Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Die Kolumne über der Leondinger Busenbrunnen war noch warm, riefen mich schon erboste Oberösterreicher an: „Sie! Leonding liegt im Fall nicht, wie Sie geschrieben haben, im Hausruckviertel! Sondern natürlich im Traunviertel! Recherchieren Sie gefälligst besser, Sie Pfeife!“
Aber sehen Sie, besser als an der Quelle kann man kaum recherchieren, und ich hatte die Information direkt aus Leonding. Auf der offiziellen Homepage der Stadt,
www.leonding.at, steht unter „Die Stadt / Allgemeines“ folgendes geschrieben: „Fläche: 24,05 Quadratkilometer. Lage: Im östlichsten Teil des Hausruckviertels, zählt Leonding zum oberösterreichischen Zentralraum.“
Den Leondinger Link mailte ich dem Kollegen vom Oberösterreich- KURIER als Antwort auf dessen Mail, das einen Anhang des Archäologischen Informationssystem für Oberösterreich und einen Wikipedia-Link enthalten hatte: In beiden wird Leonding eindeutig dem Traunviertel zugewiesen. Der Leonding-Link löste bei dem Kollegen eine leichte Irritation aus, und als guter Oberösterreicher rief er stantepede im Leondinger Stadtamt an. Er geriet an eine Mitarbeiterin, die es nicht genau wußte, und alle anderen waren noch bei der Busenbrunnen-Eröffnung. (In Grossgmain bei Salzburg stehe übrigens, informiert mich Leser Hubert H., eine Madonna mit vier Brüsten; jeder entspringe ein Wasserstrahl. Ich bin ein wenig fassunglos.)
Als ich heute im Stadtamt von Leonding zwar nicht den Bürgermeister, aber eine zuständige Dame erreichte, war die das auch. Die Leondinger denken nun daran, den Hausruck-Eintrag auf ihrer Homepage zu korrigieren.
Permalink
| Comments (1)
| 11/07
Falter-Kolumne
Also gehe ich zur Eröffnung des Advents in der „Kabine“, und zwar obwohl mir der Grätzl-Faschismus der Leopoldstädter extrem auf den Sack geht. Leopoldstädter verlassen ihren Bezirk ja wenn irgendwie möglich nie, was nicht einfach ist, weil es dort in Wirklichkeit außer dem Karmelitermarkt, zwei bis drei Gasthäusern, einem Donaukanalufer und einer Handvoll lässiger Läden nicht viel gibt. Super Grünraum, schön und gut, aber das kann ja wohl in einer Großstadt nicht alles sein. Wenn ich super Grünraum will, zieh ich aufs Land. Trotzdem gehe in die „Kabine“, einem lässigen Laden in der Karmelitergasse, und zwar, weil ihre Mitbesitzerin mir über Dritte Drohungen übermitteln ließ, in denen die Wörter „Kopf“, „abreißen“, „persönlich“, „wenn“, „du“ und „nicht“ vorkamen. Es ist sehr
... weiter lesen ...
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Schön, hier zu leben: Mit diesem Motto wirbt das oberösterreichische Leonding. 25.676 Einwohner hat die an Linz grenzende Stadt im östlichen Hausruckviertel. Ein paar von ihnen, vor allem der SPÖ-Bürgermeister, haben sich jetzt darum gekümmert, dass das Leben in Leonding noch äh schöner wird. Sie haben den Leondinger Busenbrunnen errichtet: Eine Steinfigur in Form einer überaus stoisch dreinblickenden Frau mit akkurater Zopffrisur, die mit ihren Händen ihre nackten Brüste hochdrückt, deren bronzenen Warzen je ein dünner Wein-Strahl entspringt. Rot, weiß oder rosé, je nach Anlass und Geschmack.
Apropos Geschmack, denn der Brunnen wird auch dadurch nicht weniger gruselig, dass seine Verfechter anführen, einen ganz gleichen gebe es auch in der italienischen Stadt Treviso: Völlig egal wo er steht, es vereinen sich im Busenbrunnen Sexismus, Alkoholismus und Geschmacklosigkeit in lieblichster Harmonie.
Deshalb regt sich nun Unmut im schönen Leonding. Denn während alle roten Stadträte und der grüne das neue Leondinger Wahrzeichen gschmackig und schön finden, tun das Teile der Leondinger ÖVP gar nicht. In einer Nacht- und Nebelaktion sei der Hl. Michael, der zuvor den Platz der nunmehrigen Nackigen besetzt, demontiert und neben dem Kirchenaufgang abgestellt worden, beklagt die Leondinger VP auf ihrer Homepage: Dabei heißt der Ort doch Michaeli-Platz.
Konsequenterweise sollte Leonding deshalb nun auch den Platz rund um den Brunnen neu benamsen: Vielleicht in Spritzbusen-Platz. Oder in Sommelier-säuge-Platz. Oder in Pippler-Stillecke. Oder in Platz der weinenden Brüste. Schön lebt sich’s in Leonding.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Noch ein Freund von mir hat sich kürzlich einen Porsche gekauft: Die Zahl schneller und/oder teurer Autos in meinem Bekanntenkreis erhöht sich somit auf neun (3 Porsches, 1 Ferrari, 2 Jaguar, 1 Mustang, 1 Maserati, 1 1962er Alpha Romeo 2600 Sprint Bertone). Die Besitzer dieser Automobile sind allesamt männlich und haben vor einiger Zeit ihren 40. Geburtstag gefeiert: Was aber nach Auskunft jedes einzelnen nichts, ü-ber-haupt nichts, mit dem plötzlichen, unbezwingbaren Besitzbedürfnis eines schnellen, teuren, jedenfalls aber unglaublich schönen Autos zu tun hat.
Im männlichen Post-40-er Bekanntenkreis von Kollegin H. häufen sich dagegen die Plasmabild-Fernseher, nicht unter 43 Zoll Bilddiagonale, und H. erkennt einen überaus deutlichen Zusammenhang zwischen Riesenfernseher und Midlifecrisis, und das ist interessant.
Denn erstens scheint, wenn eine 25jährige Geliebte aus irgendeinem Grund nicht in Frage kommt, ein hochpreisiges Techno-Prestigeobjekt eine Mittellebenskrise doch fast stets am effizientesten zu heilen.
Zweitens aber weist der zur Verdrängung der Älterwerdensproblematik nötige Eskapismus im Zusammenhang mit dem Monster-TV-Gerät deutlich ins Passive, während man mit dem Sportwagen seinen Verwelkungsängsten doch recht aktiv davonzurasen trachtet.
Was den Superfernseher drittens wesentlich sicherer macht als das Superauto – und als die allfällige Superfreundin, wie auch nebenstehendes Beispiel drastisch zeigt. Denn ein kriselnder Mann, der auf der Couch knotzt und fernsieht, statt die Geliebte zu ohrfeigen, gefährdet weder die, noch die Gesundheit, noch seine Karriere.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Eine Frage stelle ich mir die ganze Zeit: Wenn man ein Baby wie den kleinen Luca im Arm hält, mit blauen Flecken überall, die bei so einem winzigen Kind ganz eindeutig nicht vom Spielen und Fallen kommen können: Wie kann man es dann wieder zurück in die Hände jener geben, die es so kaputtgemacht haben? Wie kann man das tun, ohne schreiend auf die Straße zu laufen und nach Hilfe zu rufen, nach der Polizei, nach irgendwem der dieses Kind beschützt? Vermutlich gibt es Strukturen, die exakt solche Reaktionen verhindern. Und genau das ist das Problem.
Im deutschen Schwerin ist letzte Woche die fünfjährige Lea-Sophie verhungert. 2005 geschah in Hamburg fast dasselbe: Die siebenjährige Jessica starb an Unterernährung, nachdem es den Eltern gelungen war, das Kind vor den Behörden zu verstecken. (Bei Luca war es anders: Viele haben es gesehen und gewusst.)
Was danach in Hamburg geschah: Es wurde, wie der deutsche Kinderschützer Georg Ehrmann von der „Kinderhilfe“ der SZ sagte, ,,ein Klima geschaffen, „in dem Sparen im Kinder- und Jugendschutz verpönt ist“.
Genau so einen Klimawandel braucht Österreich auch: Es muss Schluss sein mit der Einsparung von Sozialarbeitern, die sich in Krankenhäusern verdächtige Fälle genau ansehen und auch handeln, wenn Handlungsbedarf herrscht. Und wenn man ein Kind wie Luca wieder seinen Eltern übergibt, müssen die systematisch und engmaschig kontrolliert werden, und sofort sanktioniert, wenn sie sich diesen Kontrollen entziehen.
Denn was Kinderschützer Ehrmann noch sagt: Das Vertrauen in die Eltern sei zu groß. Dem ist vollinhaltlich zuzustimmen: Hätte man Lucas Eltern weniger vertraut, würde Luca vermutlich noch leben.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Genau ein Monat noch bis Weihnachten. Der Kollege H. erinnert daran, er steht in meinem Büro und wir führen eine eher konventionelle Weihnachtskonversation: Was wir den Kindern schenken und wie wir die Feiertage zu verbringen (beziehungweise: überleben) trachten und so weiter und so fort, das saisonal übliche Geplauder halt. Während wir so reden, wird uns – das hat natürlich eher minimalen Neuigkeitswert – recht deutlich bewusst, dass Weihnachten für alle, außer für die Kinder, immer nur ein Riesenstress ist und man sich nur eins wünscht, nämlich, dass es endlich vorbei sei.
Jetzt haben der Kollege H. und ich beschlossen, dass wir es heuer anders machen: heuer finden wir Weihnachten prima. Heuer genießen wir Weihnachten, den gesamten Advent und jeden einzelnen Feiertag.
Wir freuen uns auf den Körperkontakt in den Einkaufsstraßen und die Möglichkeit, mit netten Fremden ins Gespräch zu kommen, denen wir im Spielzeugladen ritterlich das letzte Playmobil-Piratenschiff aufdrängen werden. Endlich hören wir wieder „Last Christmas“ und „Felice Navidad“! Wir freuen uns auf Weihnachtsfeiern und Punschereien. Ich freue mich auf das Adventkranzbinden und darauf, jeden Abend mit den Kindern bei Kerzenschein altmodische Lieder zu singen. H. freut sich auf den Bastelnachmittag im Hort und hat herzliches Verständnis für die Absagen der Handwerker, denen es vor Weihnachten leider nicht mehr möglich ist, die verabredeten Arbeiten zu verrichten: schon okee!
Der H. und ich, wir werden dieses Jahr mit sooo einem Lächeln auf den Heiligabend zu- und durch ihn durchschweben: Heuer wird Weihnachten nämlich extrem wunderschön.
Permalink
| 11/07
Falter-Kolumne
Jetzt höre ich heimlich, weil der Lange mir sonst den Vogel zeigt, „Simon & Garfunkel: The Collection“, die mir der Kollege T. geborgt hat. Der Kollege T. und ich befechten uns für gewöhnlich mit vollkommen konträren Pop-Positionen, deren Gegensätzlichkeit sich damit illustrieren lässt, dass der Kollege T. die E-Street-Band liebt, von der ich jedes einzelne Mitglied mit strengem, lebenslangem Musizierverbot belegt sehen will. Was die eben wieder auf der neuen Springsteen angerichtet haben; Heiliger. Aber es gibt winzige Schnittflächen, bei denen der Kollege T. und ich uns unglaublich einig sind. Simon & Garfunkel! Ja. Immer.
Apropos Schittflächen, was tut man, wenn die Kinder endlich wieder mal zu den Kindern der Y.s wollen, man selbst aber nicht mehr zu den Y.s? Das kommt nun mal vor, dass man manche Freunde nicht
... weiter lesen ...
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Also Frau P. schreibt, wenn sie richtig informiert sei, „zahlen Fahrradfahrer/Innen – im Gegensatz zu Autofahrer/Innen – keinen Cent an Steuern, die u.a. in die Straßenreinigung fließen.“
Denn ich jammerte hier unlängst ein bisschen darüber, dass bei Schneewetter zwar die Fahrbahnen und Gehwege schneegeräumt werden, nicht aber alle Fahrradwege, und das resortiert für Frau P. bei jener Sorte Aufregung, von der sie nicht weiß, was sie soll. Radfahrer sollen sich also selbst um die Benutzbarkeit ihrer Fahrwege kümmern oder zumindest extra dafür bezahlen.
Das ist eine interessante Einstellung, die man in zwei verschiedene Richtungen diskutieren kann: A) in jene, wo wir darüber reden, was die Radfahrer, in dem sie kein Auto benutzen (und kein CO2 ausstoßen und die Straßen nicht verstopfen und keine Ressourcen blablabla), zum Gemeinwohl so alles beitragen.
Oder, B), wir könnten einen strikt zweckgebundenen Steuergeldeinsatz andenken, also Extra-Steuern für extrawurstige Wünsche wie zum Beispiel hindernisfreies Radfahren bei jeder Witterung. Was im Endeffekt dazu führen würde, dass die Höhe der Steuern nicht mehr nach der Höhe des Einkommens berechnet werden würde, sondern dass jeder für das bezahlt, was er benutzt und braucht. So müssten zum Beispiel Kinderlose nicht mehr für Errichtung von Spielplätzen und den Erhalt von Schulen zahlen, Autofahrer nicht für neue Bahnhöfe, die aktuelle berufstätige Generation nicht mehr für die jetzigen Pensionisten, Modernisten nicht für den Erhalt historischer Gebäude, und die Gesunden nicht mehr für die Kranken. Super Idee. Vielleicht reden wir doch lieber weiter über A).
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Bevor der Fön kommt und der Schnee vollends verschwindet, möchte ich noch schnell die Geschichte von der Frau V. erzählen. Die Frau V. schrieb mir, dass sie nämlich in der Nacht, als der Winter anfing, auch auf der Autobahn fest saß.
Sie war auf dem Weg nach Hause, sie hatte eine genaue Vorstellung von der Gemütlichkeit des Abends, der bald für sie beginnen würde, und statt dessen war sie in ihrem alten Mazda gefangen und konnte gar nichts tun. Nur warten. Also tat sie das gescheiteste: Sie giftete sich nicht länger, sondern versuchte, die Situation nach ihren Vorteile abzusuchen. Und sieh da, sogar in dieser blöden Sitation fanden sich welche.
Denn wenn man nichts tun kann, braucht man auch nichts zu tun, kann sich also endlich einmal ausruhen. Und wenn man, weil der Handy-Akku irgendwann leer ist, mit niemanden mehr reden kann, muss man mit keinem mehr reden, sondern kann ungestört zuhören. Wie der Schnee fällt. Und den CDs, die man im Autos findet (Frau V. fand glücklicherweise ein paar Hörbücher), und dem Radio.
Ah genau, das Radio. Hier würde Frau V. gern eine kleine Kritik vortragen. Denn sie wäre in den elf Stunden, in den sie in ihrem Auto im Dunkeln saß, gerne vom Radio direkt angesprochen worden. Sie hätte gern gehört, dass die Betroffenen ruhig bleiben, keine Experiment machen, Platz für Einsatzfahrzeuge lassen und nicht noch das letzte Stückl Fahrstreifen blockieren sollen. Sie hätte gern eine Bestätigung gehabt, dass da draußen an sie gedacht wird, dass man sich kümmert.
Aber sonst..., schreibt Frau V: Das Leben funktioniere eben nicht immer genau nach Plan. Aber man kriege was dafür: Spannung, Würze, derlei. Oh ja.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Erstens: Es heißt nicht Zweierlinie. Leser Dieter H. wünscht, dass endlich damit aufgehört werde, den Außenring zwischen Rathaus und Linker Wienzeile Zweierlinie zu nennen. Und zwar, weil die namensgebenden und ehedem dort verkehrenden Straßenbahnlinien 2E, 2E und 2G das dort schon seit Jahrzehnten nicht mehr tun. Ein Ortsunkundiger habe bitte keine Ahnung, wovon hier gesprochen werde. Herr H. richtet diese Aufforderung nicht nur an mich, sondern vor allem auch an den Verkehrsfunk. Jawohl.
Zweitens: „Schmidt & Pocher“ ist überhaupt nicht gut. Harald Schmidt allein war schon länger nicht mehr besonders toll, aber mit Oliver Pocher ist es jetzt wie Stefan Raab für Gebührenzahler und Tagesschauer und ungefähr so brillant wie ein Eierbrikett.
Drittens: Meine Glückseligkeit ist offenbar nur eine Zuckerlbreite entfernt. Ich muss nur von diesem Stuhl aufstehen, in den nächsten Laden marschieren, ein Kräuterzuckerl erwerben, bisschen lutschen und schon kommt „Ruhe und Entspannung in ihre Welt“. Also in meine; verspricht jedenfalls eine TV-Reklame
Sofort brauch ich dieses Wunderzuckerl, das offenbar bewirkt, dass mein Telefon nicht mehr klingelt, die Kinder nicht mehr streiten, die Waschmaschine sich repariert, das Geschirr den Schmutz selbst von sich wirft, die Rechnungen bezahlt sind, Weihnachten nicht vor der Tür steht, die Autoalarmanlage vor dem Haus nie mehr losheult und meine Nacken-Verspannung sich wie Zuckerwatte auflöst. (Der Masseur: „Macht Ihnen diese Betonplatte in Ihrem Nacken eigentlich keine Probleme?“ „Nicht solange Sie nicht darin herumbohren.“) So einfach ist das Leben, ich habe es bisher nur nicht gewusst.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Man könnte sagen, was S. sagt: Warum sollten sie die Radwege von Schnee frei räumen, fährt ja bei dem Wetter eh keiner mit dem Rad. Oder man kann die Sache genau anders herum sehen: Vielleicht fährt keiner mit dem Rad, weil man sich nicht darauf verlassen kann, dass alle Radwege und -streifen geräumt sind. Ich radle bei fast jedem Wetter und stelle fest: Es wird einem nicht immer leicht gemacht.
Die zentralen Radwege am Ring und an der Zweierlinie: Großteils kein Problem. Dort ist wie auf den Fahrbahnen gestreut und teilweise gesalzen worden, dort kommt man sicher voran. Jedenfalls, solange die Radwege an Gehwege grenzen, die an öffentliche Grundstücke grenzen.
Wenn die Gehsteige neben den Radstreifen vor Gebäuden liegen, sieht die Sache allerdings anders aus. Denn bekanntlich sind Hausbesitzer verpflichtet, die Bürgersteige vor ihren Häusern passierbar zu halten, also schippen sie den Schnee ordentlich vom Gehsteig hinunter auf den Radweg, für den die Vorschrift offensichtlich nicht gilt: Dort bleibt der Schnee in großen Haufen liegenund macht das Radfahren zu einem riskanten Abenteuer. 100 Meter ist der Radweg schneefrei, plötzlich trifft man auf vereiste Schneehügel und muss jählings ausweichen.
Innerhalb der Bezirke scheint es offensichtlich keine Regelungen zu geben, wie bei Schneefall mit Radwegen zu verfahren ist, weshalb Radwege, die nicht unmittelbar an der Fahrbahn liegen, sondern zwischen Häusern und Parks hindurchführen, meistens einfach nicht geräumt werden: die Gehwege daneben dagegen schon.
Ständig werden die Bürger aufgefordert, aufs Rad umzusteigen: Gilt das nur bei Schönwetter?
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Es schneit. Es schneit ENDLICH! Sagen die Kinder, die jetzt eineinhalb Jahre ohne richtigen Schnee waren und mit denen auf der Straße kein Weiterkommen ist: Schau!, Man sieht die Autos nicht mehr! Und der Ballkäfig, schau, wie der ausschaut! wie ein Märchentempel! Und die Bäume! Wie wenn schon Weihnachten wär!
Es schneit ein bisschen gar zeitig. Sagen die meisten Erwachsenen, für die Schnee im November mit Ungemach verbunden ist, mit Gewate im Gatsch und Gewarte auf die Bim, und Kindern, die nicht weitergehen, mit zugeschneiten Autos und eingefrorenen Schlössern: Ereigniskulminationen, auf die viele noch gern bis zum 3. Advent verzichten täten, danke. Ganz besonders auf eine Nacht im Auto auf einer Autobahn, auf der nichts mehr geht und aus dem es kein Entkommen gibt: ungut, mörder ungut.
Es schneit ein bisschen, haha, jetzt werden die Wiener gleich wieder ganz wuggi. Sagt die Oma, kurz bevor sie den Zug Richtung Provinz besteigt. Bitte gar schön, sagt die Oma – Betonung auf dem gar – kaum schneit’s ein paar Zentimeter, tun die Wiener, als sei eine Naturkatastrophe über sie hereingebrochen.
Dabei müsste man meinen, dass der Lauf der Jahreszeiten ganz leicht zu kapieren wäre, sagt die Oma, erst der Frühling, dann der Sommer, dann der Herbst, dann der Winter, und wenn es Winter ist, schneit es, das dürfte eigentlich niemanden überraschen, also bei uns am Land überrascht das niemanden. Aber die Wiener... Na na na, Oma, sag ich.
Die Oma sagt, sie fährt jedenfalls diesmal lieber mit der U-Bahn zum Bahnhof, sonst bleiben wir noch zwischen all den Sommerreifenheinis im Stau stecken; und da ich ihr jetzt nicht widersprechen.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
50 sei das neue 35, las ich neulich im lässigsten, lustigsten deutschsprachigen Stil-Blog, jenen von Vanity-Fair-Online. Natürlich belegt die Autorin ihre Behauptung mit Fotos von atemberaubenden 50-jährigen Frauen, die allerdings zugegebenermaßen nicht viel anderes zu tun haben, als sich schön zu machen, schön zu sein und schön zu bleiben. Trotzdem ist es ermutigend, wenn 50 noch als jung gilt, wobei... halt.
Die Kollegin K., die kürzlich 50 wurde, berichtete mir mit einem Ausdruck vollkommener Entgeisterung von einem Senioren-Magazin, dass ihr die ÖVP ab diesem runden Geburtstag automatisch zugeschickt hatte: Darin sei ihr unter anderem nahegelegt worden sei, sich jetzt langsam nach einem Pensionistenheime umzusehen: Das Lebensglas sieht für die ÖVP mit 50 offenbar eher halb leer als halb voll aus.
Trotzdem erschien der Kollegin dieser Vorschlag fast weniger gespenstisch als das Angebot, jetzt vielleicht einmal einen Anfänger-Computer-Kurs zu belegen, auch wenn sie es durchaus nett findet, dass man hier 80jährigen Pensionisten den Anschluss an die Gegenwart zu erleichtern trachte: Aber für eine berufstätige 50jährige wie sie, die ca. 50 Stunden pro Woche vor einen Computer-Bildschirm verbringt, klinge das Angebot irgendwie höhnisch. Die Kollegin macht den Vorschlag, das Magazin doch lieber erst an Leute zu verschicken, die das gesetzlich vorgeschriebene Pensionsalter schon erreicht haben und bestellte es bis mindestens dahin ab.
Ich finde es inzwischen begrüßenswert, dass der 25-irgendwas-TV-Serie „Greys Anatomy“ gerade ein 40-plus-Ableger sprießt. Auch wenn mir die Frauen darin ein Eitzerl zu atemberaubend sind.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Mit der Mailbox von meinem MacBook stimmt etwas nicht. Ich kann Mails schicken, und die Verbindungsprüfung zeigt kein Problem, aber es kommen keine Mails mehr, nicht einmal Spam: Da stimmt etwas nicht. Die Oma sagt, wahrscheinlich liegt’s am gestrigen Sturm, der hat gewiss eine Leitung kaputtgeweht.
Ich rufe die 0800er-Nummer meines Providers an, spreche „Technical Support“ in den Hörer (die Oma: Wasss? Nichts, Oma!) und werde mit einem Herrn verbunden, dem ich mein Problem erkläre. Der Herr geht mit mir die Einstellungen meiner Mailbox durch und als wir bei „Schrift und Sprache“ ankommen, sage ich: Sie, die Schrift passt super, es kommen aber keine Mails an, und der Herr sagt, dann muss es an meinem Gerät liegen, da kann er nichts machen. Ich bedanke mich höflich und lege auf.
Die Oma sagt, wenn sie mit dem Computer ein Problem hat, ruft sie immer bei AON an und sagt mit flehentlicher Stimme: Helfen Sie mir büüütte, ich bin eine hilflose Pensionistin!, und dann sind sie immer sehr nett und aufmerksam und erklären ihr von Punkt bis Komma alles ganz genau. Einmal abgesehen davon, dass die Oma in Wahrheit nicht die Spur hilflos ist, würde mir das nichts nützen, wenn am anderen Ende so ein Genie sitzt wie eben. Ich wähle die Nummer eine Stunde später noch einmal, und diesmal ist, gut!, eine Frau dran, denn Frauen kennen sich – ich spreche aus jahrelanger Helpcenter-Erfahrung – mit Mac meistens besser aus als Männer. Und die da, Halleluja, kennt sich prima aus, stellt die richtigen Fragen und in drei Minuten ist das Problem, das mit meinem Gerät null zu tun hat, behoben. Der Sturm war’s, oder? sagt die Oma? Fast, Oma, fast.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Es ist natürlich das gute Recht jeden Staatsbürgers, gegen bestehende Gesetze zu sein. Gegen die Fristenlösung zum Beispiel: Die regelt seit 1975 den Schwangerschaftsabbruch in Österreich, und ebensolange gibt es Bemühungen verschiedener Seiten, sie wieder los zuwerden.
Dennoch nützte die ÖVP die Jahre, in der sie die Regierung anführte, nicht dazu, das Gesetz abzuschaffen, das Schwangerschaftsabbrüche bis zur 12. Woche straffrei stellt: Die Fristenregelung mag ein ungeliebtes, moralisch umstrittenes Gesetz sein, aber ein besseres ist bisher keiner Regierung eingefallen.
Fakt ist: Wir haben die Fristenreglung, und sie gibt Frauen das Recht, eine ungewollte Schwangerschaft fristgerecht straffrei zu beenden.
Oder quasi straffrei: Denn was sich so vor österreichischen Abtreibungskliniken abspielt, kommt einer Bestrafung ziemlich nahe: durch eine militant zudringliche Abtreibungsgegner-Phalanx, die Frauen, die eine schwere Entscheidung getroffen haben, mit Plakaten bedrängen, Druck ausüben, psychoterrorisieren.
Jeder Staatsbürger hat das Recht, seine Meinung gegen bestehende Gesetze zu äußern, aber hier geschieht das auf dem Rücken von Frauen, die kein Gesetz verletzen.
Wenn die sogenannten Lebensschützer die Fristenregelung abgeschafft sehen wollen, sollten sie mit ihren Plakaten dort aufmarschieren, wo die Gesetze gemacht werden: vor dem Parlament. Die Abgeordneten aber werden an Sitzungstagen von einer 300-Meter-Bannmeile vor Demonstranten geschützt, vor Zudringlichkeiten und Psychoterror. Es wäre nur fair, auch den Frauen auf ihrem schwierigen Weg einen solchen Schutz zu gewähren.
Permalink
| 11/07
Falter-Kolumne
Die Breussin ruft an; ich hebe ab und sage, Breussin, tut mir leid, ich kann grad gar nicht. Das ist untertrieben. Tatsächlich passiert gerade folgendes gleichzeitig: Das Mädchenmimi, das mit dem Langen im steckengebliebenen Lift gefangen ist, will mit einem Strohhalm durchs Gitter mit Saft gefüttert werden, die erste der drei eingeladenen Freundinnen hat gerade meine Küche betreten und ist zur Begrüßung spontan in Tranen ausgebrochen, die zweite Freundin begehrt unten an der Haustür Einlass, die Zwiebeln von den Kässpätzle sind am Herd gerade in ihrer kritischen Phase und der Mann von der Liftfirma ruft, unmittelbar nach dem ich der Breussin aufgelegt habe, nochmal an, um sich zu erkundigen, ob der Techniker schon da ist.
Zum Glück sind nicht alle Abende so. An anderen Abenden werde ich einfach ganz normal von Theaternerds beschimpft. Das ist in Ordnung: Niemand
... weiter lesen ...
Permalink
| Comments (1)
| 11/07
Kurier-Kolumne
Meine Lieblingsunsinnigkeit der neuen Rechtschreibung: dass man schreiben muss „drei Mal“, aber „13-mal“. Wenn mir das mal einer erklären könnte: vielleicht jemand vom dem Rat der deutschen Rechtschreibung, der eben in Wien tagte. Ich habe nämlich ohne solche Spezialfälle schon genug Schwierigkeiten mit der Sprache, wie mich meine Leser wieder einmal freundlich wissen ließen.
Danke, dass Sie mich zahlreich auf die Fehlschreibung des Wortes „Wadlnfirerichten“ aufmerksam machten, Sie haben natürlich, vollkommen Recht, Frau T. Herr F. und Herr T.: Das Wort beschreibt die Repostionierung der Unterschenkelmuskulatur durch eine Drehung nach vorne und muss daher, logisch, mit einem v geschrieben werden. Wadlnvirerichten also.
Mit mailigen Paradeisern beworfen (sozusagen) wurde ich auch für die Verwendung der Letternkombination Zett Be: Leser Robert DePunkt rät Komma künftig auch andere Abkürzungen auszuschreiben Doppelpunkt. Ist ja schon gut: lieber nicht.
Helmut M. bittet um Unterlassung der Redewendung „im Gegenteil:“, denn meistens habe das, was danach komme, mit einem Gegenteil gar nichts zu tun. Und darauf ließe sich jetzt mit einer schönen, komplexen „im Gegenteilwendung antworten, aber das wäre irrsinnig billig. Wenngleich ich nicht ganz Herrn M.s Meinung bin; das haut schon manchmal hin.
Johannes D. dagegen monierte einen Quasi-Tippfehler, denn im Zusammenhang mit dem Taschenurinal schrieb ich vom „Vor-Ort-Stehgreif-Urinieren“. Und das war, obwohl es, richtig buchstabiert, Stegreif heißt, schon so gemeint.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
In der Josefstadt wurden Anrainer eines Platzes vor ein paar Wochen zu einem Info-Rundgang geladen: Es ging um drei kranke Kastanienbäume, die gefällt werden müssen. Ein Experte des Stadtgartenamts kam, ging mit den Anrainern von Baum zu Baum, informierte über Alter und irreparable Schäden der drei Kastanien und sah ob deren Unrettbarkeit selbst so traurig aus, dass man ihn, wie eine Anrainerin berichtete, trösten wollte. Unlängst erhielten die Anrainer einen Brief der Bezirksvorstehung, der sie noch einmal über die leider notwendige Rodung der Bäume informierte.
Mit so einem Vorgehen hätte man sich vielleicht auch in der Johrstraße viel Unfrieden und Aufruhr ersparen können: auch wenn es dort nicht um Bäume geht, die weg müssen, sondern um Punks, die her sollen. Für die seit Jahren in der Mariahilfer Straße ihre Leben verlungernden 30 oder 40 Jugendlichen samt Hunden wurde nach zwei Jahren Verhandlungen endlich das Haus gefunden, nach dem das Projekt „Pankahyttn“ lange gesucht hatte. Das Gebäude, in dem die Punks künftig von mehreren Sozialarbeitern betreut leben und eine Zukunft finden sollen, steht in der Johnstraße 45: Leider erfuhren die Anrainer davon aus der Presse.
Logisch, Anrainer sind – es gibt in der Gegend Schulen und Kindergärten – prinzipiell einmal wenig bis gar nicht begeistert von so einer Nachbarschaft: Dass es Ängste und Bedenken gibt, kann man gut verstehen. Das wäre natürlich der Punkt, an dem Gespräche und Information wichtig wären, denn beim Reden lassen sich Bedenken minimieren, oft sogar ausräumen. Stattdessen: mehr Angst, Panikmache, Verständnislosigkeit, Ablehnung, Protest. Das hätte man besser machen können.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Einmal habe ich einen jungen deutschen Architekten gekannt: der kam zur Curriculumsbehübschung eine Zeit lang nach Wien, um bei Coop Himmelblau anzuheuern. Der Architekt war ehrgeizig, zielstrebig und entschlossen, wenn nötig, 24 Stunden am Tag zu arbeiten. Er kam in Wien an, betrat ein Kaffeehaus und saß zwei Jahre später immer noch vor seiner Melange; im Gesicht einen Ausdruck rosiger Verwunderung. Es hatte es nicht für möglich gehalten, dass man die Zeit so glücklich mit Nichtstun, Palawern, Zeitunglesen und Kaffeetrinken herumbringen kann. Dass es einem dabei an nichts fehlt. Und dass man nie das Gefühl hat, etwas Wichtigeres zu versäumen.
Das ist Wien: eine Stadt mit einer über so viele Dekaden gewachsenen Kultur des Nichtstuns, dass man, wie mir das letzte Woche wieder passiert ist, an einem Freitag um zwei Uhr Nachmittags Schwierigkeiten hat, einen freien Tisch in einem Kaffeehaus zu bekommen. Etwas, das etwa in Zürich undenkbar ist; und dort, in produktiverer Atmosphäre, machte der Architekt dann auch seine Karriere.
Mich verschlägt es derzeit einmal wöchentlich ins Cafe Weingartner in der Goldschlagstraße, und heiliger Altenberg, ist das ein herrlicher Ort. So, genau so wünscht man sich das alte Wiener Kaffeehaus: mit exakt diesem Schäbigkeitsquotienten, mit so einem großartigen Zeitungsangebot, das mit FAZ bis Gala jeden bedient, mit diesem Mix von völlig unterschiedlichem Publikum, mit genau so einem makellos aufmerksamen Ober, der einem den Schlüssel für die Toilette schon in der Hand drückt, bevor man danach fragen kann. Solche Orte braucht eine Stadt: solche Orte machen Wien Wien.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Also gut, ich werde nicht fragen, ob es wirklich notwendig ist, jedes Jahr vor Weihnachten in der ganzen Innenstadt Hütten aufzustellen, um über die Straße hochprozentigen Alkohol auszuschenken und so den Quotienten betrunkener Innenstadtbenutzer saisonal noch ein bisschen zu erhöhen. Werde ich nicht; ich weiß ja, es ist für den guten Zweck, und so trinken die Leute ihren Alkohol wenigstens an der frischen, qualmfreien Luft, tun also nicht nur Gutes, sondern auch noch etwas für ihre Gesundheit, und so weiter.
Zudem wird die Punschhütte jetzt schöner. Bezirksvorsteherin Stenzel will Alm raus (gut) und Design rein ( gut), hat Studenten der Angewandten mit dem Entwurf betraut (sehr gut) und heraus kam etwas, das die Bezirksvorsteherin als „modernes, urbanes Design, angelehnt an Adolf Loos“ beschwärmt.
Nichts gegen den großen Designer und Architekten Loos, aber er ist halt auch schon 74 Jahre tot. Und das erfolgreichste Beispiel konsequent gegenwärtigen Stadtmöbel-Designs zeigt, dass es gar nicht notwendig ist, sich immer an bewährten Vorbildern zu orientieren: Die „Enzis“, die bunten Polyester-Sofas im Museumsquartier, wurden vom Architektenteam PPAG radikal modern und funktional entworfen, biedern sich dem MQ kein bisschen an, stechen arg heraus und sind trotzdem keine Fremdkörper, im Gegenteil: sie machen das MQ besser, lebendiger, lässiger. Die Leute lieben die Enzis; man kann darauf liegen und lesen, plaudern, schlafen, klettern, trinken und picknicken, man kann sie zusammenbauen und auftürmen. Und man erkennt sie als Wiener MQ-Möbel mittlerweile auf der ganzen Welt: Es muss nicht immer nur Loos drin sein, wenn Wien drauf steht.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Unlängst saß ich mit Freundin M. bei Getränken, wir sprachen übers Essen. M. fand, es werde viel zu viel Getue ums Essen und ums Kochen gemacht. Zett Be in unserem Freundeskreis: es gehe praktisch permanent darum, wer wann was wie für wen koche.
Jaja, mag sein, und ich weiß schon, dass M. auf das kleine Argument anspielt das ich kürzlich mit F. über die korrekte Zubereitung von Kässpätzle hatte: Die Erörterung der Frage Wasser oder Milch nahm, worauf ich nicht stolz bin, Shakespearsche Wucht an.
Dennoch ist M.s Kritik verwegen, denn seit ich sie kenne, habe ich noch nie etwas Warmes aus ihrem Töpfchen gegessen: Während M. oft und gern vom Kochwahn ihrer Freunde profitiert, und dabei keine Scheu zeigt, auch mal persönliche Verbesserungsvorschläge zu formulieren.
Immerhin: Wir sind kein singuläres Phänomen. Das Essen und seine Zubereitung scheinen, das sieht man momentan auch auf allen TV-Kanälen, von gigantischer Wichtigkeit zu sein. Egal wo man hinzappt, tag und nacht wird in privaten und Promi-Küchen gekocht, es raucht und pfaucht in öffentlichen Koch-Shows, Sarah Wiener ist auch wieder unterwegs (gut!) und große Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter jetzt psychokochen.
Apropos psycho, denn das stellen M. und ich beim Trinken auch fest: wie viel übers Essen eigentlich ausgemacht wird. Konflikte werden ausgetragen, Standpunkte veranschaulicht, Gesinnungen transportiert. Allein die unterschiedlichen Ansichten, was, wann, wie und wo Kinder essen sollen, kann Freundschaften und Familien empfindlich irritieren. Meine zum Beispiel: Die Kinder sind krank, ich muss ihnen jetzt was kochen. Und wehe, die essen das nicht.
Permalink
| Comments (3)
| 11/07
Falter-Kolumne
Mit dem Langen im „König Lear“ gewesen. Ich weiß nicht. Großartige Schauspieler, beeindruckendes Bühnenbild, tolle Kostüme (vor allem das, wo Lear aussieht wie einer der Außerirdischen in „Mars Attacks“), ziemlich mieses Drehbuch. Ich meine, jetzt einmal ehrlich, selbst Rotkäppchen schnallt relativ schnell, dass das Viech in Grossmutters Nachthemd nicht Großmutter ist, aber im „Lear“ braucht sich nur einer ein bisschen Dreck ins Gesicht zu schmieren, schon wird er von seiner gesamten Familie, einschließlich seiner Erziehungsberechtigten, dauerhaft nicht mehr erkannt. Unnötiges Stück, überhaupt; mit insgesamt viel zu wenig Identifikationspotential, als dass es sich lohnen würde, vier Stunden lang aus dreißig Meter Höhe in einer Haltung, die meine Ergotherapeutin definitiv nicht
... weiter lesen ...
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Der Kollege Hohenlohe pflegt für unortodoxe Ausdrücke körbeweise Post zu erhalten, und auch meine Wortwahl steht unter scharfer Beobachtung. Die prompt in scharfe Levitenlektüre umschlägt, wenn meine Formulierungen regionalen oder sittlichen Standards nicht entsprechen.
Mittlerweile haben mich meine Leserinnen und Leser durch konsequentes Wadlnfirerichten gelehrt, gewisse A.-, F.- und Sch.-Worte nie nicht zu verwenden, und zwar nicht einmal dann, wenn der Kontext praktisch keine Ausweichmöglichkeiten zulässt. Die gäbe es immer, unterweist mich die Leserschaft, und wenn ich sie nicht fände, hätte ich meinen Beruf verfehlt. Aua. Und: Jawoll! Ist schon hinterm Ohrwaschl notiert.
Kürzlichrief mich Herr H. an und schimpfte mich tüchtig, weil ich diesentags das Wort „fies“ verwendet hatte. Wie ich dazu käme, so ein Wort zu gebrauchen? Nun ja, ich fand es passend. Das sei aber kein österreichisches Wort! Aha, Entschuldigung, aber ich hatte nicht gewusst, dass es verboten ist, unösterreichische Worte zu verwenden.
Hatte ich natürlich schon, weil mir für die Verwendung von mal, hab, grad, runter, rauf, ran und dran schon so oft auf die Finger gehauen wurde, dass diese nun gewisse Tastenkombinationen scheuen.
Aber. Sie! Jetzt hab ich grad mal wieder „Leon Pirat“ vorgelesen, eins der wunderbaren Bücher der anbetungswürdigen Christine Nöstlinger. Und was schreibt die da? „Das Schiff segelte das ganze Jahr auf dem Meer rum“, schreibt die da. Und hiermit erlaube ich mir mir frecherweise, Frau Nöstlinger ungefragt als Zeugin für die Freiheit der Sprache aufzurufen. Zu strenge Regeln machen Sprache arm. Na gut; das war jetzt nicht deutsch.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Erstens. Seit der Kollege H. mir in drastischen Bildern schilderte, was so an meinen Füßen picken bleibt, wenn diese unbesohlt durchs Stadthallenbad schlurfen, betrete ich es nur noch mit Badeschlapfen. Aber auch wenn das Rasieren von Körperhaar in den Damenduschen mittlerweile untersagt wurde, könnten auch Badeschlapfen mit meterdicken Sohlen immer noch nicht verhindern, dass es einem kilometerweise Fremdhaupthaar um die Zehen wickelt. Und leider kleben an den Schlapfensohlen weitere Haare, die ich entweder mit den Fingern (igitt) herunterzupfen oder in meiner Sporttasche nach Hause (igitter) tragen muss. Was tun? Kollege Super-H. wirft sich hoffentlich schon in sein Cape, um das Problem einer Lösung zuzuführen.
Zweitens, und weitab der Niederungen des Stadthallenbades, findet in der Hofburg bald wieder „Luxury, please“ statt, die Messe für Reiche, Reichere und Supermegareiche. Das zerstört mir liebgewonnene Illusionen: dachte ich doch stets, eines der Privilegien des Reich-, Reicher- und Supermegareichseins sei, dass man nicht mehr selber in den Bau-Markt, nie in die Blaue Lagune und ganz bestimmt nicht auf eine Messe gehen muss. Ich dachte immer, Juweliere, Pelzhändler, Maßschuster, Haute-Couturisten, Yacht- und Luxuswagenhändler buckelten in die Villen und Schlösser, um eine auf die jeweilige Reichen-Persönlichkeit abstimmte Produktpalette zu präsentieren.
Aber offenbar ist Reich und Megareich, wie der Erfolg der Vorjahres-Messe beweist, durchaus bereit, schmerzende Füße zu risikieren, um der staunenden Rest-Welt nicht immer nur zu zeigen, was man hat. Sondern auch, was man haben wird und haben könnte. Man lernt nie aus.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Noch immer tue ich mir schwer, mich auf die Euro 08 zu freuen. Die Euro 08 macht mir Sorgen, unterschiedliche Sorgen, und die aktuellsten beziehen sich auf das sog. Roadbag. Mit diesem Taschenurinal für Herren hat sich der Kollege Schume bereits kolumnistisch auseinandergesetzt, was meine Sorge keineswegs verringert hat: Die Idee von biervollen Fussballfans, die mitten im Gedränge ihre Nudel aus der Hose fassen und damit in ein Sackerl zielen, macht mich nicht froh. Ich sorge mich auch, dass das Vor-Ort-Stehgreif-Urinieren in kleine Gefässe (Plastikbecher, Damenhandtaschen, Bierflaschen, Gesäßtaschen der Vordermänner) durch die Erfindung des Taschenurinals zu einer sozial akzeptierten Kulturtechnik werden könnte, die sich auch auf Bim und Postschalterschlange ausweiten lässt. Ich keine Ruhe finden, solange die Verwendung von Roadbags während der EURO nicht ebenso streng verboten ist, wie das Pischen an Bäume, Zäune und Hauswände.
Mein Bekannte S. sorgt sich auch, sie ist frisch schwanger, hat sich ausgerechnet, dass der Geburtstermin des Nachwuchses ziemlich genau mit dem Euro-Endspiel zusammenfällt und erwägt nun eine Hebammen-Hausgeburt.
Und es sorgt sich die Polizei. Folgende Beschaffungen wurden laut „Polizei aktuell“ für die Euro 08 beschlossen: 5 Arrestantenwagen 12-sitzig, 8 Arrestantenwagen 9-sitzig, 7000 flammenhemmende Overalls, 1000 Helme, 820 Körperschlagschutz-Garnituren, 2000 Stück Tiefschutz, 1000 Atemschutzmasken, 4000 Paar Einsatzhandschuhe, 1000 Schutzschilde und Einsatzstöcke und 300 Tretgitter.
Das ist ein bisschen wie wenn die Stewardess während eines rumpeligen Fluges zu weinen beginnt. Es macht meine Euro-Sorgen nicht weniger.
Permalink
| 11/07
Kurier-Kolumne
Bis zum Minoritenplatz kann ich die Vorarlberg lachen hören: Denn die Polizisten im Ländle dürfen vorläufig nicht mehr mit dem Fahrrad auf Streife gehen, und zwar warum: Weil in Wien ein Polizist vom Rad gefallen ist. Man hofft ja, der Beamte hat sich nicht weh getan, aber: ha ha ha.
Bloß sollen jetzt die Vorarlberger Fahrradpolizisten in Wien eine Radfahrprüfung abzulegen. Und das sehen die Xiberger Sturköpfe natürlich nicht ein, jo ka bizzile: 700 Kilometer soll die ganze Truppe in den Wasserkopf (so wird, wenn es die Umstände erfordern, Wien ganz im Westen gern geheißen) fahren, um dort Prüfern etwas vorzuführen, das sie, wie das Bezirkspolizeikommando Bregenz die VN sehr irritiert wissen ließ, bereits seit der Kindheit beherrschen? Na. Nur well d´Wianar ned radla künnan: sichar net.
Aber hier irrt der Vorarlberger. Die Wiener Polizisten können, bis auf den einen, nämlich sehr wohl Rad fahren: Wie das Gewerkschaftsmagazin „Polizei aktuell“ in seiner Septemberausgabe berichtete, konnten die beiden „durchtrainierten und routinierten Bezirksinspektoren T. und Sch. im Zuge ihrer Fahrradstreife“ eine Vergewaltigung im Stuwerviertel verhindern. Der Mann versuchte zwar zu flüchten, „konnte jedoch aufgrund der Schnelligkeit der Fahrradstreife sofort angehalten werden“. Bravo; und zwar im Ernst jetzt, und das zeigt: Fahrradstreife gut.
Die Frage ist jetzt aber, wie es im Ländle weitergeht, weil: keine Prüfung, keine Streife. Vorschlag zur Güte: Das Innenministerium schickt ihren Prüfer nach Vorarlberg und lässt die Ländle-Radpolizisten in ihrer natürlichen Umgebung zeigen, was sie können. Die Xiberger behielten ihren Stolz. Und weniger umständlich wäre es auch.