Doris Knecht
| 11/07
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Die Breussin ruft an; ich hebe ab und sage, Breussin, tut mir leid, ich kann grad gar nicht. Das ist untertrieben. Tatsächlich passiert gerade folgendes gleichzeitig: Das Mädchenmimi, das mit dem Langen im steckengebliebenen Lift gefangen ist, will mit einem Strohhalm durchs Gitter mit Saft gefüttert werden, die erste der drei eingeladenen Freundinnen hat gerade meine Küche betreten und ist zur Begrüßung spontan in Tranen ausgebrochen, die zweite Freundin begehrt unten an der Haustür Einlass, die Zwiebeln von den Kässpätzle sind am Herd gerade in ihrer kritischen Phase und der Mann von der Liftfirma ruft, unmittelbar nach dem ich der Breussin aufgelegt habe, nochmal an, um sich zu erkundigen, ob der Techniker schon da ist.
Zum Glück sind nicht alle Abende so. An anderen Abenden werde ich einfach ganz normal von Theaternerds beschimpft. Das ist in Ordnung: Niemand
lässt sich gern auf seinem Lieblingsblümchen herumtrampeln. Wenngleich ich die Worte des Kollegen T., er gehe jedes Mal in den Saft, wenn ich übers Theater schriebe, insofern relativieren muss, als die Mimis noch lange nicht auf der Welt waren, wie ich es das letzte Mal wagte, die Stimme gegen das Theater zu erheben. Das zeigt, was für ein enormes Sakrileg es ist, einmal zu erwähnen, dass du das Theater nicht so lieb hast, danach bist du bist dein Leben lang auf Bewährung. Immerhin liebt der T. das Theater so sehr, dass er mich nicht auffordert, mir zur Bekehrung jetzt aber schleunigst das aktuelle Stück im Sowieso oder unbedingt das nächste von der Dings anzusehen, vermutlich, weil er dem Sowieso -Ensemble und der Dings keinen Kummer machen will. Man hat ja gesehen, was dabei herauskam, als man mich in den "Lear" hineingeredet hat. E. dagegen hat gesmst: "also wirklich! dieses theater-bashing immer!" (Da, schon wieder: immer.) "zur strafe musst du mit mir in ein wirklich gutes stück!"
Der Lange und das Mimi wurden übrigens bald befreit, die Zwiebeln brannten nicht an, die Freundin lachte nach einem paar Gläsern Wein wieder und die blablabla, das klingt ja, als hätte der Advent schon angefangen. Nicht mit mir; ich hab gerade erst das Martinsfest überstanden; samt szenischer Aufführung der Martinsgeschichte im Kindergarten, die Mimis in den Rollen einer Erzählerin und eines Baums. Okee, es war spitze, und Stolz schwellte meine Brust. Aber Sie hätten erst den Horwath sehen sollen, meine Herren.... Der kleine Horwath spielte nämlich die Hauptrolle: mit dem Schwert kann der ja gut. Nein, Krutzitürken! Lassts mich halt einfach in Ruhe nicht ins Theater gehen! Nicht ins Theater gehen kann ja wohl nicht so ein monumentales Verbrechen sein, Himmelnocheinmal! Ich will es ja nicht abschaffen! Ich gebe gern meine Steuern dafür her, Schauspielerinnen, Regisseure, Bühnenbildner haben meinen vollen Respekt! Ehrlich! Super Arbeit, ihr! Ihr macht viele Menschen glücklich! Aber mich nun einmal nicht; damit müsst ihr leben lernen.