Doris Knecht
| 10/07
| Kurier-Kolumne
Traurig sei das, schreibt Leser Wolfgang S., wie sich von ihm geschätzte Journalisten für „die modische Anti-Raucher-Vendetta“ einspannen ließen. Bloß kann ich eine solche nirgends erkennen: Je länger ich das Gezerre um das neue Tabakgesetz verfolge, desto hohnvoller grinst mich das Wort „Nichtraucherschutz“ an. Denn in der Tat scheint es bei diesem Gesetz immer mehr zu gehen, nicht die Nichtraucher, sondern die Raucher zu schützen: vor unzumutbaren Verhaltensänderungen, vor Eingriffen in ihre persönliche Freiheit, vor den Anmaßungen der Nichtraucher.
Eine wirksame Nichtraucher-Lobby, der nichtrauchende Kolumnisten sich in die Arme werfen könnten, kann ich leider nicht entdecken. Stattdessen muss man sich, wie so oft, wieder einmal alles selber machen und trottet einsam und ausgelacht hinter seinem Anliegen her.
Die Raucher dagegen wissen eine starke Lobby hinter sich – die Gastronomen, die den bösartigen, gemeinen, herzlosen Nichtrauchern wieder einmal drastisch klar machten, was sie zu verantworten haben, wenn ihre durch und durch eigennützigen Anliegen tatsächlich politisch umgesetzt werden: 1000 Betriebsschließungen, 15.000 verlorene Arbeitsplätze.
Nein, da frage ich nicht, auf welcher Basis diese schockierende Prognose zustande kommt (ausländische Erfahrungen mit Rauchverboten stützen sie nämlich eher nicht). Nein, da überlege ich mir, was ich tun kann, um zu verhindern, dass meine verantwortungslose Sucht nach guter Luft Existenzen zerstört, und die Sache ist klar: Ich fange morgen wieder an zu rauchen. Und Sie, als verantwortungsvoller Mensch, sollten das auch tun.