Doris Knecht
| 12/07
| Kurier-Kolumne
Der Kollege T. findet, es sollte für Weihnachtsfeiern keinen Dresscode geben, aber ich verdächtige ihn des Eigennutzes. Denn natürlich ist der Faux Pas der einen der Händereib der anderen. Schließlich kommt man auf Betriebsfeiern nicht selten an Tischen mit Kolleginnen und Kollegen zu sitzen , mit denen man nicht zwingend eine Weltanschauung oder kulturelle Vorlieben (Oper, Death Metal, Barbara Karlich) teilt: Da vermag eine ästhetische oder soziale Auffälligkeit am Nebentisch oder auf der Tanzfläche ine willkommene Konversationsgrundlage zu bilden. Hammer-Dekollete eigentlich, die Frau Hirschal aus der Buchhaltung. Ja, du, und mächtig viel davon.
Die Frage, die sich in Zusammenhang mit Weihnachts- und anderen Betriebsfeiern immer stellt, ist klarerweise: Will man den Kollegen von sich selbst etwas zeigen, was man ihnen das ganze Jahr nicht zeigt? Oder gar richtiggehend vor ihnen verbirgt? Besteht das Bedürfnis (oder: die Notwendigkeit), der Kollegenschaft auch mal die allenfalls semi-bürotauglichen Facetten der eigenen Persönlichkeit vorzustellen? (Gestatten: Mein S/M-Ich.) Und das bezieht sich nicht nur auf das feine Tuch, das man zur Feier des Tages anlegt, oder, schwieriger, weglässt.
Selbstverständlich haben Betriebsfeiern den Zweck, die Bindungen zwischen Menschen, die beruflich miteinander auskommen müssen, in lockerer, halbprivater Athmosphäre zu festigen und stabilisieren: Denn, steinalte Betriebsküchenpsychologie, Menschen, die sich mögen, kommunizieren besser und kooperieren reibungsloser.
Allzu gewagte modische oder alkoholische Experimente können aber bekanntlich das Gegenteil bewirken. Auch wenn der Kollege T. exakt darauf spitzt.