Doris Knecht
| 12/07
| Kurier-Kolumne
Heute also. Christbaum, Kerzen, Packerl, leuchtende Kinderaugen, das ganze nette Weihnachtspipapo, das, wie es Josef Hader einmal formulierte, der einzige Grund sei, warum man Kinder braucht. Weihnachten ist prima mit Kindern; obwohl Weihnachten auch ohne Kinder immer lässig war.
Schon damals, als es in ganz Wien ungefähr ein Lokal gab, das am Heiligen Abend offen hatte: Es war zufällig das Stammlokal und man traf dort gute Bekannte, die aus anhaltender juveniler Rebellion da waren oder ganz einfach, weil ihre Wohnungen zu klein oder zu grindig waren, als dass sie dorthin hätten Gäste einladen wollen. Später, als meine Wohnung nicht mehr so klein und so grindig war, wurden dann Gäste eingeladen, bekocht, beschenkt: schön.
Weihnachten mag ein Fest sein, dessen religiösen Hintergrund man nicht teilt, dessen unfreundliche Übernahme durch den Konsumismus man bedauert und das für viele das Ende eines Jahres mit schmerzlichem Verlust markiert. Aber für die meisten Leute ist es dennoch ein Fest, das sie, da man ihm nunmal nicht entkommt, einigermaßen stimmungs- und würdevoll begehen; und sei es wegen der Kinder.
Andere ignorieren es, was ich vor Jahren auch einmal versuchte: Ich saß wie an anderen Abenden im fleckigen Bademantel vor dem Fernseher, entschlossen, auszuklammern, dass das sonst immer ein besonderer Abend war; was mir nicht gelang. Schließlich ging ich aus, und hatte einen schönen Abend mit anderen Leuten, die auch so taten, als wär’ nichts, was ihnen gleichfalls nicht gelang. Und ob Sie ihn nun feiern oder nicht, Leserinnen und Leser: Haben Sie einen besonders schönen Abend.