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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Eine Million Österreicher will, so ermittelte OGM, den Jahreswechsel dazu nutzen, mit dem Rauchen aufzuhören: das sind fast 41 % der 2,3 Millionen Raucher .
Interessant ist in diesem Kontext die Nonchalance, mit der etwa das Gesundheitsministerium die Chance, das Volk aus dessen eigenem Willen vom Nikotin zu entwöhnen, Jahr für Jahr wieder vorbeiziehen lässt. Aber gut, wer um alles in der Welt konnte damit rechnen, dass der Mensch auch den kommenden Jahresbeginn als Markierung für die Änderung ruinöser Lebensmuster nutzen wird? Eben.
Nun grundelt Österreich in den meisten internationalen Nichtraucherschutz-Statistiken auf hintersten Plätzen herum: Und das vergangene Jahr wird wieder nicht als Zäsur, unser Land rauchfreier und gesünder zu machen, in die Geschichte der Zweiten Republik eingehen. Aber wenn sich die Regierung schon nicht auf ein Tabakgesetz einigen kann, müsste man doch zumindest den massiven Wunsch so vieler Bürgerinnen und Bürger, sich endlich von der Sucht zu befreien, effizient unterstützen: In dem man jede notwendige Hilfe anbietet und alles unternimmt, dass dieser Million Menschen auch gelingt, was sie sich vorgenommen hat. Denn schlechte Gewohnheiten lassen sich am effektivsten loswerden, wenn die Menschen das selber wollen – das macht teure Kampagnen unnötig.
Zwei Tage vor Silvester findet man auf der Homepage des Ministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend keine Tipps, Anreize und Hilfsangebote zur Rauchentwöhnung (aber einen gut sichtbaren Hinweis auf das Schweinsbraten-Kochbuch der Ministerin). Chance vertan: Aber es gibt sicher bald wieder eine schöne Kampagne.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Beim Weihnachtsessen habe ich wieder nicht, und zwar zwei-, nein: drei Mal nicht auf den inneren Ich-habe-fertig-Detektor gehört. Also den sogenannten Hausverstand. Aber bitte: Jedesmal, wenn ich so einen Herrn wie den bräuchte, der in dieser Supermarkt-Werbung stets zur Stelle ist, wenn sich die Entscheidungsfragen des Alltags stellen, ist keiner da.
Klar sagt der Hausverstand in der Werbung JA zum ersten Knödel dieser mageren Blonden, aber was sagt er zu meinem dritten? Den Kindern einen der vielen übriggebliebenen Schoko-Nikoläuse aus dem Sackerl fladern: ja oder nein? Noch einmal das Raclette-Schäufer befüllen: ja oder nein? Noch ein Schluck vom Wein, noch ein Trüffelkugerl, ein Stamperl vom Selbstgebrannten vom Onkel Luggi: ja, nein, was jetzt? Schon wieder niemand da, der hilft.
ICHmuss immer alles selber entscheiden, höchstens es sitzt neben mir gerade die Oma mit ihrer von Nachkriegsentbehrungen geprägten Einstellung zur Nahrungsaufnahme. Dann entscheidet sich die Sache selten zu Gunsten der Vernunft und meiner Linie.
Wo, rufe ich beim dritten Weihnachtsessen, dem mit meiner Familie, wo um alles in der Welt ist dieser Hausverstandskerl jetzt schon wieder? Da wo ein Hausverstandskerl immer ist, sagt meine Schwester, im Reich männlicher Fantasien. Weil wer glaubt im Ernst, sagt meine Schwester, der Hausverstand sei ein Mann? Aber es heißt ja: DER Hausverstand, sagt mein Schwager. Das ist ein semantisches Versehen, sagt meine Schwester. Also eigentlich sagt sie das nicht, sie sagt etwas Sinnverwandtes, das sich aber nicht zum Abdruck eignet. Und zu mir sagt sie: Weißtu was, lass das Sachertörtchen lieber, und ich sage: Danke, liebe Hausverständin, danke.

Never get lost in Vienna
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Die Oma will natürlich kein Weihnachtsgeschenk. Sie braucht nichts. Zufällig weiß ich, dass sie etwas braucht, und das bekommt sie auch: Es ist nicht groß, es ist nicht luxuriös, es ist günstig und sehr praktisch. Trotzdem wird die Oma – ich kenne die Oma – das gleiche machen, was sie letztes Mal gemacht hat, als wir ihr ein preiswertes, praktisches Rollköfferchen geschenkt haben.
Das Köfferchen war extra, um es einwandfrei als Geschenk kenntlich zu machen, mit einer großen Masche umwickelt: Trotzdem lief die Oma, noch bevor sie auf die Idee kam, sich zu freuen, aus dem Zimmer, holte ihre Tasche, nahm ihr Geldbörsel heraus und versuchte im Ernst, das Rollköfferchen zu bezahlen. Wir mussten sie erst tüchtig ausschimpfen, bevor sie bereit war, das Geschenk als Geschenk anzunehmen. Und dann endlich hat sich die Oma auch wirklich sichtbar gefreut, weil die ewige Taschenschlepperei zwischen ihrer Provinz und Wien wurde ihr, auch wenn die Oma das nie zugegeben hätte, schon ein bisschen zu anstrengend.
Zu Weihnachten wird die Oma, die uns ihrerseits, wo sie kann, großzügig hilft, ihr praktisches, kleines Weihnachtsgeschenk auspacken und ausrufen, dass sie das, meinerseel!, unmöglich annehmen kann! Und dass wir ihr doch erst diesen Koffer geschenkt haben! Nein, sie wird das bezahlen, weil genau so ein Ding wollte sie sich eh einmal kaufen.
Wir werden die Oma, was fällt dir ein!, tüchtig schimpfen, und sagen, Oma!, Weihnachten ist!, und es ist uns ja aufgefallen, dass dir das fehlt, und deshalb wollten wir dir damit eine Freude machen. Und nachdem sie noch ungefähr fünf Minuten gezappelt hat, wird die Oma die Freude auch haben. Auch wenn sie sich überwinden muss: Weil sie doch gar nichts wollte.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Heute also. Christbaum, Kerzen, Packerl, leuchtende Kinderaugen, das ganze nette Weihnachtspipapo, das, wie es Josef Hader einmal formulierte, der einzige Grund sei, warum man Kinder braucht. Weihnachten ist prima mit Kindern; obwohl Weihnachten auch ohne Kinder immer lässig war.
Schon damals, als es in ganz Wien ungefähr ein Lokal gab, das am Heiligen Abend offen hatte: Es war zufällig das Stammlokal und man traf dort gute Bekannte, die aus anhaltender juveniler Rebellion da waren oder ganz einfach, weil ihre Wohnungen zu klein oder zu grindig waren, als dass sie dorthin hätten Gäste einladen wollen. Später, als meine Wohnung nicht mehr so klein und so grindig war, wurden dann Gäste eingeladen, bekocht, beschenkt: schön.
Weihnachten mag ein Fest sein, dessen religiösen Hintergrund man nicht teilt, dessen unfreundliche Übernahme durch den Konsumismus man bedauert und das für viele das Ende eines Jahres mit schmerzlichem Verlust markiert. Aber für die meisten Leute ist es dennoch ein Fest, das sie, da man ihm nunmal nicht entkommt, einigermaßen stimmungs- und würdevoll begehen; und sei es wegen der Kinder.
Andere ignorieren es, was ich vor Jahren auch einmal versuchte: Ich saß wie an anderen Abenden im fleckigen Bademantel vor dem Fernseher, entschlossen, auszuklammern, dass das sonst immer ein besonderer Abend war; was mir nicht gelang. Schließlich ging ich aus, und hatte einen schönen Abend mit anderen Leuten, die auch so taten, als wär’ nichts, was ihnen gleichfalls nicht gelang. Und ob Sie ihn nun feiern oder nicht, Leserinnen und Leser: Haben Sie einen besonders schönen Abend.
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| 12/07
| Falter-Kolumne
Der Advent war so prächtig, wie ich ihn mir bestellt hatte, und bis aufs Keksebacken sind die Vorgaben so gut wie erfüllt. Beim Keksebacken bin ich im Rückstand, dafür habe ich einen Bastelüberschuss, denn das ist eines der Privilegien der Mutterschaft, dass man basteln darf. Basteln ist für gewöhnlich geht’s-dir-noch. Kunsthandwerk für Lulus. Die Hofingerin hieß mich einst eine verhinderte Handarbeitslehrerin, und das war wenig respektvoll gemeint. Kartoffeldruck gehört nicht unbedingt zu den Dingen, die Promi-Frauen in den Farbbeilagen-Fragebögen bei „Wie ich am liebsten einen Abend verbringen würde“ notieren, aber wenigstens meine Kinder sind mit der Virtuosität zu beeindrucken, mit der ich einen kerzenbestückten Tannenbaum aus einem Erdapfel zu schnitzen in der Lage bin. Das kann bitte nicht jeder.
Und weil das nicht jeder kann, müssen weite Teile meines Bekanntenkreises
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Der Kollege T. findet, es sollte für Weihnachtsfeiern keinen Dresscode geben, aber ich verdächtige ihn des Eigennutzes. Denn natürlich ist der Faux Pas der einen der Händereib der anderen. Schließlich kommt man auf Betriebsfeiern nicht selten an Tischen mit Kolleginnen und Kollegen zu sitzen , mit denen man nicht zwingend eine Weltanschauung oder kulturelle Vorlieben (Oper, Death Metal, Barbara Karlich) teilt: Da vermag eine ästhetische oder soziale Auffälligkeit am Nebentisch oder auf der Tanzfläche ine willkommene Konversationsgrundlage zu bilden. Hammer-Dekollete eigentlich, die Frau Hirschal aus der Buchhaltung. Ja, du, und mächtig viel davon.
Die Frage, die sich in Zusammenhang mit Weihnachts- und anderen Betriebsfeiern immer stellt, ist klarerweise: Will man den Kollegen von sich selbst etwas zeigen, was man ihnen das ganze Jahr nicht zeigt? Oder gar richtiggehend vor ihnen verbirgt? Besteht das Bedürfnis (oder: die Notwendigkeit), der Kollegenschaft auch mal die allenfalls semi-bürotauglichen Facetten der eigenen Persönlichkeit vorzustellen? (Gestatten: Mein S/M-Ich.) Und das bezieht sich nicht nur auf das feine Tuch, das man zur Feier des Tages anlegt, oder, schwieriger, weglässt.
Selbstverständlich haben Betriebsfeiern den Zweck, die Bindungen zwischen Menschen, die beruflich miteinander auskommen müssen, in lockerer, halbprivater Athmosphäre zu festigen und stabilisieren: Denn, steinalte Betriebsküchenpsychologie, Menschen, die sich mögen, kommunizieren besser und kooperieren reibungsloser.
Allzu gewagte modische oder alkoholische Experimente können aber bekanntlich das Gegenteil bewirken. Auch wenn der Kollege T. exakt darauf spitzt.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Das Christkind soll heuer bitte bringen: Fiona Griffini-Grasser einen Nikotinkaugummi und ein paar Tonnen Kleber, damit sie Österreich final mit Glitzersteinchen zupicken kann. Karlheinz-Grasser noch ein Locke zum aus der Stirn werfen. Julius Meinl einen Reputationsrettungsring und ein Spangerl für seine Stirnlocke, weil das mit Werfen beim ihm nicht so klappt.
Dem Lugner ein neues Mausi, damit eine Ruh ist. Dem Ex-Mausi, weil sonst auch keine Ruh’ ist, eine eigene Show, eine Koch-Show am besten (bitte, beim Assinger und der Millionenshow haben zuerst auch alle gefragt, wie das gehen soll). Dem Armin Assinger eine Koch-Show. Dem Alfons Haider eine Oldies-Show, eine Jazz-Show, eine Coverversionen-Show, eine Operetten-Klassiker-Show, eine Kuppel-Show, eine Koch-Show und einen vorgezogenen 55. Geburtstag, damit er endlich Anlass hat, seine Memoiren zu schreiben und vielleicht einmal ein Interview zu geben.
Dem Kanzler Gusenbauer schwere, feste Schuhe, damit er nicht immer so leicht kippt und so einen Gedächtnistrainer, wie ihn Nicole Kidman im TV-bewirbt. Dem Umweltminister einen Kilometerzähler für sein Fahrrad; nur so aus Interesse. Dem Sozialminister eine stabile Gesundheit bis ins hohe Alter. Der Außenministerin richtige Schuhe. Der Gesundheitsministerin eine Koch-Show. Hubert Gorbach die Vergrößerung von Vorarlberg und einen Job, der sich in seiner Muttersprache bewältigen lässt. Dem Kärntner Landeshauptmann den „Kleinen Ellmayer“.
Den österreichischen Nationalspielern eine Taktik. Der Bezirksvorsteherin Innere Stadt eine Nasenklammer. Und dem ORF eine Programm-Idee, die man nicht schon aus dem Privat-TV oder den 70erJahren kennt: eine total originelle Koch-Show vielleicht.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Es ist sicher alles Recht. Der Innenminister macht nur seine Arbeit. Der Innenminister will nur verhindern, dass ihm ein Fehler unterläuft, was natürlich am ehesten passiert, wenn man sich nicht strikt an die Gebrauchsanweisung hält. Also vollzieht der Innenminister nach Strich und Komma das Gesetz, genau so wie er es als Gendarm (und er war ja in Tirol Gendarm, nicht in Wien) gelernt hat.
Wenn man alles richtig und genau und, wenn möglich, noch ein bisschen besser macht, macht man auch nichts falsch. Wie ich kürzlich einmal am Radio vorbei ging, hörte ich den Innenminister in einem anderen Gesetzes-Zusammenhang sagen, für Verschärfungen sei er immer zu haben; in seiner Stimme lag ein Lächeln. Der Innenminister macht seine Arbeit gern und er möchte sie so gut wie möglich machen: Er möchte sich nicht von Gefühligkeiten leiten lassen, nicht wanken und nachgeben unter Druck.
Dafür sollte man ihn eigentlich loben (der Kanzler, aktuell für 14 Prozent der Österreicher glaubwürdig, tat das auch), dafür hat er eigentlich ein goldenes Sternchen verdient. Der Innenminister macht alles richtig, und nach Möglichkeit macht er es noch ein bisschen richtiger.
Trotzdem würde man sich wünschen, es wäre ihm zu den Zogajs eine bessere Lösung eingefallen, eine bei der nicht eine Seite ein goldenes Fleiß-Sternchen kriegt, und die andere keine Zukunft. Eine Lösung, die nicht einem wie H.C. Strache Recht gibt, ihn triumphieren und noch ein bisschen auf eine 15-jährige eintreten lässt, die gerade die meisten ihrer Hoffnungen verloren hat.
Es ist alles Recht, was mit den Zogajs geschieht, sicher. Aber es ist trotzdem traurig, dass wir es nicht besser hinbekommen.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Herzlichen Dank für Ihr Angebot, Herr Sch.: Aber ich möchte ihre „12 Wein-, 6 Likör-, Sekt- und Biergläser mit stilisiertem Golfschlägerdekor“ aus den 60er-Jahren zum Schnäppchenpreis von 3 Euro je Glas nicht kaufen. Ich spiele kein Golf, und den wenigen Bekanntschaften, die ich zu Golfern pflege, fehlt die Innigkeit, die ein derart exquisites Geschenk rechtfertigen würde. Aber ich leite Ihr Angebot gerne an die Leserfamilie weiter.
Apropos Advent: Während ich ihn wie geplant richtig schön finde, hegen andere Menschen andere Gefühle für die Vorweihnachtszeit. Viele davon sind im Verkauf tätig, und wenn die derzeit ab und zu die Geduld verlieren, ist das meistens völlig verständlich. Aber nicht immer.
Leserin M. stieß im Gedränge eines frequentierten innerstädtischen Teehauses an einen Verpackungstisch, vom dem prompt eine Tasse fiel. Niemand hatte es bemerkt, Frau M. trug die beschädigte Tasse dennoch zur Kassa, entschuldigte sich für ihr Missgeschick und musste die kaputte Tasse dann zum halben Preis erwerben. Das ist gewiss rechtens; kundenfreundlich ist es nicht.
Frau P. wiederum kaufte mit einer Dreikind-Familie in einem Textil-Discounter ein, als das 3-jährige Mädchen dringend aufs Klo musste. Frau P. erkundigte sich an der Kassa nach der nächsten Toilette und ging mit dem Mädchen zu der Tür, zu der sie gewiesen wurde. Wo sie von einer Regalbetreuerin rüde beschimpft wurde: Das sei die Personaltoilette. Frau P. erklärte das dringlicher werdende Problem des jammernden Kindes, bekam auch Unterstützung von der Kassiererin, aber die Regalbetreuerin blieb eisern. Man versteht genervtes Verkaufspersonal ja, aber so etwas nicht.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Die Kollegin Sch. behauptet zwar, dass der kleine Panda Fulong ziemlich schiarch sei. Was erstens gemein ist und zweitens einerlei, denn eben hat uns die Eisbärin Olinka in Schönbrunn den Doppel-Knut geboren. Eisbären-Baby = süß. 2 Eisbärenbabys = uresüß. „Schnuckel-Zwillinge: Jetzt kann Knut einpacken“, schlagzeilte selbst der Schweizer Blick.
Eisbären-Zwillinge kann nun mal nicht jeder, und sollten wir die EURO 08 wider Erwarten doch nicht gewinnen: Europameister im putzige-Viecherl-machen sind wir schon, da können die Berliner ihren längst unputzigen, weil über zwei Zentner schweren Knut wieder in den Iglu schicken und sich etwas Spektakuläreres überlegen.
Allerdings mangelt es unseren Eisbären-Zwillingsbabys schwer am Mitleidsapekt, denn sie wurden nicht, wie der bedauernswerte Knut, von ihrer Mutter verstoßen. Woraus dem Tierpark Schönbrunn natürlich ein erhebliches publizistisches Aufmerksamkeitsdefizit erwächst, denn glücklicher Nachwuschs ist auch im Tierreich medial eher uninteressanter Nachwuchs. Wenngleich es selbstverständlich als klares Plus zu werten ist, dass wir bei uns in Wien nicht so herzlose Eisbären-Mütter haben (das kommt ja auch nicht von irgendwo; da ist ja auch milieubedingt).
Aber obacht, schon wollen die Berliner den Wiener Zwillingstriumpf nicht auf sich sitzen lassen: In Berlin nämlich, ließen die Berliner die Weltpresse wissen, seien – man könne das nicht so genau sagen, aber höchst wahrscheinlich – gleich drei Eisbärinnen trächtig, nämlich die Damen Nancy, Katjuschka und Tosca. Man erwarte den Nachwusch noch vor Weihnachten. So, so. Das wollen wir erst mal sehen.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Man muss allmählich, fürchte ich, von einer Art Sucht sprechen. Meine Freundin B. sagt, ach, das gehe wieder vorbei. Sie habe eine Zeitlang praktisch permanent Angst gehabt, etwas besonders Hübsches zu übersehen oder eine total wichtige Auktion zu verpassen, aber das lege sich schon irgendwann wieder. Jetzt schaue sie bei ebay nur noch hinein, wenn sie wirklich etwas brauche.
Bitte, ich brauche die Sachen auch wirklich, die ich in den letzten Wochen ersteigert habe: neun alte Weingläser, elf Stoffservietten mit Monogramm (nicht meins), zwei Kinderfahrräder, sieben verschiedene Suppenteller, eine Espressokanne mit Porzellanaufsatz, ein aufblasbares Supermankostüm, ein Sack Lego und ein Lampenschirm. Alles von fremden Leuten sorgfältig eingewickelt, verpackt und abgeschickt. Alles Dinge, die jemand nicht mehr braucht und ich, seit ich sie bei ebay gesehen habe, unbedingt.
Es spricht ja auch vieles dafür, sich gebrauchtes Zeug schicken zu lassen: Es schont die Umwelt. Es schont meine Nerven. Es schont das Konto. Es unterscheidet sich vom Einheitseinrichtungstrend. Und man kann etwas lernen, wenn man sich regelmäßig durch die „Antiquitäten-&-Kunst“-Seiten ackert: Ich kann jetzt beispielsweise einen Sessel von Eiermann von einem Sessel von Wirth unterscheiden. (Man weiß nie, wann einem solches Wissen einmal nützt.)
Der Nachteil: Man neigt dazu, Dinge zu ersteigern, die man nicht wirklich braucht, weil: Die gibt’s nur einmal! Und nur jetzt! Jetzt zum Beispiel muss ich dringend etwas schauen, bevor ich das verpasse... Es ist wegen einem Häferl mit der Aufschrift „Der lieben Mutter“, das brauche ich un-be-dingt.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Jetzt geht’s los. Jetzt wird man als professioneller Besserwisser weiblichen Geschlechts schon ständig angerufen: Sie, wir machen da anlässlich der EURO ein Panel/eine Broschüre/eine Aktion/einen Wettbewerb zum Thema „Frauen und Fußball“, könnten Sie?
Also ich könnte Ihnen die Abseitsfalle erklären. Aber ich finde die EURO-bedingte, krampfhafte Verkuppelung von Frauen und Fußball eher lästig: Wegen mir kan man sich das gerne sparen. Viele Frauen tun sich halt einmal schwer damit, eine Leidenschaft zu entwickeln für eine Riesenveranstaltung, bei der ausschließlich Männer mitspielen dürfen, während sich die aktive Partizipation der Frauen im wesentlichen darauf beschränkt, die Getränke zu servieren. Und die Versuche, ein teures Massenbahöö, das hauptsächlich Männer interessiert, zu legitimieren, in dem man zwanghaft Berührungspunkte sucht zwischen Frauen und Fußball, wirken etwas verzweifelt.
Ja, auch viele Frauen interessieren sich für Fußball, gehen ins Stadion und lassen kein wichtiges TV-Match aus. (Ich persönliche kenne keine, aber meine kleine Welt ist wohl nicht repräsentativ.) Und, sicher, es wäre möglich, dass sich die Glut des Enthusiasmus über der EURO entfacht, und Männlein wie Weiblein würden, wie weiland in Deutschland, in einen glücklichen Taumel des Miteinander verfallen: Und ein großes, patriotisches, aber gänzlich unchauvinistisches Zusammengehörigkeitsgefühl würde Österreich einen; herrlich.
Allerdings droht dieser Plan daran zu scheitern, dass die Österreicher nicht so gut Fußball spielen können. So gesehen wäre es eventuell besser, Berührungspunkte zu finden zwischen den österreichischen Fußballern und dem Fußball, aber das will jetzt keiner hören.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Jetzt werden also die ORF-Gebühren angepasst; der Konsument will sagen: erhöht. Denn der ORF ist unterfinanziert. Und er hat, wie man dem Programm ansieht, offenbar zu wenig Geld, um „österreichische Qualitätsprogramme herzustellen und seinen öffentlich-rechtlichen Charakter erkennbar zu verstärken“: So formuliert es die Initiative SOS-ORF 2.
Besieht man sich das ORF-1-Programm an einem willkürlich herausgepickten Tag (z.B. gestern), beträgt der österreichische Anteil exakt 4,16 Prozent, nämlich die ZiBs und Brezinas Kinder-Show. Das ist ein bissi wenig. Der Rest: Vor allem amerikanische Second-Hand-Serien-Ware. Umso schwerer begreift man, warum ein Drittel der eingehoben ORF-Gebühren nicht in den ORF fließt, sondern an Bund und Länder.
Wo es für folgendes ausgegeben wird: In der Steiermark u.a. für Kultur- und Sportförderung. In Niederösterreich werden damit Kulturbetriebe unterstützt und Sportstätten mitfinanziert. In Wien ist „das Erträgnis für kulturelle Zwecke, insbesondere für die Altstadterhaltung“ zu verwenden; im Burgenland unter anderem für den Betrieb von Festspielen. In Tirol werden die ORF-Gebühren für Kulturförderung verwendet, zur Unterstützung von Behinderten und, wie auch in Salzburg, von Kriegsopfern. Den Rest investieren die Salzburger in verschiedene Förderungen, u. a. „der Heimatpflege und des Denkmalschutzes“. Und als einziges Bundesland dezidiert in die Kinoförderung.
SOS ORF nennt das „Gebührenschwindel“ und will, dass dieses Drittel an den ORF geht und für österreichische Filme und Produktionen verwendet wird. Auf dass sich das ORF-Programm wieder von denPrivaten unterscheide. Klingt vernünftig.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Allerorts wird seit der Veröffentlichung des„Kleinen Ellmayer“ das gute Benehmen von Kindern debattiert: Müssen sie mit Krawatte zum Kindergeburtstag erscheinen oder konveniert auch ein Mascherl? Darf ein Kind einfach baba sagen oder muss es darum bitten, sich verabschieden zu dürfen?
Gleichzeitig kann man zuhause das Radio nicht einschalten, ohne zu riskieren, dass der Nachwuchs nachhaltig vom Pfad der verbalen Tugend abgelenkt wird. Und das sind Erwachsene – im Kinderkosmos: Vorbilder – die da alle paar Minuten „Blödmann!!!!“ kreischen oder behaupten, der Nikolaus sei ein alter Sack; solcherlei. Hier klafft ein Graben, und zwar ein gewaltiger. Wie soll man zuhause, im Kindergarten und in der Schule den Kinder klarmachen, dass es nicht in Ordnung ist, Kraftausdrücke zu verwenden, wenn die im Radio ungetadelt dürfen? Wie soll man Kindern beibringen, dass es nett ist, mit anderen zu teilen, wenn ihnen allerorten entgegengerufen wird, dass es geiler sei, geizig zu sein?
„Wer nett ist, der Depp ist. So heißt die traurige Lehre, sie ist auch wirklich sehr dumm, es ist die Lebensweisheit des dummen, skeptischen, misstrauischen Menschen. Sie ist antikreativ, sie blüht nicht, sie ist ohne Überschwang, den es braucht zur Produktion“. Der Schriftsteller Rainald Goetz, der das in seinem Blog (www.vanityfair.de/extras/rainaldgoetz) schreibt, bezieht das auf das künstlerische Schaffen, aber es lässt sich brauchbar auch über den ganz normalen Alltag legen.
Denn es ist höchste Zeit, den Ruf des Nettseins zu rehabilitieren. Damit etwas blühen kann im tiefen Graben zwischen der hohlen Hülle perfekter Förmlichkeit und der immer unverhüllteren Aggressivität des Konsumegoismus.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Es ist schon wieder passiert. Schon wieder ist ein Kind über einen längeren Zeitraum von seiner Mutter misshandelt worden. Und schon wieder sieht das Jugendamt dabei nicht gut aus: Angesichts einer mit Bisswunden, blauen Flecken und Schürfspuren übersähten Achtjährigen, der erst geholfen wurde, als sie vor lauter Verzweiflung mitten in der Nacht aus der Wohnung ihre Mutter geflohen war, meinte das Jugendamt: „Wir haben gut gearbeitet.“ Das ist schwer zu glauben.
Man dürfe, heißt es aus dem Amt, „nicht prophylaktisch das Kind wegnehmen. Wir müssen das gelindeste Mittel anwenden“. Dieses Mittel war im inkriminierten Fall offenbar: Nichts zu unternehmen, zu warten, bis das Kind selber von seiner Mutter flieht.
Ja, man versteht, dass ein Kind seinen Eltern nicht so mir nichts dir nichts weggenommen werden soll. Es geht hier um das Wohl des Kindes, und es ist für das Kind eventuell traumatischer, aus seiner vertrauten Umgebung und von seinen Eltern weggerissen und bei Fremden untergebracht zu werden, als hin und wieder Misshandlungen zu ertragen. Das ist schwer hinzunehmen, aber in gewisser Weise nachvollziehbar.
Nicht zu verstehen ist, wie immer wieder derart schlimme Fälle übersehen, wie konkrete Hinweise auf Misshandlung so konsequent ignoriert werden können: Im Fall Luca, im aktuellen Fall der Achtjährigen: Wer hat da wie wo hingeschaut? Und wie konnte man solche Verletzungen sehen und zu dem Schluss kommen, das Kindeswohl sei in der Obhut der Mutter gewährleistet?
Es braucht dringend einen Paradigmenwechsel. Denn es ist schon wieder passiert: Das Vertrauen in die Eltern war zu groß.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Wunderlicherweise habe ich heuer gar nichts darüber gelesen, dass da oder dort der Nikolaus abgeschafft oder ausgesperrt werden soll: Entweder habe ich die entsprechenden Meldungen übersehen. Oder jene, die letztes Jahr das Ansinnen vertraten, den Nikolaus aus öffentlichen Kindergärten zu vertreiben, haben ihren Irrtum eingesehen. Das heißt wohl, dass auch heute wieder in vielen Familien und den meisten Kindergärten der Nikolaus kommt, Nüsse, Mandarinen und Süßes bringt und jedem einzelnen Kind rote Backen lobt. Und das ist doch bestens, solange er keinen Krampus dabei hat.
Der Nikolaus, wenn man ihn jetzt einmal abseits der christlichen Mythologie betrachtet, entspricht ja einigen modernen pädagogischen Prinzipien: Er tadelt gezielt und milde, bestraft aber nicht, sondern belohnt die Bemühungen der Kinder, ihre Kindersache gut und ihren Eltern und anderen Erziehungspersonen möglichst wenig vermeidbaren Kummer zu machen. Zumindest, wenn es sich um einen vernünftigen Nikolaus handelt.
Was man aus pädagogischer Sicht gegen den Nikolaus einwenden könnte: Er macht es sich ziemlich leicht. Er kommt nur einmal im Jahr schnell vorbei, markiert den guten Onkel mit dem Sack voll Juchee und macht sich kurz wichtig. Den Rest des Jahres hält er sich durch entschiedene Abwesenheit heraus und braucht nicht, wie die Erziehungsberechtigten, Tag für Tag konsequent die Einhaltung von Abmachungen und Regeln einzufordern.
Aber glauben wir doch heute einfach einmal naiv einem Lied aus dem 16. Jahrhundert, wo es heißt, es bringe der Nikolaus „Glück, Segen, Fried und Freud“ ins Haus. Ja, bitte: Da haben alle das ganze Jahr etwas davon; auch die Großen.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Der Leser Wolfgang Sch. macht mich darauf aufmerksam, dass es bei uns nicht Knete heiße, sondern Plastilin. Jaaaa! Jetzt ist dann aber einmal gut mit dem Regional-Fundamentalismus! Man bemüht sich ja eh! Außerdem stimmt es nicht einmal – es sagen auch die Deutschen Plastilin, wie einfaches Googeln (das übersetzen Sie mir jetzt bitte einmal in korrektes Österreichisch) erweist.
Und es gehören übrigens keineswegs alle Österreicher dem mittelbairischen Sprachraum an, das wird von den Wiener Regionalismus-Fetischisten ja gerne übersehen. Denn links vom Arlberg sagt niemand Paradeiser, auch wenn ich das Wort wunderbar finde, gerne verwende und sicher nicht will, dass es durch defizitäre Anwendung in Vergessenheit gerät. Es gibt aber auch dort, wo ich herkomme, schöne, schützenswerte Ausdrücke wie Scheafa und Grumpara, Zizile und Schübling, Gipfile und Pärle, Küssi und Kutzi, Schesa und Schopf. Und in Tirol oder Kärnten wird’s auch ein paar Wörter geben, die die Tiroler und Kärntner ungern missen würden. Trotzdem gehen sie den Ostösterreichern nicht permanent damit auf den Geist, wie gefälligst gesprochen zu werden hat und was für Wörter man bei Strafe nicht nicht verwenden darf. Man passt ja eh auf. Paradeiser! Erdäpfel! Karfiol! Wir haben’s begriffen!
Anderes begreife ich dagegen schwer. Beim Bäcker ordere ich zwei Schokokipferl und werde von der Verkäuferin darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie keine Schokokipferl führen. Aber hier liegen sie doch, direkt vor mir in der Vitrine! „Das ist ein Schokokrassong“. „Asso. Zwei, bitte. Und einen normalen Krassong dazu, bitte.“ „Haben wir nicht.“ „Und was ist das da?“ „Ein Pariserkipferl.“ Aha. A Gipfile übrigens, links vom Arlberg.
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| 12/07
| Falter-Kolumne
Mitten in Dornbach und unmittelbar nachdem mir eine nette Dame erklärt hat, der Zirkus sei von hier noch ungefähr einen Kilometer entfernt, kriege ich einen derartigen Zornanfall, dass eines der Kinder schließlich sagt, wenn ich jetzt nicht gleich zum Fluchen aufhöre, geht es keinen Schritt mehr weiter. Nicht, dass ich etwas dagegen gehabt hätte. Das würde mir nämlich den blöden Zirkus ersparen, in den ich mich von Mutter Urban hatte schwatzen lassen. Zirkus macht mich narrisch, da bin ich wie der Horwath.
Immerhin, und das wird Sie jetzt überraschen, das Adventkranzbinden war lässig; und wir haben jetzt
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Mir ist bewusst, dass ich Gefahr laufe, unter Missionierungsverdacht zu geraten, aber: Eine Meldung im gestrigen KURIER bestätigt mich in meiner Ansicht, dass das Fernsehen im Kindesalter vor allem negative Auswirkungen hat. Es kam ja eben wieder eine PISA-Studie heraus, und österreichische Kinder können immer noch nicht besonders gut lesen. Am besten lesen finnische Kinder, und zwar warum: Weil dort die Winter länger und das Fernsehen so schlecht ist.
Nun liegt es mir fern, eine Initiative zur Verlängerung des Winters in Österreich ins Leben zu rufen, aber eine Ächtung des Fernsehens und eine generelle Skepsisexpansion in Bezug auf Kindercomputerspiele erschiene mir unglaublich angebracht.
Denn während ferngesehen und auf dem Computer herumgedaddelt wird, wird nicht gelesen. Es wird auch nicht gemalt und nicht gebastelt. Es wird nicht kommuniziert und nicht gespielt. Es werden keine Bücher angeschaut, keine Legomonster gebaut und keine Playmobil-Ritter-Schlachten geschlagen, es werden keine Barbies an- und ausgezogen und keine Verkleidungen ausprobiert. Es werden keine Puppen gefüttert, keine Ketten gefädelt, nicht mit Knete gegatscht, nicht mit den Eltern gekocht. Es wird nichts vorgelesen. Alle Tätigkeiten, die gut für Kinder und ihre Kreativität sind, werden ersetzt durch ein großteils passives Konsumieren, das für ihre Entwicklung weitgehend ohne Nutzen ist. Und das ist gesellschaftlich völlig akzeptiert.
Es gilt dagegen als einem Kind nicht zumutbar, wenn es sich langweilen muss. Dabei führt genau diese Langeweile dazu, dass Kinder ihre Kreativität entdecken und sich selbst etwas einfallen lassen. Oder etwas lesen.
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| 12/07
| Kurier-Kolumne
Die Fotos von Jörg Haider bei dieser 99-Cent-Party: Wundert das irgendjemanden? Wenn auf den Fotos etwas irritiert, dann weniger der Enthusiasmus, mit dem Jörg Haider die Jugendlichen in dieser Disco beim Trinken unterstützt, als vielmehr der Umstand, wie er zugreift.
Auf einem Foto fasst Haiders Hand fest die nackte Hüfte eines Burschen unter dessen hoch geschobenen Leiberl. Auf dem anderen nimmt er ihn in eine Art Schwitzkasten, zieht das Gesicht des Burschen an seines, sieht ihn herausfordernd an: Die Kuhle, die Haiders Daumen dabei in die Backe des Jungen drückt, lässt vermuten, dass er einige Kraft anwendet. Der Bub hat seine Hand an Haiders Hand; man kann nicht erkennen, ob er versucht, sich der Umklammerung Haiders zu entwinden oder das Interesse genießt.
Natürlich, der Bub könnte ein Verwandter sein oder der Sohn von Freunden. Aber wenn nicht: Die meisten meiner Bekannten würden nicht wollen, dass ein Landeshauptmann ihre 16-, 17-, 18-jährigen Kinder, egal ob Tochter oder Sohn, so angreift; das gleiche gilt für Landeshauptfrauen. Es ist eine Politiker-Sache, keine Berührungsängste zu haben oder Volksnähe zu demonstrieren, eine andere ist es, das Volk in derart handgreiflicher Weise an sich zu pressen.
Ich habe nie verstanden, wie verantwortungsbewusste Eltern ihre zarten Babys in die Hände und an die Lippen wildfremder Würdenträger mit unklarem Bazillenstatus drücken können. Es sollte ein gewisser Mindestabstand eingehalten werden zwischen Politikern und Wählern, so sie nicht verwandt sind oder verfreundet: Die zwei Armlängen, die ein korrekt ausgeführter Händedruck erzwingt, erscheinen mir relativ angemessen.

Never get lost in Berlin