05.12.07

Das ist normal unmöglich

Doris Knecht | 12/07 | Falter-Kolumne | Freunde | Unter Spießern

Mitten in Dornbach und unmittelbar nachdem mir eine nette Dame erklärt hat, der Zirkus sei von hier noch ungefähr einen Kilometer entfernt, kriege ich einen derartigen Zornanfall, dass eines der Kinder schließlich sagt, wenn ich jetzt nicht gleich zum Fluchen aufhöre, geht es keinen Schritt mehr weiter. Nicht, dass ich etwas dagegen gehabt hätte. Das würde mir nämlich den blöden Zirkus ersparen, in den ich mich von Mutter Urban hatte schwatzen lassen. Zirkus macht mich narrisch, da bin ich wie der Horwath.
  Immerhin, und das wird Sie jetzt überraschen, das Adventkranzbinden war lässig; und wir haben jetzt ein imposantes ringförmiges Gestrüpp zu Hause, das perfekt den hellen Fleck auf dem Kasterl überdeckt, auf dem einst der Fernseher stand. Ich habe ja beschlossen, das ganze Geweihnachte heuer herrlich zu finden: und zwar schon bevor Wiglaf Droste in „Willkommen Österreich“praktisch das Gleiche bekundet habe, wie mich Kollegin Dusl informierte, als ich ihr unlängst im Café Servus erzählte, dass ich den Advent heuer vollumfänglich zu genießen beabsichtige.
   Allerdings kann ich beweisen, dass ich besagten Abend nicht vor dem Fernseher, sondern mit Fink im Kent beim Jassen verbracht habe. Ich erinnere mich genau daran, weil der Fink hat gewonnen, und der Fink gewinnt nie. Gewisse Umstände machen es unmöglich, dass der Fink gewinnt, einer davon befindet sich in Übergröße über der Kent-Theke und zeigt türkischen Fussball oder türkische Musikvideos, beides ist dazu angetan, den Fink in ein jasserisches Nirvana zu befördern. Die jeweiligen Gegner vom Fink sorgen für gewöhnlich als erstes dafür, dass der Fink mit dem Gesicht zum Fernseher zu sitzen kommt, was der Partner vom Fink entschieden zu verhindern trachtet. Diesmal saß der Fink frontal zum Fernseher und gewann trotzdem, und das obwohl der Benni und ich die hundertmal besseren Jasser sind und außerdem gerade einen normal unmöglichen Unten-Oben-Match geschafft hatten, aber das verstehen Sie jetzt nicht.
  Ich habe auch wieder den Sackerladventkalender befüllt, und diesmal nicht wie letztes Jahr mit hübschen Kleinigkeiten aus dem korrekten Brav-Spielzeugladen, denn das hatte mich, nachdem ich hier zwei Pferdchen und dort zwei Klack-Fröschchen und da zwei Pfeifchen eingesammelt hatte, insgesamt 130 Euro gekostet. Bist du deppert. Nein, heuer wurde der Adventkalender im 10-Cent-Markt und im Hofer befüllt, was die meisten meiner Prinzipien verletzt, den Mimis aber zu mehr korrektem Brav-Spielzeug unterm Christbaum verhelfen wird, und aus China kommt ja sowieso alles. Leider habe ich dann vergessen, die Sackerl rechtzeitig aufzuhängen, was meiner Reputation als Mutter in diesem Haushalt eher abträglich war. Aber obwohl der Lange am Sonntag, als wir feierlich das erste Kerzerl am Gestrüpp entzündeten, „Wir lagen vor Madagaskar“ anstimmte, genieße ich den Advent heuer extrem.

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