7.11.07

Kochen mit Shakespeare

Doris Knecht | 11/07 | Kurier-Kolumne

Unlängst saß ich mit Freundin M. bei Getränken, wir sprachen übers Essen. M. fand, es werde viel zu viel Getue ums Essen und ums Kochen gemacht. Zett Be in unserem Freundeskreis: es gehe praktisch permanent darum, wer wann was wie für wen koche. Jaja, mag sein, und ich weiß schon, dass M. auf das kleine Argument anspielt das ich kürzlich mit F. über die korrekte Zubereitung von Kässpätzle hatte: Die Erörterung der Frage Wasser oder Milch nahm, worauf ich nicht stolz bin, Shakespearsche Wucht an. Dennoch ist M.s Kritik verwegen, denn seit ich sie kenne, habe ich noch nie etwas Warmes aus ihrem Töpfchen gegessen: Während M. oft und gern vom Kochwahn ihrer Freunde profitiert, und dabei keine Scheu zeigt, auch mal persönliche Verbesserungsvorschläge zu formulieren. Immerhin: Wir sind kein singuläres Phänomen. Das Essen und seine Zubereitung scheinen, das sieht man momentan auch auf allen TV-Kanälen, von gigantischer Wichtigkeit zu sein. Egal wo man hinzappt, tag und nacht wird in privaten und Promi-Küchen gekocht, es raucht und pfaucht in öffentlichen Koch-Shows, Sarah Wiener ist auch wieder unterwegs (gut!) und große Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter jetzt psychokochen. Apropos psycho, denn das stellen M. und ich beim Trinken auch fest: wie viel übers Essen eigentlich ausgemacht wird. Konflikte werden ausgetragen, Standpunkte veranschaulicht, Gesinnungen transportiert. Allein die unterschiedlichen Ansichten, was, wann, wie und wo Kinder essen sollen, kann Freundschaften und Familien empfindlich irritieren. Meine zum Beispiel: Die Kinder sind krank, ich muss ihnen jetzt was kochen. Und wehe, die essen das nicht.
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