14.11.07

Ein besseres haben wir nicht

Doris Knecht | 11/07 | Kurier-Kolumne

Es ist natürlich das gute Recht jeden Staatsbürgers, gegen bestehende Gesetze zu sein. Gegen die Fristenlösung zum Beispiel: Die regelt seit  1975 den Schwangerschaftsabbruch in Österreich, und ebensolange  gibt es Bemühungen verschiedener Seiten, sie wieder los zuwerden.
Dennoch nützte die ÖVP die Jahre, in der sie die Regierung anführte, nicht dazu, das Gesetz abzuschaffen, das  Schwangerschaftsabbrüche bis zur 12. Woche straffrei stellt: Die Fristenregelung mag ein ungeliebtes, moralisch umstrittenes Gesetz sein, aber ein besseres ist bisher keiner Regierung eingefallen. 
Fakt ist: Wir haben die Fristenreglung, und sie gibt Frauen das Recht, eine ungewollte  Schwangerschaft fristgerecht straffrei zu beenden.
Oder quasi straffrei: Denn was sich so vor österreichischen Abtreibungskliniken abspielt, kommt einer Bestrafung  ziemlich nahe: durch eine militant  zudringliche Abtreibungsgegner-Phalanx, die Frauen, die  eine schwere Entscheidung getroffen haben, mit Plakaten bedrängen, Druck ausüben,  psychoterrorisieren.
Jeder Staatsbürger hat das Recht, seine Meinung gegen bestehende Gesetze zu äußern, aber hier geschieht das auf dem Rücken von Frauen, die kein Gesetz verletzen.
Wenn die  sogenannten Lebensschützer die Fristenregelung abgeschafft sehen wollen, sollten sie mit ihren Plakaten dort aufmarschieren, wo die Gesetze gemacht werden: vor dem Parlament. Die Abgeordneten aber werden an Sitzungstagen von einer 300-Meter-Bannmeile vor  Demonstranten geschützt, vor Zudringlichkeiten und Psychoterror. Es wäre nur fair, auch  den Frauen auf ihrem schwierigen Weg einen solchen Schutz zu gewähren.
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