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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Kein Kaffee in der Früh. Kein warmer Kakao für die die Kinder. Keine Toasts für die Kinder. Immerhin: warme Wohnung, heiße Dusche (es sei denn, es gibt auch bei mir daheim komplizierte, nur von Fachleuten durchschaubare Verbindungen zwischen Strom- und Gasversorgung), aber: Duschen im Halbdunkel, kein Föhn, Wimperntusche-Applikation im Halbdunkel.
Wimperntuschemassaker-Entfernung im Halbdunkel. Kein Tee. Kein Computer. Kein Telefon. (Falls Sie verwirrt sind: Ich versuche gerade, mir einen ganz normalen Tag ohne Elektrizität vorzustellen, nachdem eben so viele unter Stromausfällen zu leiden hatten). Kein Kühlschrank (die Butter und die Milch wie ganz früher im Sackerl vorm Fenster), der Tiefkühler voll verrottender Tiefkühlkost.
Keine Gegensprechanlage. Kein Aufzug. Kein Licht im Stiegenhaus. Kein Licht auf der Straße (also, wenn’s noch sehr früh wäre oder schon spät), außer den Scheinwerfern der Autos. Keine Bim. Keine U-Bahn. Keine offenen Läden, weil in den Läden kein Licht, keine Kühlung, keine Kassen. (Und öffnen nicht auch die Türen elektrisch?)
Apropos Türen! Der elektronische Schlüssel fürs Bürogebäude ist höchstens noch zum Kaffeeumrühren gebrauchen. Aber: Kaffeeautomat tot. Kein Wurstsemmerl aus der Kantine, weil kein Kantinenbetrieb. Kein Lift; was den Kolleginnen und Kollegen aus den Stockwerken acht bis elf für einmal die prächtige Aussicht vermiesen dürfte. (Andererseits sind die meisten vermutlich gar nicht da, sondern versuchen zu Hause, ihre Kinder zu bei Laune zu halten.) Weil: keine Schule, kein Kindergarten, kein Fernsehen, keine Computerspiele. Ach!, da fällt mir ein, ich bin ja auch nicht da.
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| 01/08
| Falter-Kolumne
Ich will jetzt wirklich nicht ewig auf der Sache herumreiten, aber die Kollegen H. und T. wussten nicht, was ein Tabuleh ist. Bitte: Kurz gesagt handelt es sich beim Tabuleh um den Nudelsalat des 21. Jahrhunderts. Oder der Bobos, wenn man gern diesen Begriff strapaziert.
Und, doch, ich habe diese Woche auch Interessanteres erlebt, möchte aber nicht darüber sprechen. Auch nicht über das Kindertheater. Auch nicht über die erste Vorführung in der Zirkusschule, gerade weil es nett und beeindruckend war. Auch nicht über die spontan einberufene Kinderfaschingsparty bei den Schwarzens, denn klischeehafter können sich die Insignien eines für Mutter praktisch vollständig versauten Nachmittags nicht aneinanderketten (liegengebliebene Arbeit, Streit mit dem Langen, Langeweile, Frust, Prosecco, Magenübersäuerung, mehr Streit mit dem Langen.) Und das hatten wir schon, das hatten wir schon.
Die Geschichte wiederum, die Geschichte, die ich erzählen wollte, über Eltern, die Nicht-Eltern anlügen, geriet unfreiwillig irgendwie ketzerisch und
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Never get lost in Vienna
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Die Kolumne über den unfähigen Installateur der Wiener Firma G. aus der Mariahilferstraße, der für Nixwissennixkönnen 207 Euro kassierte (
www.kurier.at/interaktiv/blog/knecht) regte nicht nur zahlreiche Leser auf. „Kundenfeindliches Verhalten“, schreibt Herr St., „Da hört sich doch der Spaß auf“, Herr B. „Das nächste Mal: nichts bezahlen, abwarten“ und den Richter entscheiden lassen, meinte Herr H.
Frau B. schrieb: „Sie haben der Frau R. hoffentlich empfohlen, sich an die Wirtschaftskammer zu wenden.“ Aber das war gar nicht nötig, denn schon am Sonntag (vorbildlicher 24-Stunden-Service!) war in meiner Mailbox eine Stellungnahme der Installateursinnung der WKW, in dem ein Mag. Sch. meinte: „Das von Ihnen zitierte Schreiben des Installateursbetriebes ist zweifellos indiskutabel und ein Beispiel für perfekte Kundenabwehr.“ Natürlich sei es dem Gas- und Sanitärtechniker erlaubt, „Arbeiten im Bereich der Elektrotechnik durchzuführen, wenn es um Gasgebrechen geht. Ein Fachmann sollte „nicht nur wissen, was er darf, sondern vor allem auch sein Handwerk beherrschen“. Man versuche, gegen schwarze Schafe wie die Firma G. vorzugehen; aber Kunden müssten diese Betriebe halt melden. Die Kosten von 207 Euro allerdings erscheinen Mag. Sch. „in Ordnung (inkl. Wegzeiten, je nach Uhrzeit 50% Aufschlag)“.
Ja, seine Ordnung mag das haben. Die meisten Menschen allerdings – z. B. Menschen, die mit Stundenlöhnen zwischen acht und 15 Euro eine Familie ernähren müssen – halten 207 Euro spontan für einen enormen Betrag, selbst wenn sie nicht von kompletten Nieten aufgesucht werden. Und was macht Schwarzarbeit so extrem attraktiv? Genau solche ordentlichen Kosten.
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Heute: Ein paar gefundene Hochlichter der vergangenen Tage.
1. Wunschkennzeichen der Woche. Ein britischer Geschäftsmann erwarb die Nummerntafel „F 1“ für umgerechnet 500.000 Euro. Es kann der Mensch ja nicht immer nur Immobilien oder Kunst oder gutes Gewissen kaufen; es muss auch einmal etwas Praktisches sein.
2. Begründung der Woche. Die tüchtige neue Opernball-Gastgeberin, schöne H.O.M.E-Chefin und elegante Bankiersgattin Desiree Treichl-Stürgkh durften wir in den letzten 12 oder 24 Monaten in grob gefühlten 7000 Preis-auf-Anfrage-Prinzessinnenkleidern bewundern: In allen dafür geigneten Medien Österreichs, immer wieder auf dem Titelblatt ihres eigenen Magazins, sowie bei Modeschauen, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Bällen. Nun präsentierte sie dem Freizeit-KURIER ihr herrliches Opernball-Kleid aus Duchesse-Satin, denn, so Treichl-Stürgkh, ihr Wunschmaterial Mousseline wäre nicht „medienpräsent“ genug gewesen. Den Designer Franz Blumauer aber hat sie aus folgendem betörenden Grund ausgewählt: „Er exponiert sich nicht medial.“
3. Innovation der Woche. „Die Bar wurde als Ort der Begegnung konzipiert“, sagte auf ARTE Innenarchitekt Vincenzo de Cotiis über die Bar im von ihm neu ausgestatteten Mailänder Hotel Straf. Boah. Das ist einmal etwas komplett Außergewöhnliches für eine Bar.
4. Werbeplazierung der Woche. Zwischen den Krokodilpenis-, Lebendwürmer- und Maden-Leckereien der Dschungelshow-Berichterstattung in Online-NEWS warb ein heimischer Tiefkühlkost-Produzent mit seinem Slogan. Selten hatte die Aufforderung „Iss was Gscheit’s“ mehr Sinn.
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
An einem eisigen Freitag Nachmittag stellt Frau R. aus Wien fest, dass die Therme nicht funktioniert. Im Internet findet sie das große Unternehmen G., das mit „Top-Qualität und sorgfältige Arbeit all unserer Mitarbeiter“ wirbt und einen 24-Service anbietet. Am Telefon wird sie informiert, sie habe bar zu bezahlen. Ein Installateur kommt, besieht kurz die Therme und erkennt sofort, dass kein Strom vorhanden ist, da könne er nichts tun, Fr. R. müsse einen Elektriker rufen. Für diese Auskunft kassiert der Mann 207 Euro. Bar. Fr. R. zahlt frustriert und ruft den Haus-Elektriker. Der stellt fest, dass das Gerät offenbar überhitzte und vom eingebauten STB-Schutzschalter vom Strom getrennt wurde: ,Was sich durch einfachesDrücken dieses Schalters beheben lässt. Der Elektriker drückt und informiert gratis, dass das einem Thermen-Fachmann fraglos bekannt sein müsse.
Frau R. ist entzürnt über die 207 Euro für Inkompetenz und reklamiert in einem Mail bei der Firma G., in dem sie den Sachverhalt genau erklärt. Die Firma G. zeigt sich uneinsichtig; Strom sei nicht ihr Metier. Frau R. beharrt darauf, dass ein Fachmann das diesen Schalter hätte kennen müssen. Die Firma schickt das Faksimile des Installateurberichts, in welchem dieser erklärt, dass für Stromschalter ein Elektriker zuständig sei; er nicht. Fr. R. gibt nicht nach und erhält schließlich folgendes Mail:
S. g. Frau R., wir bedauern Ihnen nicht weiterhelfen zu können. Auch wenn Ihre Ironie und Ihr Tiefensinn für die Problematik nicht zu einem Ergebnis führen, darf ich Ihnen die Baumgartenhöhe empfehlen. Hierbei kann Spaß im Leistungsdruck am besten behandelt werden. Mit freundlichen Grüßen., iA NNTop-Qualität, in absolut jeder Hinsicht.
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Gesetzlich, so informiert die Servicehomepage HELP.gv.at , ist das Höchstalter von Adoptiveltern nicht festgelegt. Praktisch bekommen adoptionswillige Paare im Inland kein Kind mehr zugesprochen, wenn die Frau über 34 Jahre alt ist, für Auslandsadoptionen gilt 40 als Höchstalter.
Dass Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky diese Grenze nun auf 45 Jahre erhöhen und damit der gesellschaftlichen Realität anpassen will, ist gut: Schließlich bekommen immer mehr Frauen ihre Kinder erst nach dem 35. Lebensjahr, viele erst jenseits der 40. Aus guten Gründen: Ausbildung, Berufserfahrung, Karriere-Stabilisierung, die Suche nach dem Optimal-Vater, exzessiver Nachtlebens- und Kulturkonsum. All die Dinge, denen die Vollzeit-Versorgung von Kleinkindern zumindest vorübergehend extrem abträglich ist. Und man will demNachwuchs nicht dereinst vorwerfen, man habe seinetwegen etwas verpasst.
Wenn eine Frau dann mit 39 oder 41 schmerzhaft lernen muss, dass sie keine Kinder gebären kann, ist es für die Adoption eines elternlosen Kindes zu spät. Und während die einen bis 45 akklamiert Kinder in die Welt drücken, werden die anderen mit 40 als für die Mutterschaft zu alt aussortiert. Das ist ungerecht.
Bei Auslandsadoptionen wiederum geht es, wie jüngste Recherchen bitter gezeigt haben, nicht immer mit rechten Dingen zu. Genau so wichtig wie die Erhöhung des Höchstalter wäre deshalb, potentielle Adoptiveltern durch Regelvereinheitlichung, breite Unterstützung und strenge Kontrollen der Adoptionsvermittler davor zu bewahren, unter Kinderhandelsverdacht zu geraten. Sich ein Kind zu wünschen, ist legitim: und das muss es auch bleiben.
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Was haben wir denn da. Aha. „Ausgestopfte Nashörner, ein Zebra und ein Leopard“. Dennoch: Es ist nicht das Naturhistorische Museum, das der Reporter der exklusivsten Tageszeitung Österreichs, Österreich, am Sonntag einem exklusiven Lokalaugenschein unterzog, wie weitere, märchenhafte Erblickungen erahnen lassen. Denn selbst am WC herrsche „purer Luxus: die Rückwand eines echten Barockschrankes ist mit blauem Nerz tapeziert“, wobei unklar bleibt, ob die Echtheit des Barockschrankes oder die Blauheit des Nerzes den Reporter stärker beeindruckt.
Wir nehmen einmal an, dass es sich um einen Reporter und nicht um eine Reporterin handelt, denn bei der beschriebenen Wiener Liegenschaft handelt es sich um nicht irgendein, sondern „das luxuriöseste Bordell Europas“. Weil: Männer, „die ihr Geld schwer verdient haben“, so der Betreiber exklusiv zu Österreich, „wollen es nicht leicht ausgeben“. Sondern schwer, offenbar. (Wie leicht oder nicht die Frauen, die dort arbeiten, ihr Geld verdienen, ist in diesem Märchen irrelevant.)
Anderes Märchenhaftes entnehmen wir dem letzten KURIERplus. „Die Geschichte war so“, lesen wir da: „Schneewittchen war zu spät und die Kutsche weg – auch der Schuh war weg!“ Allerdings, liebe KollegInnen, die ihr dieses Märchen offenbar nicht 1000 Mal vorlesen habt müssen, war die Geschichte so nicht: Schneewitchen, das ist die mit den sieben Zwergen. Und die mit dem verlorenen Schuh, die heißt Aschenputtel und hat schiarche, böse Schwestern.
Immerhin: Eine gemeine Stiefmutter haben sie beide. Und den schönen Prinzen kriegen sie, eh klar, am Ende auch und leben glücklich bis an ihr Lebensende und so weiter. Märchen eben.
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| 01/08
| Falter-Kolumne
Maria ruft an und sagt, sie glaubt, es heißt DIE Tabuleh. Philipp smst, es gehören aber unbedingt Rosinen rein. Mark mailt, schön und gut, aber ein Tabuleh wär doch schon eher ein Sommeressen. Die E. sagt bei der Geburtstagsparty vom D., danke, jetzt kann sie sich beim Tabulehmachen endlich das depperte Couscous-Einweichen ersparen, das hat sie eh immer so genervt.
Und sehen Sie, genau das ruiniert den Journalismus. Genau das korrumpiert die Journalisten, die hunderte messerscharfe Hintergrundanalysen über politische Ereignisse in die Zeitung schreiben können, tausende blitzblanke Blicke auf die Aktualitäten der Realität werfen oder in Millionen Kolumnenzeilen die diversen Elende in der Welt beprangern: Auf all das kriegt man kaum ein Reaktiönchen. Nichts, praktisch. Man ist wie gar nicht da. Aber schreiben Sie einmal ein Rezept in Ihre Kolumne, dann wird
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
In der Früh, wenn sie ihren Sohn in den Kindergarten bringt, nimmt Tina M. die Müllsackerl mit, die schon vor ihrer Tür stehen. Eins mit gequetschten Petflaschen, eines mit Altglas und eins mit dem welken Grünzeug-Kramuri vom Balkon. Sie nimmt das Kind an der Hand und sie gehen hinunter, hinaus und um die Ecke, wo die übliche Batterie von Müllcontainern aufgereiht steht: Weißglas, Buntglas, Metall und Dosen, Plastikflaschen, Biotonn. Dazwischen der unvermeidliche Wäscheständer, der unvermeidliche Kunstlederkoffer.
Tina M. weist das Kind an, sich nicht vom Fleck zu rühren, dann hebt sie den Biotonnen-Deckel, hält den Atem an, packt das ,Grünzeugsackerl umständlich am unteren Falz und kippt seinen Inhalt zu faulem Gemüse, noch vollständig geschmückten Adventkränzen und prallen Plastiksackerln.
Die Plastikflaschen darf das Kind, Tina M. hebt es ein ums andere Mal hoch, und auch ein paar von den Glasflaschen, die Tina M. mit spitzen Fingern aus einem alten Billa-Sackerl fasst. Dann steht sie da, mit drei leeren Sackerln in der Hand, zwei davon schmutzig. Darf sie die jetzt in den Plastikflaschencontainer stecken? Wie immer wünscht sie sich, da wäre noch eine Tonne, für genau für diese Sackerl. Wie immer muss sie mit dem Kind stattdessen zwei Mal über die Straße und die Sackerl dort in den städtischen Misteimer stopfen, der schon voll ist, weil alle anderen das auch tun.
Sie wird wegen den Sackerl jetzt endlich einmal auf der Stadt-Wien-Site nachschauen. (Wo stünde: Restmüll). Und sie wird eine Mail schicken: Innerlich macht sie sich eine Notiz, und als das Kind auf ein demontiertes Fahrrad deutet, hat sie es vergessen.
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Ein kleiner Vorsatz wird meinerseits jetzt noch schnell ins 2008er-Jahr geschnalzt: Nämlich nicht immer so viel motschgern. Positiver denken! Nicht immer nur auf das Schlechte bemerken, sondern das Gute, das da um die Ecke lugt, erkennen und erhaschen! Konstruktive Verschläge machen statt immer nur blöd kritisieren!
Die Kollegin B. warnt zwar, das Positiv-Denken-Paradigma sei längst als gefährlich entlarvt: denn ein Misserfolg beim Schönreden unabänderlicher Daseinsaspekte könne im schlimmsten Fall zur Suizidgefährdung führen. Das aktuell trendige Lebenskonzept, so Kollegin B., sei Realismus; der demoralisiere entschieden weniger. Aber ich weiche vor ein bissl Enttäuschungsgefahr sicher nicht zurück.
Und passen Sie auf, ich fange mit etwas richtig Schwierigem an und lobe als erstes den ORF. Ja, jetzt schauen Sie. Aber: Der Club 2 darf schon nach wenigen Folgen als erfolgreiche Reanimation der schönen öffentlich-rechtlichen Sitte gepriesen werden, Menschen, die etwas wissen, miteinander diskutieren zu lassen. Richtig diskutieren; so dass für Publikum ein Erkenntniszuwachs herausschaut, mit Moderatoren, die etwas Disharmonie nicht scheuen. Auch „Willkommen Österreich“ wird nach eher mauem Start jetzt richtig gut, was auch mit relevanteren Gästen zu tun hat: wenn Stermann und Grissemann sie jetzt auch noch zu Wort kommen lassen, dann wird das ure super.
Die neuen Mittagsköche sind lustig. Die ZiB 2 ist keine aufgeblasene ZiB1 mehr, sondern überzeugt mit Eigenleistung auch abseits der akuten Nachrichtenlage. Nur die technoschickschnacküberwuzelte ZiB1 wirft mich in präpositive Muster zurück... Da schau ich lieber weg.
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Es ist irgendwie eine Erleichterung, dass der Bundespräsident jetzt ein Gesetz nicht unterschrieben hat. Wobei es untergeordnete Rolle spielt, was das für ein Gesetz ist und warum der Präsident nicht seine Unterschrift darauf setzen wollte: Beruhigend ist, dass die präsidentiale Weigerung dem normalen Staatsbürger zumindest den Eindruck vermittelt, es gäbe irgendwo außerhalb des Parlaments eine höhere Instanz, die kontrolliert, ob die Gesetze, die dort verabschiedet werden, korrekt sind und funktionieren.
Im Dezember haben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier in drei Tagen 59 Gesetze verabschiedet. Bei einem davon, dem wichtigen und umstrittenen Asylgerichtshofsgesetz, räumte die Justizministerin (die JUSTIZ!ministerin!) ein, es nicht genau gelesen zu haben. Die erste Nationalratspräsidentin sagte, bei so einer Gesetzes-Menge sei es „mühsam, alles im Auge zu behalten“.
Das klingt für den den ganz normalen Staatsbürger eher beängstigend: Von dem wird nämlich üblicherweise erwartet, dass er sich an diese Gesetze, die von Profis nicht genau gelesen und nur mühsam im Auge behalten werden können, penibel hält. Auch dann, wenn deren Inhalt den Nationalräten, die sie beschließen, zum Teil nur rudimentär bekannt war. Oder, was wir nicht annehmen wollen: gar nicht.
Auch die Nachricht, das neue Pflegegesetz werde gleich in Verfassungsrang gehoben, lässt im normalen Staatsbürger den Verdacht keimen, das Gesetz sei so wackelig, dass es irgendwann angefochten werden könnte. Und dass der Verfassungsrang die eher dünnen Beinchen des Gesetzes fix betonieren soll.
Staatsbürgers Vertrauen wächst von Tag zu Tag.
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| 01/08
| Falter-Kolumne
Ich sitze mit dem Kollegen X, der gerade aus der Schweiz auf Besuch ist, im Finstern Stern, wir haben prächtig gegessen, Wein getrunken und uns den ganzen Abend über streng berufliche Dinge unterhalten. Kein Mutterblabla, ich kann auch anders. Ich habe, ganz nebenbei, meine ungebrochene, wenngleich ruhende Blattmacher-Kompentenz durchscheinen lassen, journalistische Hochprofessionalität verströmt, Trittsicherheit auf den Gebieten Politik, Literatur und Philosophie bewiesen und insgesamt gezeigt, dass ich immer noch ein Mover und Shaker bin. Oder sein könnte, wenn mir danach wäre. Nebenbei habe ich dem Kollegen mit hellwachem Interesse gelauscht, an den richtigen Stellen blitzgescheite Kompaktkommentare deponiert, und wie gerade das Dessert abserviert wird, düdelt mein Telefon und es ist Mutter Urban, und sie braucht für ihren morgigen Kindergeburtstag mein super Tabuleh-Rezept.
Hierbei handelt es sich nun um die klassische „Kann ich dich morgen früh zurückrufen“-Situation, aber ich lasse keine Mutter
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Der Fasching ist kurz, halten wir uns ran. Heute wird, heißt es, Richard Lugner seinen heurigen Opernballgast bekannt geben: Wir hoffen für Susan Sarandon, dass es nicht Susan Sarandon ist. Bereits verraten wurde, dass Lugner offenbar vergessen hat, termingerecht für seine Loge zu bezahlen; wobei uns Lugners Säumigkeit weit wurschter ist, als der Umstand, dass wir darüber aus den Medien erfahren: Wie kommt so etwas an die Öffentlichkeit? Wer sorgt dafür, dass es alle erfahren, wenn einer, der über die Jahre viele kleine Vermögen in den Opernball investierte, einmal verspätet überweist?
Richard Lugner ist aus freien Stücken eine öffentliche Figur ohne Geheimnisse, die für ihre Prominenz selbst den Preis der Lächerlichkeit zu bezahlen bereit ist. Dennoch behält er sein Kunden-Recht auf diskrete und höfliche Geschäftsabwicklung. Insbesondere im Zusammenhang mit einer Veranstaltung, die sich dermaßen feudal und staatstragend geriert. Es mag schon sein, dass Lugner nicht der Lieblingsgast der Opernball-Organisation ist, aber er ist, samt seinem Miet-Gefolge, einer der Lieblingsgäste der Opernballfernseher, und die tragen schließlich mit ihrem Interesse auch tüchtig zum Erfolg des sog. Staatsballes bei.
Egal. Für meinereine, deren Tanzkünste sich auf ein paar Zuckungen aus dem Pulp-Fiction-Fundus beschränken, ist der Opernball alljährlich ein lustiges Volkskunde-Seminar. Etwa die schwarzweißen Formationswalzungen zu Beginn: Wie wird dieses Ritual dereinst von Volkskundlern der Zukunft interpretiert werden, wenn die ORF-Aufzeichnungen aus der Müllhalde des 21. Jahrhunderts geborgen werden? Und was werden sie von Lugner halten?
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Spaß ist, da brauchen wir hier jetzt nicht lang herumzujodeln, relativ. Das weiß jeder, der Nachbarn hat.
Nicht relativ ist hingegen die Orthografie von Spaß: Es endet der Spaß, Rechtschreibreform hin oder her, mit scharfem S. Außer in der Schweiz, und dort kandidiert die FPÖ meines Wissens nicht.
Denn während die Frau Winter am Sonntag beim Neujahrstreffen der FPÖ ihre beeindruckenden Islam-Kenntnisse präsentierte, leuchtete hinter ihr ein Wahlplakat, und darauf stand in den gewohnt zurückhaltenden Lettern: „Moscheenbau macht keinen Spass“.
Das kitzelt nun doch unser Interesse, und zwar weil uns der Begriff Spaß im Kontext mit der Bauwirtschaft bisher wenig geläufig war. Existieren Gebäude, bei denen das Zusammenfügen von Ziegelsteinen und Mörtel oder das Gießen von Beton mehr Spaß macht als bei Moscheen? Kirchen etwa? Oder Einkaufszentren? Doppelgaragen vielleicht? Und woher schöpft die FPÖ ihre Spaßermittlungsskompetenz im Zusammehang mit Moscheenerrichtungen? Wurden FPÖ-Mitglieder gezwungen, Moscheen zu bauen? Oder traten Moscheen-Bauarbeiter aus Erbitterung über den unterirdischen Spaßquotienten beim Moscheenbau der FPÖ bei?
So dass die FPÖ nun mit Fug und Recht ihren Erfahrungsvorsprung ausspielen kann, und sagen: Also speziell das Aufmauern von Moscheen, der Aushub von Moscheen-Fundamenten und des Decken von Moscheen-Dächern macht gar keinen Spaß; und deshalb wollen wir den Rest der Bevölkerung nun mit Warnplakaten davor bewahren, sich mit allzu großen Spaß-Erwartungen in den Moscheenbau zu stürzen. Ganz lieb, danke!
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Lässt sich Jugendkriminalität vermeiden? Der Spiegel hat in sich seiner letztwöchigen Titel-Geschichte der gefährlichen Spezies „junger Mann“ angenommen, und wir lernen aus dieser und der Geschichte überhaupt: Es sollte in einer Gesellschaft lieber keinen „Überschuss unterbeschäftigter junger Männer“ geben., Denn ein solcher führt relativ verlässlich zu einer Eskalation von Kriminalität und Gewalt. Und da Maßnahmen zur kontrollierteren Ausschüttung von Testosteron kein Thema sind, bleibt die Optimierung sozialer Rahmenbedingungen wohl weiterhin das Mittel der Wahl.
Fragen wir naiv: Wie muss ein Kind aufwachsen, damit es möglichst schlechte Voraussetzungen hat, ein krimineller Jugendlicher zu werden? Die Summe der Erfahrungen antwortet uns:
Das Kind darf nicht misshandelt und nicht missbraucht werden. Seine Eltern müssen es unterstützend und konsequent erziehen, ihm Strukturen bieten, Grenzen setzen und ein verlässliches Vorbild sein. Das Kind sollte früh gefördert werden, daheim, im Kindergarten und in der Schule.
Es sollte kommunizieren können. Es sollte nicht viel Zeit vor TV- und Computerbildschirmen verbringen. Das Kind sollte, was sehr für die Gesamtschule spricht, nicht schon mit 10 Jahren als Bürger 2. Klasse aussortiert werden. Es sollte die bestmögliche Ausbildung erhalten, denn wer gut ausgebildet ist und Perspektiven hat, dem wird weniger leicht fad im Schädel: Es braucht genügend Schul-, Lehr- und Studienplätze.
Ja, utopisch und schwer umzusetzen; speziell wenn es sich um Kinder aus komplizierten sozialen Milieus, oft auch mit Migrationshintergrund handelt. Aber was bleibt uns sonst? Eigentlich nur der Ausbau der Gefängnisse: keine gute Lösung.
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| 01/08
bar bambi im
rhiz
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Leserschaft, es geht nicht anders: Jetzt wird einmal zurückgerügt. Weil! Sie! Ich bat um konstruktive Vorschläge zur Verlängerung der EUROphorie-Liste! Ich wollte Ihren ehrlichen Optimismus! Ich wollte zynismusfreies positives Denken! Und das war ernst gemeint!
Und was schicken Sie mir? „Ich fiebere dem 7. Juni entgegen“, schreibt Leser Günther G., denn dann werde „unsere schiarche Ringstraße endlich einem vernünftigem Zweck“ zugeführt: „Zwischen Burg und Rathaus wird sich eine enthemmte, besoffene, grölende Hor...“. Ich breche das hier ab, weil, nein!, Herr G., so! nicht! Ingrid R. freut sich, dass sie in kleinen Supermarkt-Filialen jetzt immer geiles EURO-Merchandising findet, wo früher langweiliges Brot war, aber auch diesen Vorschlag muss ich aufgrund zweifelhafter Motive ablehnen. Susanne P. wiederum kann den „massiven Anstieg des Testosteron-Aufkommens in dieser Stadt“ kaum erwarten. Ich bin sicher, dass es Menschen gibt, denen es tatsächlich so geht, aber Frau P., die ich zufällig persönlich kenne, gehört verlässlich nicht dazu: Setzen, nicht genügend!
Christa E. erfreut die Aussicht, dass „ich zu Hause in aller Ruhe meine Bücher lesen kann, weil mein Freund – ziemlich sicher ziemlich betrunken – vor einer Videowall an diesem Event des Jahres teilhaben wird.“ Na gut, das lassen wir ge-ra-de noch gelten.
Völlig aus der Luft gegriffen!!! kritzle ich hingegen mit Rotstift neben Michael G.s Eingabe: „Unsere Exekutive wird endlich wieder einmal Gelegenheit haben, die kombinierte Suggestivkraft von Schlagstock und Fußtritt am lebenden Objekt auszutesten.“
So, und jetzt probieren wir’s noch einmal. Und diesmal ernsthaft ernst.
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| 01/08
| Kurier-Kolumne
Schwere diplomatische Verwicklungen mit Deutschland sind praktisch unausweichlich. Denn: „Mutter legt Baby von Wiener Vater weg.“ Das heimische Zentralorgan für Aufmunitionierungen aller Art weiß aus dem Drama um die Nürnberger Eisbärenbabys den für das hiesige Publikum relevanten Knackpunkt herauszukitzeln,und wird gleichzeitig seinem Namen gerecht. Nicht das arme Eisbärenputzi braucht uns interessieren, nicht der beunruhigende Mangel an maternaler Empathie in deutschen Eisbär-Gehegen, nein: über die Herkunft des Vaters soll solidarischer Patriotismus mobilisiert werden, denn der stammt aus unser aller Schönbrunn. Ist also einer von uns. Sollte also mit unserer ungeteilten Unterstützung rechnen dürfen. Auch jener der Diplomatie: Wir rechnen fix damit, dass der österreichische Botschafter in Berlin bereits auf dem Weg nach Gelsenkirchen ist, um dem Eisbärenvater Felix beizustehen, der dort bösartig seinem Nachwuchs entfremdet wird.
Überhaupt sind Fortpflanzungen dieser Tage das Thema. Und gerade dachten wir, es sei die Nachricht nicht zu toppen, dass die australische Wachsfrau nach endlosem Gerücht-Dementi-Pingpong nun doch echt endlich wahr schwanger ist. Da erblickten wir auf orf.on die selbst für Nichtchristen sensationelle Meldung: „Gott wird wieder Vater.“ Boah. Gleich wollten wir wissen, welcher glücklichen Jungfrau diesmal die unbefleckte Empfängnis zuteil wurde (jemand, den wir kennen?), und wurden jäh enttäuscht. Ach sooo, Karel Gott.
Nur die Krone wendet sich per Kleinanzeige auch an fortpflanzungsdesinteressierte Klientel: „Der kastrierte ältere Herr ist absolut freundlich.“ Das beruhigt; selbst wenn der Herr ein Hund ist.
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| 01/08
| Falter-Kolumne
Nun wurde das neue, in Venedig erstandene Ledernotizbuch eröffnet: Eine herrliche und dabei preiswerte Handarbeit aus gutem, erstklassig gebundenen Papier innen und dickem, geprägtem Rindsleder außen, in das ich nur mit dem Akkuschrauber zwei Löcher bohren musste; für das Gummiband. Das Gummiband ist das einzige, was das alte Moleskine-Notizbuch dem venezianischen voraus hatte, ansonsten ist dieses gesamte Moleskine-Zeug völlig überschätzt und überpreist. Bei meinem musste ich schon nach wenigwöchiger Nutzung die Außenhülle mit Gaffertape reparieren, was nicht wundert, ist ja keine Maulwurfshaut, sondern offenbar chinesisches Polyester, und innen rissen die Fäden. Man müsste meinen, dass ein mit dem Etikett „legendär“ erworbenes Notizbuch die regelmäßige Aufnahme von Notizen verkraften können müsste. Allerdings stehen, was ich von dem venezianischen noch nicht behaupten kann, im alten Fetzenbuch verwendbare Notizen drin, und zwar nicht nur deswegen, weil ich sie
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Never get lost in Berlin