Doris Knecht
| 10/07
| Kurier-Kolumne
Mit dem Zwillingswagen, bräuchte ich ihn noch, wäre ich gerade so durch die Ausstellung gekommen: Aber vermutlich nicht ohne das eine oder andere historische Exponat von „Baby an Board“ zu touchieren. Die eben eröffnete Schau im Wien Museum zeigt den Kinderwagen als mobiles Stadtmöbel im Wandel der Zeit; und hinsichtlich mancher Ungetüme aus den 20er und 30er Jahren man muss sagen: Danke liebe Zeit fürs Wandeln.
Obwohl, in den Fünfzigern war’s noch ärger, da haben sich einige Kinderwagen-Designer (proximativ: männlich) gedacht, lass uns das Ding doch tieferlegen und stromlinienförmig machen wie einen amerikanischen Straßenkreuzer. Die Babykreuzer hatten dann bis zu 25 Kilo, waren für ihre Lenker (verlässlich: weiblich) kaum zu steuern, und passten knapp durch eine Tür. Auto, Bim, Stiegen: keine Chance. Plus: Hexenschussgefahr! Dabei gab es erstaunlicherweise schon um die Jahrhundertwende „zusammenklappbare Sportwagen“ wie die Zeitschrift Gartenlaube 1907 vermerkte: Die setzten sich aber erst mit den Autos der Sechziger durch.
Väterliches Schieben dagegen wurde erst auf Wunsch der Frauenbewegung in den 70ern modern: 100prozentig mehrheitsfähig ist es nach wie vor nicht. Noch immer kenne ich Väter, die sich eher von ihren Kindern trennen würden, als diese im Wagerl zu schieben; die Männlichkeitsverlustpanik ist riesig. Zum Glück tun es immer mehr Väter mit Stolz, was die Frage aufwirft: Sind Städte jetzt kinderwagerlfreundlicher und Wagerl wendiger weil jetzt auch viele Frauen Stadtplaner und Designer sind? Oder weil immer mehr Stadtplaner- und Designermänner selbstverständlich Wagerl schieben?