6.12.07

Schokokipferl haben wir nicht

Doris Knecht | 12/07 | Kurier-Kolumne

Der Leser Wolfgang Sch. macht mich darauf aufmerksam, dass es bei uns nicht Knete heiße, sondern Plastilin. Jaaaa! Jetzt ist dann aber einmal gut mit dem Regional-Fundamentalismus! Man bemüht sich ja eh! Außerdem stimmt es nicht einmal – es sagen auch die Deutschen Plastilin, wie einfaches Googeln (das übersetzen Sie mir jetzt bitte einmal in korrektes Österreichisch) erweist.
Und es gehören übrigens keineswegs alle  Österreicher dem mittelbairischen Sprachraum an, das wird von den Wiener Regionalismus-Fetischisten ja gerne übersehen.  Denn links vom Arlberg sagt niemand Paradeiser, auch wenn ich das Wort wunderbar finde, gerne verwende und sicher nicht will, dass es durch defizitäre Anwendung in Vergessenheit gerät. Es gibt aber auch dort, wo ich herkomme, schöne, schützenswerte Ausdrücke wie Scheafa und Grumpara,  Zizile und Schübling, Gipfile und Pärle, Küssi und Kutzi, Schesa und Schopf. Und in Tirol oder Kärnten wird’s auch ein paar Wörter geben,  die die Tiroler und Kärntner ungern missen würden. Trotzdem gehen sie den Ostösterreichern nicht permanent damit auf den Geist, wie gefälligst gesprochen zu werden hat und was für Wörter man bei Strafe nicht nicht verwenden darf. Man passt ja eh auf. Paradeiser! Erdäpfel! Karfiol! Wir haben’s begriffen!
Anderes begreife ich dagegen schwer. Beim Bäcker ordere ich zwei Schokokipferl und werde von der Verkäuferin darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie keine Schokokipferl führen. Aber hier liegen sie doch, direkt vor mir in der Vitrine! „Das ist ein Schokokrassong“. „Asso. Zwei, bitte. Und einen normalen Krassong  dazu, bitte.“ „Haben wir nicht.“ „Und was ist das da?“ „Ein Pariserkipferl.“ Aha. A Gipfile übrigens, links vom Arlberg.
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