Doris Knecht
| 11/07
| Kurier-Kolumne
Noch ein Freund von mir hat sich kürzlich einen Porsche gekauft: Die Zahl schneller und/oder teurer Autos in meinem Bekanntenkreis erhöht sich somit auf neun (3 Porsches, 1 Ferrari, 2 Jaguar, 1 Mustang, 1 Maserati, 1 1962er Alpha Romeo 2600 Sprint Bertone). Die Besitzer dieser Automobile sind allesamt männlich und haben vor einiger Zeit ihren 40. Geburtstag gefeiert: Was aber nach Auskunft jedes einzelnen nichts, ü-ber-haupt nichts, mit dem plötzlichen, unbezwingbaren Besitzbedürfnis eines schnellen, teuren, jedenfalls aber unglaublich schönen Autos zu tun hat.
Im männlichen Post-40-er Bekanntenkreis von Kollegin H. häufen sich dagegen die Plasmabild-Fernseher, nicht unter 43 Zoll Bilddiagonale, und H. erkennt einen überaus deutlichen Zusammenhang zwischen Riesenfernseher und Midlifecrisis, und das ist interessant.
Denn erstens scheint, wenn eine 25jährige Geliebte aus irgendeinem Grund nicht in Frage kommt, ein hochpreisiges Techno-Prestigeobjekt eine Mittellebenskrise doch fast stets am effizientesten zu heilen.
Zweitens aber weist der zur Verdrängung der Älterwerdensproblematik nötige Eskapismus im Zusammenhang mit dem Monster-TV-Gerät deutlich ins Passive, während man mit dem Sportwagen seinen Verwelkungsängsten doch recht aktiv davonzurasen trachtet.
Was den Superfernseher drittens wesentlich sicherer macht als das Superauto – und als die allfällige Superfreundin, wie auch nebenstehendes Beispiel drastisch zeigt. Denn ein kriselnder Mann, der auf der Couch knotzt und fernsieht, statt die Geliebte zu ohrfeigen, gefährdet weder die, noch die Gesundheit, noch seine Karriere.