Doris Knecht
| 12/07
| Kurier-Kolumne
Ich erinnere mich, wie Dennis Beck mir zum ersten Mal die Baustelle am Mariahilfer Gürtel 4 gezeigt hat, halbfertige Stockwerke und Räume im Rohbau. Wie Beck stolz erklärte, was da geplant ist und was dort passieren wird. Und ich erinnere mich an die feierliche Eröffnung des Wiener Aids Hilfe Hauses: Schön war das, rührend und befriedigend; das Ende eines langen Sensibilisierungsprozesses, das Ergebnis jahrelanger Überzeugungsarbeit. Das ist jetzt genau zehn Jahre her.
Heute ist wieder Welt-AIDS-Tag. Und heute feiert das Wiener Aids Hilfe Haus Geburtstag: Feiert, dass es seit zehn Jahren die Anlaufstelle für Menschen mit Sorgen und Nöten im Zusammenhang mit HIV ist.
Davor war die AIDS-Hilfe Wien viele Jahre lang auf mehrere Gebäude verteilt gewesen, teilweise in kleinen Wohnungen in oberen Stockwerken ohne Lift, die für kranke Klienten nur mit Mühe zu erreichen gewesen waren. Der junge Dennis Beck, damals Obmann der AIDS-Hilfe, beschloss, das zu ändern: Er redete, argumentierte, überzeugte, brachte Medien, Künstler und Politik auf seine Seite. So lange, bis das Haus am Gürtel kein Traum mehr war, sondern sechsstöckige, für alle weithin sichtbare Realität. (Etwa 205 Millionen Autos und 1,6 Millionen U-Bahnen seien zwischenzeitlich am Haus vorbeigefahren, errechneten Mitarbeiter.)
Vor allem aber wurden dort in den zehn Jahren 55.000 HIV-Antikörpertest gemacht, 6.500 Veranstaltungen abgehalten, eine Million Broschüren verteilt, 270.000 Beratungsgespräche geführt, HIV-positive Menschen betreut, in Not geratene Klienten finanziell unterstützt. Das Haus hat vielen geholfen. Aids gibt es noch immer: Es wird noch vielen helfen.