Doris Knecht
| 12/07
| Kurier-Kolumne
Mir ist bewusst, dass ich Gefahr laufe, unter Missionierungsverdacht zu geraten, aber: Eine Meldung im gestrigen KURIER bestätigt mich in meiner Ansicht, dass das Fernsehen im Kindesalter vor allem negative Auswirkungen hat. Es kam ja eben wieder eine PISA-Studie heraus, und österreichische Kinder können immer noch nicht besonders gut lesen. Am besten lesen finnische Kinder, und zwar warum: Weil dort die Winter länger und das Fernsehen so schlecht ist.
Nun liegt es mir fern, eine Initiative zur Verlängerung des Winters in Österreich ins Leben zu rufen, aber eine Ächtung des Fernsehens und eine generelle Skepsisexpansion in Bezug auf Kindercomputerspiele erschiene mir unglaublich angebracht.
Denn während ferngesehen und auf dem Computer herumgedaddelt wird, wird nicht gelesen. Es wird auch nicht gemalt und nicht gebastelt. Es wird nicht kommuniziert und nicht gespielt. Es werden keine Bücher angeschaut, keine Legomonster gebaut und keine Playmobil-Ritter-Schlachten geschlagen, es werden keine Barbies an- und ausgezogen und keine Verkleidungen ausprobiert. Es werden keine Puppen gefüttert, keine Ketten gefädelt, nicht mit Knete gegatscht, nicht mit den Eltern gekocht. Es wird nichts vorgelesen. Alle Tätigkeiten, die gut für Kinder und ihre Kreativität sind, werden ersetzt durch ein großteils passives Konsumieren, das für ihre Entwicklung weitgehend ohne Nutzen ist. Und das ist gesellschaftlich völlig akzeptiert.
Es gilt dagegen als einem Kind nicht zumutbar, wenn es sich langweilen muss. Dabei führt genau diese Langeweile dazu, dass Kinder ihre Kreativität entdecken und sich selbst etwas einfallen lassen. Oder etwas lesen.