10.01.08

Das gibt nicht genug her

Doris Knecht | 01/08 | Arbeit & Wirtschaft | Beschwerden | Falter-Kolumne | Frauen / Männer | Freunde | Kunst & Kultur | Unter Spießern

Nun wurde das neue, in Venedig erstandene Ledernotizbuch eröffnet: Eine herrliche und dabei preiswerte Handarbeit aus gutem, erstklassig gebundenen Papier innen und dickem, geprägtem Rindsleder außen, in das ich nur mit dem Akkuschrauber zwei Löcher bohren musste; für das Gummiband. Das Gummiband ist das einzige, was das alte Moleskine-Notizbuch dem venezianischen voraus hatte, ansonsten ist dieses gesamte Moleskine-Zeug völlig überschätzt und überpreist. Bei meinem musste ich schon nach wenigwöchiger Nutzung die Außenhülle mit Gaffertape reparieren, was nicht wundert, ist ja keine Maulwurfshaut, sondern offenbar chinesisches Polyester, und innen rissen die Fäden. Man müsste meinen, dass ein mit dem Etikett „legendär“ erworbenes Notizbuch die regelmäßige Aufnahme von Notizen verkraften können müsste. Allerdings stehen, was ich von dem venezianischen noch nicht behaupten kann, im alten Fetzenbuch verwendbare Notizen drin, und zwar nicht nur deswegen, weil ich sie  lesen kann, seit das grafisch gebildete Fräulein Kaiser mein Schriftbild zermäkelte und es als Gesudle bezeichnete, das dieses wunderbar klassische Notizbuch praktisch entehre und so weiter. Ich habe ihr dann aus Venedig, neben einem obszönen Tracy-Emin-Tattoo, ein wirklich klassisches Notizbuch mitgebracht, Goldschnitt, handbedruckter Einband aus handgeschöpftem Papier und alles, und sie sagte, oh schööön!, benutzt aber weiterhin den Plastikscheiß.

Ich im Moment aber auch. Denn im neuen stehen bisher nur (ich habe beschlossen, Sie ausnahmsweise am Entstehungprozess dieses Textes teilhaben zu lassen) zwei F-(wie Falter-Kolumne) Einträge, erstens: F Kinder spielen Puppentheater vor. Brutal fad. Gibt zuwenig Geschichte her. Irgendwo darunter: F Familie. Immer Wirbel. Meine Mutter hat 8 Geschwister, die der Meinung sind, dass. Worauf der Eintrag abbricht: Eine Idee für eine Glosse über den eben absolvierten elftägigen Weihnachtsurlaub bei meinen Eltern, während dem von früh bis spät hartnäckig weitere Familie und anderer Besuch erschien, um zu essen, zu jassen und Alkohol zu trinken, und wenn weniger als acht Leute am Tisch sitzen, werden welche von der Straße hereingewinkt. Aber das hatte ich so ähnlich schon einmal erzählt.

In meinem alten Notizbuch steht dagegen: F Adventlieder, „Alle Jahre wieder“ (...kehrt mit seinem Säbel ein in jedes Haus...) und: F Glavinic: „Bei mir waren aber schönere Leute als bei Maschek“. Und: F Anruf Mutter Urban, Tabuleh-Rezept. Sowie: F Müssen Freunde zwingend sympathisch sein? Fürs erste ist es zu spät und das zweite ergäbe allenfalls eine Anekdote ohne Mehrwert, aber zumindest die letzten beiden sind eventuell brauchbare Geschichten, die werden jetzt schön mit der Füllfeder (nein, Sie, Billig-Lamy) in dieses herrliche Venedigbuch übertragen und demnächst erzählt, weil jetzt begrabe ich zuerst das schiarche Moleskine im Notizbücher-Friedhof, R.I.P.
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» 11.01.08 16:30

frau knecht, gaffa tape auf moleskine ist immer besser wie die venezianische tanteneuphorie.
"53rd & 3rd" schlägt immer noch norah jones.besser für ihre texte.weil wenn sie sich jetzt auch wie herr m.freund mit "qualität" beschäftigen beginnen und brav auf den 46er warten les ich sie nicht mehr so gern.
alles gute .
carl auböck

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