18.10.07

Rot wie die Schweiz

Doris Knecht | 10/07 | Kurier-Kolumne

Als wäre der nicht ungruselige Schweizer Wahlkampf nicht schlimm genug, hat sich das Schicksal neuen Kummer für die Eidgenossen ausgedacht, und dieser betrifft seine Fahne. Nicht Flagge; in der Schweiz heißt es: Fahne. Und das Schweizer Volk ist bekanntlich ein überaus fahnentreues: Es zeigt sein weißes Schweizerkreuz auf rotem Grund  her, wo es kann her. Hisst es auf dem Hausdach, hängt es vom Balkon, schmückt damit Taschenmesser, Taschen, Tassen, Raststätten, Schoggi und Babystrampler. Der Schweizer hat seine Fahne wirklich  lieb.
Ist natürlich auch eine besonders schöne Fahne:  prägnant,  farblich eindeutig,  unverwechselbar, quadratisch (als einzige Fahne der Welt) und so schlicht, dass jedes Kind sie zeichnen und jeder Chinese sie nähen kann, zumindest ungefähr: „Das Wappen der Eidgenossenschaft ist im rothen Felde ein aufrechtes, freistehendes weisses Kreuz, dessen unter sich gleiche Arme je ein Sechstheil länger sind als breit“, gab der eidgenössische Bundesrat am 12. November 1889 vor.
Was er nicht vorgab: den genauen Ton des rothen Feldes. Hier nun droht dem Schweizer Ungemach, denn  das  Schweizer Rot soll jetzt gesetzlich  definiert werden, und dann gibt es nur noch ein vorschriftsmäßiges Fahnenrot: Schluss mit Himbeer-, und Erdbeer-, Feuerwehr- und Unfähr-Rot. Wobei bislang unbekannt ist, welche Bußen der Schweizer bei Verstößen gegen das Rot-Gesetz zu gewärtigen hat. Plus, es tritt die neue Rot-Vorschrift  erst nach der Euro 08 in Kraft.
Schade eigentlich: Man hätte zu gerne gesehen, wie die Schweizer Polizei die Tribünen durchschreitet und falschrote Fahnen beschlagnahmt. Tja.
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