Doris Knecht
| 11/07
| Kurier-Kolumne
Eine Frage stelle ich mir die ganze Zeit: Wenn man ein Baby wie den kleinen Luca im Arm hält, mit blauen Flecken überall, die bei so einem winzigen Kind ganz eindeutig nicht vom Spielen und Fallen kommen können: Wie kann man es dann wieder zurück in die Hände jener geben, die es so kaputtgemacht haben? Wie kann man das tun, ohne schreiend auf die Straße zu laufen und nach Hilfe zu rufen, nach der Polizei, nach irgendwem der dieses Kind beschützt? Vermutlich gibt es Strukturen, die exakt solche Reaktionen verhindern. Und genau das ist das Problem.
Im deutschen Schwerin ist letzte Woche die fünfjährige Lea-Sophie verhungert. 2005 geschah in Hamburg fast dasselbe: Die siebenjährige Jessica starb an Unterernährung, nachdem es den Eltern gelungen war, das Kind vor den Behörden zu verstecken. (Bei Luca war es anders: Viele haben es gesehen und gewusst.)
Was danach in Hamburg geschah: Es wurde, wie der deutsche Kinderschützer Georg Ehrmann von der „Kinderhilfe“ der SZ sagte, ,,ein Klima geschaffen, „in dem Sparen im Kinder- und Jugendschutz verpönt ist“.
Genau so einen Klimawandel braucht Österreich auch: Es muss Schluss sein mit der Einsparung von Sozialarbeitern, die sich in Krankenhäusern verdächtige Fälle genau ansehen und auch handeln, wenn Handlungsbedarf herrscht. Und wenn man ein Kind wie Luca wieder seinen Eltern übergibt, müssen die systematisch und engmaschig kontrolliert werden, und sofort sanktioniert, wenn sie sich diesen Kontrollen entziehen.
Denn was Kinderschützer Ehrmann noch sagt: Das Vertrauen in die Eltern sei zu groß. Dem ist vollinhaltlich zuzustimmen: Hätte man Lucas Eltern weniger vertraut, würde Luca vermutlich noch leben.