9.10.07

Lieber über Literatur

Doris Knecht | 10/07 | Kurier-Kolumne | Kurier-Kolumne

Gut ist: Dass es momentan wieder eine Phalanx junger und jüngerer Schriftsteller gibt, die nicht nur in ihren Schreibateliers dichten. Sondern auch einmal etwas riskieren, etwa indem sie, wie etwa Arno Geiger kürzlich hier, nicht explizit (deswegen aber nicht weniger) literarische Texte zum sozialen Alltag veröffentlichen. Oder auch, indem sie sich tüchtig beschweren, wobei es besonders schön ist, wenn es dabei nicht nur um die eigene Künstlerbefindlichkeit geht. Wenngleich auch das in Ordnung ist: Und die aktuelle Autoren-Wehrhaftigkeit gegen exzessive Kritiken ist ja nicht nur häufig gerechtfertigt, sondern für den Leser ziemlich unterhaltsam. Abends gerät man zur Zeit leicht in Gespräche über heimische Literatur, die manchmal in angeregtes Gebrüll ausarten, weil man sich über der Lektüre eine Meinung gebildet hat und diese nun zu verteidigten wünscht: Schlecht? Nein. Man will ja nicht immer nur über Politik diskutieren oder – was allerdings extrem legitim ist – über den ORF und sein Programm. (Soweit überhaupt vorhanden, was derzeit nicht selbstverständlich ist: siehe TV-Media, letzten Mittwoch, ORF 2, 23:00 Uhr: „Das detaillierte Programm stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.“) Stattdessen Debatten über das aktuelle literarische Programm heimischer Schriftsteller, und manchmal darüber, ob das, was einer da macht, überhaupt Literatur ist, und wenn ja, warum. Mitunter streiten die jungen Schriftsteller, die man, auch nicht schlecht, keineswegs nur in Literaturhäusern antrifft, auch selber mit. Heute abend wird übrigens in Frankfurt der diesjährige Deutsche Buchpreis verliehen: Zwei Österreicher sind auf der Shortlist. Man wird sehen.
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