4.12.07

Nicht so volksnah, bitte

Doris Knecht | 12/07 | Kurier-Kolumne

Die Fotos von Jörg Haider bei dieser 99-Cent-Party: Wundert das irgendjemanden? Wenn auf den Fotos etwas irritiert, dann weniger der Enthusiasmus, mit dem Jörg Haider die Jugendlichen in dieser Disco beim Trinken unterstützt, als vielmehr der Umstand, wie er zugreift.
Auf einem Foto fasst Haiders Hand  fest die nackte Hüfte eines Burschen unter dessen hoch geschobenen Leiberl. Auf dem anderen nimmt er ihn in eine Art Schwitzkasten, zieht das Gesicht des Burschen an seines, sieht ihn herausfordernd an: Die Kuhle, die Haiders Daumen dabei in die Backe des Jungen drückt, lässt vermuten, dass er einige Kraft anwendet. Der  Bub hat seine Hand an Haiders Hand; man kann nicht erkennen, ob er versucht, sich der Umklammerung Haiders zu entwinden oder das Interesse genießt.
Natürlich, der Bub könnte ein Verwandter sein oder der Sohn von Freunden. Aber wenn nicht: Die meisten meiner Bekannten würden nicht wollen, dass ein Landeshauptmann ihre  16-, 17-, 18-jährigen Kinder, egal ob Tochter oder Sohn, so angreift; das gleiche gilt für Landeshauptfrauen. Es ist eine Politiker-Sache, keine Berührungsängste zu haben oder Volksnähe zu demonstrieren, eine andere ist es, das Volk in derart handgreiflicher Weise an sich zu pressen.
Ich habe nie verstanden, wie verantwortungsbewusste Eltern ihre  zarten Babys in die Hände und an die Lippen wildfremder Würdenträger mit unklarem Bazillenstatus drücken können. Es sollte ein  gewisser  Mindestabstand eingehalten werden zwischen  Politikern und Wählern, so sie nicht verwandt sind oder verfreundet: Die zwei Armlängen, die ein korrekt ausgeführter Händedruck erzwingt, erscheinen mir relativ angemessen.
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