Doris Knecht
| 01/08
| Kurier-Kolumne
In der Früh, wenn sie ihren Sohn in den Kindergarten bringt, nimmt Tina M. die Müllsackerl mit, die schon vor ihrer Tür stehen. Eins mit gequetschten Petflaschen, eines mit Altglas und eins mit dem welken Grünzeug-Kramuri vom Balkon. Sie nimmt das Kind an der Hand und sie gehen hinunter, hinaus und um die Ecke, wo die übliche Batterie von Müllcontainern aufgereiht steht: Weißglas, Buntglas, Metall und Dosen, Plastikflaschen, Biotonn. Dazwischen der unvermeidliche Wäscheständer, der unvermeidliche Kunstlederkoffer.
Tina M. weist das Kind an, sich nicht vom Fleck zu rühren, dann hebt sie den Biotonnen-Deckel, hält den Atem an, packt das ,Grünzeugsackerl umständlich am unteren Falz und kippt seinen Inhalt zu faulem Gemüse, noch vollständig geschmückten Adventkränzen und prallen Plastiksackerln.
Die Plastikflaschen darf das Kind, Tina M. hebt es ein ums andere Mal hoch, und auch ein paar von den Glasflaschen, die Tina M. mit spitzen Fingern aus einem alten Billa-Sackerl fasst. Dann steht sie da, mit drei leeren Sackerln in der Hand, zwei davon schmutzig. Darf sie die jetzt in den Plastikflaschencontainer stecken? Wie immer wünscht sie sich, da wäre noch eine Tonne, für genau für diese Sackerl. Wie immer muss sie mit dem Kind stattdessen zwei Mal über die Straße und die Sackerl dort in den städtischen Misteimer stopfen, der schon voll ist, weil alle anderen das auch tun.
Sie wird wegen den Sackerl jetzt endlich einmal auf der Stadt-Wien-Site nachschauen. (Wo stünde: Restmüll). Und sie wird eine Mail schicken: Innerlich macht sie sich eine Notiz, und als das Kind auf ein demontiertes Fahrrad deutet, hat sie es vergessen.