusammenhängen, dass ich schon länger nicht mehr rauche.
Allerdings macht es, wie der Abend im phil zeigte, eine einigermaßen stringente Unterhaltung am Tisch praktisch unmöglich, weil die meisten meiner Bekannten noch rauchen, und zwar tüchtig rauchen, also ständig mit entschuldigendem Grinsen aufspringen und vor die Tür rasen, wo sie in andere Gespräche verwickelt werden. Man sollte sich als Nichtraucher in Nichtraucherlokalen also besser von Vornherein die Gesellschaft anderer Nichtraucher sichern. Oder es darf einem nichts ausmachen, grundlos vor der Tür zu stehen. Wo die Konversationen allerdings jetzt, wo es empfindlich kälter wird, auch  an anschwellendem Stringenzmangel leiden. Puhh, kalt, muss rein.
Immerhin kommt man auf diese Weise an so einem Abend mit vielen Leuten ins Gespräch: Einige davon unterrichten einen, dass sie beabsichtigen bald mit dem Rauchen aufzuhören, wegen diesem permanenten Gerenne. Na bitte, schön.
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