2.11.07

Ich zähle täglich meine Sorgen

Doris Knecht | 11/07 | Kurier-Kolumne

Noch immer tue ich mir schwer, mich auf die Euro 08 zu freuen. Die Euro 08 macht mir Sorgen, unterschiedliche Sorgen, und die aktuellsten beziehen sich auf das sog. Roadbag. Mit diesem Taschenurinal für Herren hat sich der Kollege Schume bereits kolumnistisch auseinandergesetzt, was meine Sorge keineswegs verringert hat: Die Idee von biervollen Fussballfans, die mitten im Gedränge ihre Nudel aus der Hose fassen und damit in ein Sackerl zielen, macht mich nicht froh. Ich sorge mich auch, dass das Vor-Ort-Stehgreif-Urinieren in kleine Gefässe (Plastikbecher, Damenhandtaschen, Bierflaschen, Gesäßtaschen der Vordermänner) durch die Erfindung des Taschenurinals zu einer  sozial akzeptierten Kulturtechnik werden könnte, die sich auch auf Bim und Postschalterschlange ausweiten lässt. Ich keine Ruhe finden, solange die Verwendung von Roadbags während der EURO nicht ebenso streng verboten ist, wie das Pischen an Bäume, Zäune und Hauswände.
Mein  Bekannte S. sorgt sich auch, sie ist frisch schwanger, hat sich ausgerechnet, dass der Geburtstermin des Nachwuchses ziemlich genau mit dem Euro-Endspiel zusammenfällt und erwägt  nun eine Hebammen-Hausgeburt.
Und es sorgt sich  die Polizei.  Folgende Beschaffungen  wurden laut „Polizei aktuell“ für die Euro 08 beschlossen: 5 Arrestantenwagen 12-sitzig, 8 Arrestantenwagen 9-sitzig, 7000 flammenhemmende Overalls, 1000 Helme, 820 Körperschlagschutz-Garnituren, 2000 Stück Tiefschutz, 1000 Atemschutzmasken, 4000 Paar Einsatzhandschuhe, 1000 Schutzschilde und Einsatzstöcke und 300 Tretgitter.
Das ist ein bisschen wie wenn die Stewardess während  eines rumpeligen Fluges  zu weinen beginnt. Es macht meine Euro-Sorgen nicht weniger.
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