16.11.07

Das Glas ist halb voll

Doris Knecht | 11/07 | Kurier-Kolumne

 50 sei das neue 35, las ich neulich im lässigsten, lustigsten deutschsprachigen Stil-Blog, jenen von  Vanity-Fair-Online. Natürlich belegt die Autorin ihre Behauptung mit Fotos von atemberaubenden 50-jährigen Frauen, die allerdings zugegebenermaßen nicht viel anderes zu tun haben, als sich schön zu machen, schön zu sein und schön zu bleiben. Trotzdem ist es ermutigend, wenn 50 noch als jung gilt, wobei... halt.
Die Kollegin K., die kürzlich 50 wurde, berichtete mir mit einem Ausdruck vollkommener Entgeisterung von einem Senioren-Magazin, dass ihr die ÖVP ab diesem runden  Geburtstag automatisch zugeschickt hatte: Darin sei ihr unter anderem nahegelegt worden sei, sich jetzt  langsam nach einem Pensionistenheime umzusehen: Das Lebensglas  sieht für die ÖVP mit 50 offenbar eher halb leer als halb voll aus. 
Trotzdem erschien der Kollegin dieser Vorschlag fast weniger gespenstisch als das Angebot, jetzt vielleicht einmal einen Anfänger-Computer-Kurs zu belegen, auch wenn sie es durchaus nett findet, dass man hier  80jährigen Pensionisten den Anschluss an die Gegenwart zu erleichtern trachte: Aber für eine berufstätige 50jährige wie sie, die ca. 50 Stunden pro Woche vor einen Computer-Bildschirm verbringt, klinge das Angebot irgendwie höhnisch. Die Kollegin macht den Vorschlag, das Magazin doch lieber erst an Leute zu verschicken, die das gesetzlich vorgeschriebene Pensionsalter schon erreicht haben und bestellte es bis mindestens dahin ab.
Ich finde es inzwischen begrüßenswert, dass der 25-irgendwas-TV-Serie „Greys Anatomy“ gerade ein 40-plus-Ableger sprießt. Auch wenn mir die Frauen darin ein Eitzerl zu atemberaubend sind.
 

 

« Nichts, Oma! | Main | Es schneit nämlic »