6.11.07

Unösterreichische Umtriebe

Doris Knecht | 11/07 | Kurier-Kolumne

Der Kollege Hohenlohe pflegt für unortodoxe Ausdrücke körbeweise Post zu erhalten, und auch meine Wortwahl steht unter scharfer Beobachtung. Die prompt in scharfe Levitenlektüre umschlägt, wenn meine Formulierungen regionalen oder sittlichen Standards nicht entsprechen. Mittlerweile haben mich meine Leserinnen und Leser durch konsequentes Wadlnfirerichten gelehrt, gewisse A.-, F.- und Sch.-Worte nie nicht zu verwenden, und zwar nicht einmal dann, wenn der Kontext praktisch keine Ausweichmöglichkeiten zulässt. Die gäbe es immer, unterweist mich die Leserschaft, und wenn ich sie nicht fände, hätte ich meinen Beruf verfehlt. Aua. Und: Jawoll! Ist schon hinterm Ohrwaschl notiert. Kürzlichrief mich Herr H. an und schimpfte mich tüchtig, weil ich diesentags das Wort „fies“ verwendet hatte. Wie ich dazu käme, so ein Wort zu gebrauchen? Nun ja, ich fand es passend. Das sei aber kein österreichisches Wort! Aha, Entschuldigung, aber ich hatte nicht gewusst, dass es verboten ist, unösterreichische Worte zu verwenden. Hatte ich natürlich schon, weil mir für die Verwendung von mal, hab, grad, runter, rauf, ran und dran schon so oft auf die Finger gehauen wurde, dass diese nun gewisse Tastenkombinationen scheuen. Aber. Sie! Jetzt hab ich grad mal wieder „Leon Pirat“ vorgelesen, eins der wunderbaren Bücher der anbetungswürdigen Christine Nöstlinger. Und was schreibt die da? „Das Schiff segelte das ganze Jahr auf dem Meer rum“, schreibt die da. Und hiermit erlaube ich mir mir frecherweise, Frau Nöstlinger ungefragt als Zeugin für die Freiheit der Sprache aufzurufen. Zu strenge Regeln machen Sprache arm. Na gut; das war jetzt nicht deutsch.
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