Doris Knecht
| 10/07
| Kurier-Kolumne
Die Homepage der Österreichischen Raucherbewegung ist rauchnebelgrau unterlegt. Darüber prangt auf dunklem Grund ein Zigaretten-Logo, rechts ein Foto der rauchenden Marlene Dietrich. Dazwischen steht in Runenschrift: „’Die deutsche Frau raucht nicht, sondern gebärt Kinder.’ Goebbels“.
Ein rauchender Kollege, der auf die Homepage stieß, machte mich auf das Goebbels-Zitat aufmerksam, und seither rätseln wir, was die Raucherbewegung zur Verwendung eines Zitats von Hitlers Propagandaminister bewogen haben könnte. Und wie sie das meint.
Glaubt die Raucherbewegung, es mache ihr Anliegen richtiger, wenn Sie es mit einer dementen Parole eines furchtbaren Nationalsozialisten konterkariert? Will sie uns sagen, dass Raucher bessere Menschen sind, weil der schreckliche Joseph Goebbels rauchende Frauen pfui fand? Und soll das dann umgekehrt heißen, dass ich und alle anderen nichtrauchenden Mütter mit nationalsozialistischer Ideologie sympathisieren? Oder wie dürfen wir das verstehen?
Die Sache, eh schon total vertrottelt, wird noch kranker durch die Tatsache, dass Goebbels ja bekanntlich ein starker Raucher war. Macht ihn das nach den Prinzipien der Österreichische Raucherbewegung – Rauchen ist supi, Nichtrauchen igitt und gemein, weil Raucher-Rechte-beschneidend – zu einem doch nicht gar so furchtbaren Menschen? So oder so ist die Idee, ein Nazi-Zitat für den Transport welcher Botschaft auch immer zu verwenden, komplett gestört, und die Österreichische Raucherbewegung desavouiert sich damit selbst. Was allerdings eh ok ist.
Da fällt uns ein, Hitler war bekanntlich Vegetarier... Meinerseel, sind wir froh, dass die Fleischhauerinnung nicht so dämlich ist.
Aber was haben Sie von Leuten erwartet, die sich tatsächlich nicht entblöden, das Rauchen aktiv zu verteidigen? Es ist ja eine Sache, süchtig zu sein, find ich ganz ok, bin ich selber auch (allerdings nicht nach Zigaretten), aber eine ganz andere, dafür auf die Barrikaden zu steigen, die Sucht, immer und überall zum Schaden anderer ausüben zu dürfen. Da hilft kein Goebbels-Zitat, und Sie haben vollkommen recht mir Ihrer Kritik.