Doris Knecht
| 10/07
| Kurier-Kolumne
Prinzipiell sind einmal alle Ministerinnen und Minister zu preisen, von denen man nur im Amtszusammenhang zu hören bekommt: Danke, dass wir weder über Ihre Beziehungskrisen, noch über Gewichtsprobleme, noch über Vorlieben beim Sucht- und Nahrungsmittelmissbrauch informiert werden. Und danke auch, dass Sie uns nichts weiter von sich zeigen als Ihre professionelle Fassade: keine nackten Schenkel, keine Brustbehaarung, keine Inneneinrichtungsmalheure und auch nicht die Ultraschallbilder ungeborener Verwandter.
Ich weiß schon, dass andere darüber anders denken: Des Volkes Neugier am privaten Politiker ist unermesslich, weshalb es zu den sportlichsten Aufgaben des Boulevards gehört, die professionelle Außenhaut von Regierungsmitgliedern möglichst effizient zu durchdringen. Aber: Widerstand macht, wie auch das Beispiel Außenministerin zeigt, symphatisch und glaubwürdig. Denn Minister sind ja keine Popstars, sondern, wenn auch mit dem Nebeneffekt der Prominenz, bestellte und mit wichtigen Aufgaben betraute Diener des Staates. Je ernsthafter und uneigennütziger sie sich diesen widmen, desto besser.
Umso überraschenderes Rand-Detail einer KURIER-Geschichte: Die Außenministerin signiert bereitwillig Autogrammkarten. Und wir spekulieren einmal, dass das nicht die Idee dieser ansonsten vorbildlich zurückhaltenden Person war, sondern vermutlich ministerieller Usus.
Interessant. Denn so ein quasiprivates Signaturen-Präsent machen ja sonst Stars ihren Fans, als generöse Geste der Verbindlichkeit ihrem Publikum gegenüber. Sind Regierungsmitglieder jetzt doch Stars? Und wir Staatsbürger ihr Publikum? Hmm.