5.10.07

Wer nicht hören will

Doris Knecht | 10/07 | Kurier-Kolumne

Meine Beschwerde über das neuerdings permanente Bequatschtwerden aus U-Bahn-Lautsprechern findet offenbar Anhänger. Immer mehr Fahrgäste beschweren sich über die ständigen Belehrungen: Eine nervige Kinderpiepsstimme fordert uns auf, die Gratis-Zeitungen, die uns am U-Bahn-Eingang aufgedrängt werden, bloß ja nicht in der U-Bahn liegen zu lassen. Eine andere Stimme bittet uns, in der U-Bahn nicht zu rauchen (wann habe ich in der U-Bahn oder der U-Bahn-Station zuletzt jemanden rauchen sehen? Ich glaube, das war irgendwann in der Viktor-Klima-Ära). Man sagt uns, dass wir zügig ein- und aussteigen sollen. Und dass wir Menschen, die einen Sitzplatz brauchen, unseren überlassen. Jaaaa! Okeeee! Das wissen wir längst! (Was viele nicht wissen: Dass man in der U-Bahn keine Leberkässemmeln und keine Pizza-Schnitten essen und seine Stinkeschuhe nicht ausziehen soll. Aber bitte trotzdem keine entsprechenden Durchsagen; ich nehm’s auf die Liste Lässlicher Laster.) Und dann hört man seit kurzem bekanntlich noch vor jeder Station die Info „Ausstieg: links“ oder „Aussteig: rechts“. Die helfe, ließ ich mich aber dann ja unlängst von mitdenkenden Lesern belehren, sehbehinderten Fahrgästen: Ah ja, klar, macht Sinn. Nun aber berichten mir weitere Leserinnen von einer diesbezüglich interessanten Beobachtung: In den neuen U-Bahn-Garnituren hört man keine derartige Lautsprecher-Information. In denen zeigt nämlich ein kleiner Leuchtpfeil auf den in den Wagen angebrachten elektronischen Anzeigentafeln die korrekte Aussstieg-Seite an , also ungefähr so: -> und so: <- Haben Sie’s gehört? Die Blinden auch nicht.
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