22.11.07

Extrawurstwünsche

Doris Knecht | 11/07 | Kurier-Kolumne

Also Frau P. schreibt,  wenn sie richtig informiert sei, „zahlen Fahrradfahrer/Innen – im Gegensatz zu Autofahrer/Innen – keinen Cent an Steuern, die u.a. in die Straßenreinigung fließen.“ 
Denn ich jammerte hier unlängst ein bisschen darüber, dass bei Schneewetter zwar die Fahrbahnen und Gehwege schneegeräumt werden, nicht aber alle Fahrradwege, und das  resortiert für Frau P. bei jener Sorte Aufregung, von der sie nicht weiß, was sie soll.  Radfahrer sollen sich also selbst um die Benutzbarkeit ihrer Fahrwege kümmern  oder zumindest extra dafür bezahlen.
Das ist eine interessante Einstellung, die man in zwei verschiedene Richtungen diskutieren kann: A) in jene, wo wir darüber reden, was die Radfahrer, in dem sie kein Auto benutzen (und kein CO2 ausstoßen  und die Straßen nicht verstopfen  und keine Ressourcen blablabla), zum Gemeinwohl so alles beitragen.
Oder, B), wir könnten  einen strikt zweckgebundenen Steuergeldeinsatz andenken, also Extra-Steuern für extrawurstige Wünsche wie zum Beispiel  hindernisfreies Radfahren bei jeder Witterung. Was im Endeffekt dazu führen würde, dass die Höhe der Steuern nicht mehr nach der Höhe des Einkommens berechnet werden würde, sondern dass jeder für das bezahlt, was er benutzt und braucht.  So müssten zum Beispiel Kinderlose nicht mehr für Errichtung von Spielplätzen und den Erhalt von Schulen zahlen,  Autofahrer nicht für neue Bahnhöfe, die aktuelle berufstätige Generation nicht mehr für die jetzigen Pensionisten,   Modernisten nicht für den Erhalt historischer Gebäude, und die Gesunden nicht mehr für die Kranken. Super Idee. Vielleicht reden wir doch lieber weiter über A).
 
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