Doris Knecht
| 12/07
| Kurier-Kolumne
Wunderlicherweise habe ich heuer gar nichts darüber gelesen, dass da oder dort der Nikolaus abgeschafft oder ausgesperrt werden soll: Entweder habe ich die entsprechenden Meldungen übersehen. Oder jene, die letztes Jahr das Ansinnen vertraten, den Nikolaus aus öffentlichen Kindergärten zu vertreiben, haben ihren Irrtum eingesehen. Das heißt wohl, dass auch heute wieder in vielen Familien und den meisten Kindergärten der Nikolaus kommt, Nüsse, Mandarinen und Süßes bringt und jedem einzelnen Kind rote Backen lobt. Und das ist doch bestens, solange er keinen Krampus dabei hat.
Der Nikolaus, wenn man ihn jetzt einmal abseits der christlichen Mythologie betrachtet, entspricht ja einigen modernen pädagogischen Prinzipien: Er tadelt gezielt und milde, bestraft aber nicht, sondern belohnt die Bemühungen der Kinder, ihre Kindersache gut und ihren Eltern und anderen Erziehungspersonen möglichst wenig vermeidbaren Kummer zu machen. Zumindest, wenn es sich um einen vernünftigen Nikolaus handelt.
Was man aus pädagogischer Sicht gegen den Nikolaus einwenden könnte: Er macht es sich ziemlich leicht. Er kommt nur einmal im Jahr schnell vorbei, markiert den guten Onkel mit dem Sack voll Juchee und macht sich kurz wichtig. Den Rest des Jahres hält er sich durch entschiedene Abwesenheit heraus und braucht nicht, wie die Erziehungsberechtigten, Tag für Tag konsequent die Einhaltung von Abmachungen und Regeln einzufordern.
Aber glauben wir doch heute einfach einmal naiv einem Lied aus dem 16. Jahrhundert, wo es heißt, es bringe der Nikolaus „Glück, Segen, Fried und Freud“ ins Haus. Ja, bitte: Da haben alle das ganze Jahr etwas davon; auch die Großen.