2.10.07

Lernen von Gorbach

Doris Knecht | 10/07 | Kurier-Kolumne

Kaum ist man ein paar Tage im Ausland, tauchen  diese putzigen Gorbach-Bewerbungsschreiben auf: klassische Kolumnisten-Leibspeise natürlich; yummie. Aber mittlerweile ist  Gorbach  so  flächendeckend abgewatscht und durchgebeutelt worden: Es ist zwar  erbärmlich, aber  auch schon erbarmungswürdig.
Ja, lustige Sache, aber Fragen drängen sich auf. Erstens:  Wen bitte überrascht das? Zweitens: Lernen wir etwas daraus? Drittens: Was? Denn das Peinliche ist ja nicht, dass ein Ex-Minister solche Briefe schreibt; peinlich ist, dass einer, der solche Briefe schreibt, in Österreich einmal Minister werden und  Vizekanzler sein konnte.  Gorbach ist ja jetzt kein anderer: Gorbach war, für alle gut sichtbar, ja schon vorher Gorbach. Nur wird er jetzt nicht mehr von der  Würde des Amtes überstrahlt, und er genießt nicht mehr den Schutz jener, die überhaupt erst ermöglichten, dass ein Gorbach werden konnte, was  während seiner Amtszeit neue, große, güldene Schilder  auf dem Weg zu seinem Büro kündeten: Hubert Gorbach, Vizekanzler.
Der fiel ja nicht einfach aus einer Wundertüte – ah, ein Gorbach! – und war dann halt da; der wurde ausgewählt, angelobt, zum Vizekanzler gemacht. Und der Umstand, dass dieser Mann  nun unerlaubt Briefpapier der Republik für Privatinteressen benützt,  ist weit weniger bestürzend als die Tatsache, dass er es einst vollkommen rechtmäßig benutzen durfte. Plus: So etwas kann in Österreich jederzeit wieder vorkommen.
  Wir haben Qualitätskontrollen für Bio-Eier, Asphaltmischanlagen und Raststätten-WC-Sauberkeit. Für Minister: nicht. Und das ist, das könnten wir von Gorbach lernen, nicht gut.
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