22.11.07

Freundschaft!

Doris Knecht | 11/07 | Falter-Kolumne | Freunde

Jetzt höre ich heimlich, weil der Lange mir sonst den Vogel zeigt, „Simon & Garfunkel: The Collection“, die mir der Kollege T. geborgt hat. Der Kollege T. und ich befechten uns für gewöhnlich mit vollkommen konträren Pop-Positionen, deren Gegensätzlichkeit sich damit illustrieren lässt, dass der Kollege T. die E-Street-Band liebt, von der ich jedes einzelne Mitglied mit strengem, lebenslangem Musizierverbot belegt sehen will. Was die eben wieder auf der neuen Springsteen angerichtet haben; Heiliger. Aber es gibt winzige Schnittflächen, bei denen der Kollege T. und ich uns unglaublich einig sind. Simon & Garfunkel! Ja. Immer.
Apropos Schittflächen, was tut man, wenn die Kinder endlich wieder mal zu den Kindern der Y.s wollen, man selbst aber nicht mehr zu den Y.s? Das kommt nun mal vor, dass man manche Freunde nicht fürs Leben hat, sondern nur für ein paar Jahre. Plötzlich merkt man, dass man mehr streitet als diskutiert und eigentlich nicht mehr so gut miteinander kann. Aber die Kinder haben die Probleme der Erwachsenen nicht: Was macht man da? Setz ich mich, weil die Kinder seit Wochen deswegen nerven, wieder an den Tisch der Y.s und versuche dort, während die Kinder im Kinderzimmer ihre Freundschaft mit den Y.-Kindern pflegen, endlich einmal das Richtige zu sagen? Was mir nie gelingt? Die Breussin sagt, soviel sie weiß, gehen Kinder echte Bindungen erst mit zehn Jahren oder so ein, aber was, wenn meine Fünfjährigen finden, dass sie mit den Y.-Kindern durchaus schon eine Beziehung haben? Schließlich sind sie bisher immer brav die Freundschaften mit den Kindern eingegangen, mit deren Eltern wir befreundet sind und wir tun alle so, als würden wir die gemeinsamen Kinderspielnachmittage nur der befreundeten Kinder wegen abhalten, womit wir uns natürlich schön in den eigenen Sack lügen: Während die Kinder die jeweiligen Kinderzimmer auseinandernehmen, können die Eltern in den jeweiligen Wohnküchen gemütlich Erwachsenensachen tun, was gegenüber einem Nachmittag in einem Barbiehaus oder einer Playmobil-Ritterburg entschiedene Vorteile hat.
   Und: Es gefällt mir ja, dass die Mimis richtige, eigene Freunde haben: Seit Jahren gehen sie mit den gleichen Kindern im Kindergarten und so wie es ausschaut, gehen die meisten davon dann gemeinsam in die Schule: Das ist doch lässig. Das hatte ich doch mit meinem Kindergartenfreund Eugen auch. Es gibt ein Foto von Eugens Faschingsparty, als wir Kindergärtler waren: Eugen als Rotkäppchen, ich als Kasperl. In der siebten Klasse Oberstufe blieben wir gemeinsam sitzen, nachdem wir alle Schuljahre davon in der selben Klasse, teilweise in der selben Schulbank verbracht und gemeinsam Simon-&-Garfunkel-Lieder zum Vortrage gebracht hatten. Wir sehen uns immer noch; unsere Kinder sind mittlerweile auch ein bisschen befreundet, und wo immer dieses sentimentale Pipapo jetzt auch hinführt, mein Problem mit den Y.s löst es nicht.
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