21.11.07

Dann tut man halt einmal nichts

Doris Knecht | 11/07 | Kurier-Kolumne

Bevor der Fön kommt und der Schnee vollends verschwindet, möchte ich noch schnell die Geschichte von der Frau V. erzählen. Die Frau V. schrieb mir, dass sie  nämlich in der Nacht, als der Winter anfing,  auch auf der Autobahn fest saß.
Sie war auf dem Weg nach Hause, sie hatte eine genaue Vorstellung von der Gemütlichkeit des Abends, der bald für sie beginnen würde, und statt dessen war sie in ihrem alten Mazda gefangen und konnte gar nichts tun. Nur warten. Also tat sie das gescheiteste: Sie giftete sich nicht länger, sondern versuchte, die Situation nach ihren Vorteile abzusuchen. Und sieh da, sogar in dieser blöden Sitation fanden sich welche.
Denn wenn man nichts tun kann,  braucht man auch nichts zu tun, kann sich also endlich einmal ausruhen. Und wenn man, weil der Handy-Akku irgendwann leer ist, mit niemanden mehr reden kann, muss man mit keinem mehr reden,  sondern kann  ungestört zuhören. Wie der Schnee fällt. Und den CDs, die man im Autos findet (Frau V. fand glücklicherweise ein paar Hörbücher), und dem Radio.
Ah genau, das Radio. Hier würde Frau V. gern eine kleine Kritik vortragen. Denn sie wäre in den elf Stunden, in den sie in ihrem Auto im Dunkeln  saß, gerne vom Radio direkt angesprochen worden. Sie hätte gern gehört, dass die Betroffenen ruhig bleiben, keine Experiment machen, Platz für Einsatzfahrzeuge lassen und nicht noch das letzte Stückl Fahrstreifen blockieren sollen. Sie hätte gern eine Bestätigung gehabt, dass da draußen an sie  gedacht wird, dass man sich kümmert.
Aber sonst..., schreibt Frau V: Das Leben funktioniere eben nicht  immer genau nach  Plan.  Aber man kriege was dafür: Spannung, Würze, derlei. Oh ja.
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