Doris Knecht
| 10/07
| Kurier-Kolumne
Jemand aus der Runde wollte das sehen, also wurde kurz das TV angestellt: Gerade rechtzeitig, um live dabei zuzusehen, wie Direktor Peter Noever im Rahmen der „Vienna Design Weeks“ den „Solar Tree“ vor seinem Museum für angewandte Kunst enthüllen ließ. Und heilige Scheibe, ist der schiarch.
So schiarch, dass die Runde spontan in Gekreisch ausbrach, nach Schiarchheitsvergleichen japste und sich schließlich darauf einigte, dass die neue Laterne vor dem MaK circa so schiarch ist wie diese 70er-Jahre Glasfaserlampen, Sie wissen schon, diese buschigen, knallig leuchtenden Igel-Dinger, die auf den Fernsehern unsere Eltern oder Großeltern verstaubten und die man ja nicht anfassen durfte.
Natürlich lautet die Frage: Was ist schön? Und wer bestimmt, was wir schön finden sollen? Noever findet aus vielen Gründen die Straßenbeleuchtung, die ihm die Stadt vors Museum montiert hat, nicht schön: Die Kandelaber machen künstlich auf historisch und beschwören ein nostalgisches Alt-Wien, das das moderne Wien allmählich überwinden sollte. Es gibt, da hat Noever völlig Recht, genug Altes, Geschichte atmendes in dieser Stadt, mehr Neues; Zeitgenössisches muss her. Viele großartige Designer designen, das will die „Vienna Design Week“ schließlich zeigen, in dieser Stadt viel prächtiges, modernes Design. Ver- und anwenden müsste man es halt; auch und gerade dort, wo es vermeintlich dissonant auf das Alte trifft.
Der knallige MAK-Laternen-Busch wurde von einem Londoner Stardesigner entworfen: Noever hat ihn in seiner bezaubernd querulantischen Art durchgesetzt und findet ihn gewiss aus vielen Gründen schön. Als wir auf dem Heimweg daran vorbeifuhren, fiel uns aber keiner ein.