18.11.07

Es schneit nämlic

Doris Knecht | 11/07 | Kurier-Kolumne

Es schneit. Es schneit ENDLICH! Sagen die Kinder, die jetzt eineinhalb Jahre ohne richtigen Schnee waren und mit denen auf der Straße kein Weiterkommen ist: Schau!, Man sieht die Autos nicht mehr! Und der Ballkäfig, schau, wie der ausschaut! wie ein Märchentempel! Und die Bäume! Wie wenn schon Weihnachten wär!
Es schneit ein bisschen gar zeitig. Sagen die meisten Erwachsenen, für die Schnee im November mit Ungemach verbunden ist, mit Gewate im Gatsch und Gewarte auf die Bim, und Kindern, die nicht weitergehen, mit zugeschneiten Autos und eingefrorenen Schlössern: Ereigniskulminationen, auf die viele noch gern bis zum 3. Advent verzichten täten, danke. Ganz besonders auf eine Nacht im Auto auf einer Autobahn, auf der nichts mehr geht und aus dem es kein Entkommen gibt: ungut, mörder ungut.
Es schneit ein bisschen, haha, jetzt werden die Wiener gleich wieder ganz wuggi. Sagt die Oma, kurz bevor sie  den Zug Richtung Provinz besteigt. Bitte gar schön, sagt die Oma –  Betonung auf dem gar – kaum schneit’s ein paar Zentimeter, tun die Wiener, als sei eine Naturkatastrophe über sie hereingebrochen.
Dabei müsste man meinen, dass der  Lauf der Jahreszeiten ganz leicht zu kapieren wäre, sagt die Oma, erst der Frühling, dann der Sommer, dann der Herbst, dann der Winter, und wenn es Winter ist, schneit es,  das dürfte eigentlich niemanden überraschen, also bei uns am Land überrascht das niemanden. Aber die Wiener... Na na na, Oma, sag ich.
Die Oma sagt, sie fährt jedenfalls diesmal lieber mit der U-Bahn zum Bahnhof, sonst bleiben wir noch zwischen all den Sommerreifenheinis im Stau stecken; und da ich ihr jetzt nicht widersprechen.
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