24.12.07

Nakiger Nepotismus

Doris Knecht | 12/07 | Falter-Kolumne | Freunde | Kinder und andere Mitbewohner | Kunst & Kultur

Der Advent war so prächtig, wie ich ihn mir bestellt hatte, und bis aufs Keksebacken sind die Vorgaben so gut wie erfüllt. Beim Keksebacken bin ich im Rückstand, dafür habe ich einen Bastelüberschuss, denn das ist eines der Privilegien der Mutterschaft, dass man basteln darf. Basteln ist für gewöhnlich geht’s-dir-noch. Kunsthandwerk für Lulus. Die Hofingerin hieß mich einst eine verhinderte Handarbeitslehrerin, und das war wenig respektvoll gemeint. Kartoffeldruck gehört nicht unbedingt zu den Dingen, die Promi-Frauen in den Farbbeilagen-Fragebögen bei „Wie ich am liebsten einen Abend verbringen würde“ notieren, aber wenigstens meine Kinder sind mit der Virtuosität zu beeindrucken, mit der ich einen kerzenbestückten Tannenbaum aus einem Erdapfel zu schnitzen in der Lage bin. Das kann bitte nicht jeder.
  Und weil das nicht jeder kann, müssen weite Teile meines Bekanntenkreises ihren Lebensunterhalt mit sie richtiger Kunst bestreiten: echter Literatur, echtem Publizismus, echter Komik und echter Musik, handlich in Buchdeckel, CD-Hüllen und DVD-Boxen abgepackt, die ich hiermit meinen Lesern als Geschenktipps für Weihnachten und danach anempfehle. Ein kolumnistischer Dreifachsalto sozusagen, der erstens den adventlichen Servicegedanken (Leser-Blatt-Bindung!) abdeckt, zweitens mein schlechtes Gewissen besänfigt, weil ich all die pipifeinen Veröffentlichungen meiner Freunde und Bekannten hier das ganze Jahr nie gewürdigt habe. Drittens versuche ich, nackigen Nepotimus als journalistische Avantgarde zu verkaufen, bitte, ich trau mich hier was: Kunstvoll verhüllten Nepotismus sind wir ja gewohnt, das macht ja heutzutage praktisch jeder.
  Allerdings traue ich mich mit einer gewissen Sicherheit zu behaupten, dass Sie es nicht bereuen werden, wenn Sie ihren Freunden und Angehörigen eines der folgenden Kunstwerke untern Baum oder sonstwohin legen: Polly Adler: Amour... pfuhh! (Amalthea), Paul Divjak: Kinsky (Czernin), Andrea Maria Dusl: Die österreichischen Oberfläche (Residenz); Grissemann & Stermann: Debilenmilch (Tropen); Thomas Glavinic: Das bin doch ich! (Hanser); Rudi Klein: Der Lochgott (Czernin); Andreas Kumpf: Es muss was geben (Bibliothek der Provinz); Lichtenberg: As happy As I can (Schiff ahoi); Maschek: Beim Gusenbauer (Hoanzl); Thomas Maurer: Im Wendekreis der Wende (Czernin); Robert Menasse: Don Juan de la Mancha (Suhrkamp); Robert Misik: Das Kultbuch (Aufbau); Pammesberger: Ausgezeichnet (Kurier); Robert Rotifer: Coach Number 12 of 11 (Wohnzimmer Records) David Schalko: Wir lassen uns gehen (Czernin), Franz Adrian Wenzl/Ingo Pertramer: Drücken Sie einmal einem solchen eine Bohrmaschine in die Hand (Czernin).
  Künstler, die von mir künfitig nicht empfohlen werden wollen, weil sie sich davon überwiegend Nachteile versprechen, können mir das in einem formlosen email kund tun, ich bin nicht beleidigt. Ich sage jetzt formlos: Schön weihnachten und das Jahr gut anfangen, bitte. Ich mach jetzt einmal Ferien.



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