Doris Knecht
| 10/07
| Kurier-Kolumne
Little Monster, Unerträglich, helikopter, Truckolix, Kreischendervogel und asdfgh haben auch heute wieder eine Meinung. Eine öffentliche: Auf den Online-Seiten von Medien, auf die jeder, maskiert unter einem Psyeudonym schlüpfen darf, um dort , als sei’s ein Kostümgschnas, Sachen zu sagen, die man sich im richtigen Leben nicht sagen traut.
Auch Zeitungen, die mit der besonders aufrechten Haltung ihrer Leser werben, fordern diese Leser dazu auf, diese Haltung an den Garderoben ihrer Online-Foren doch einfach mal gegen ein Deckmäntelchen zu tauschen: Darunter läßt sich anonym viel leichter Hass, Schimpf und Schande über Journalisten und die anderen Foren-Feiglinge schütten, darunter kann man Ansichten haben, die man unter richtigem Namen sicherheitshalber lieber nicht vertritt.
Das alles geschieht unter dem heeren Anspruch der Meinungsfreiheit. Aber wie viel ist eine Meinung wert, hinter der niemand steht? Beziehungsweise Absender wie Fugazzi, Teutone, Panzer, Zapp Zarapp, Hairy Tongue, a grünes stricherl, G. Schwätz. Chinese des Schmerzes, Dekorhippe, ach ach, flitzpippl, fetznpupperl, Ex-Katholik, Grande Saucisse oder 1000 Kopfläuse können nicht irren? Und, vor allem: wie frei ist diese Meinung?
Etwa so frei wie das neurotische Geschmiere auf Latrinen-Wänden. Beängstigend ist, dass die Anzahl dieser anonymen Entweichungen in manchen Redaktionen als Gradmesser für die Relevanz eines Artikels gilt. Beim online-KURIER heißt es: Anmelden, mit Vor- und Nachnamen regisitrieren. Und dann los: Haben Sie eine Meinung, und stehen Sie dazu. Das stärkt das Rückgrat.