14.12.07

Brauch ich unbedingt

Doris Knecht | 12/07 | Kurier-Kolumne

Man muss allmählich, fürchte ich, von einer Art Sucht sprechen. Meine Freundin B. sagt, ach, das gehe wieder vorbei. Sie habe eine Zeitlang praktisch permanent Angst gehabt, etwas besonders Hübsches zu übersehen oder eine total wichtige Auktion zu verpassen, aber  das lege sich schon irgendwann wieder. Jetzt schaue sie bei ebay nur noch hinein,  wenn sie wirklich etwas brauche.
Bitte, ich brauche die Sachen auch wirklich, die ich in den letzten Wochen ersteigert habe: neun alte Weingläser, elf Stoffservietten mit Monogramm (nicht meins),  zwei Kinderfahrräder, sieben verschiedene Suppenteller, eine Espressokanne mit Porzellanaufsatz, ein aufblasbares Supermankostüm, ein Sack Lego  und ein Lampenschirm. Alles von fremden Leuten sorgfältig eingewickelt, verpackt und abgeschickt. Alles Dinge, die jemand nicht mehr braucht und ich, seit ich sie bei ebay gesehen habe, unbedingt.
Es spricht ja auch vieles dafür, sich gebrauchtes Zeug schicken zu lassen: Es schont die Umwelt. Es schont meine Nerven. Es schont das Konto. Es unterscheidet sich vom Einheitseinrichtungstrend. Und man kann  etwas lernen, wenn man sich regelmäßig durch die „Antiquitäten-&-Kunst“-Seiten ackert: Ich kann jetzt beispielsweise einen Sessel von Eiermann von einem Sessel von Wirth unterscheiden. (Man weiß nie, wann einem solches Wissen einmal nützt.)
Der Nachteil: Man neigt dazu, Dinge zu ersteigern, die man nicht wirklich braucht, weil: Die gibt’s nur einmal! Und nur jetzt! Jetzt zum Beispiel muss ich dringend etwas schauen, bevor ich das  verpasse... Es ist wegen einem Häferl mit der Aufschrift „Der lieben Mutter“, das brauche ich un-be-dingt.
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