Doris Knecht
| 01/08
| Kurier-Kolumne
Was haben wir denn da. Aha. „Ausgestopfte Nashörner, ein Zebra und ein Leopard“. Dennoch: Es ist nicht das Naturhistorische Museum, das der Reporter der exklusivsten Tageszeitung Österreichs, Österreich, am Sonntag einem exklusiven Lokalaugenschein unterzog, wie weitere, märchenhafte Erblickungen erahnen lassen. Denn selbst am WC herrsche „purer Luxus: die Rückwand eines echten Barockschrankes ist mit blauem Nerz tapeziert“, wobei unklar bleibt, ob die Echtheit des Barockschrankes oder die Blauheit des Nerzes den Reporter stärker beeindruckt.
Wir nehmen einmal an, dass es sich um einen Reporter und nicht um eine Reporterin handelt, denn bei der beschriebenen Wiener Liegenschaft handelt es sich um nicht irgendein, sondern „das luxuriöseste Bordell Europas“. Weil: Männer, „die ihr Geld schwer verdient haben“, so der Betreiber exklusiv zu Österreich, „wollen es nicht leicht ausgeben“. Sondern schwer, offenbar. (Wie leicht oder nicht die Frauen, die dort arbeiten, ihr Geld verdienen, ist in diesem Märchen irrelevant.)
Anderes Märchenhaftes entnehmen wir dem letzten KURIERplus. „Die Geschichte war so“, lesen wir da: „Schneewittchen war zu spät und die Kutsche weg – auch der Schuh war weg!“ Allerdings, liebe KollegInnen, die ihr dieses Märchen offenbar nicht 1000 Mal vorlesen habt müssen, war die Geschichte so nicht: Schneewitchen, das ist die mit den sieben Zwergen. Und die mit dem verlorenen Schuh, die heißt Aschenputtel und hat schiarche, böse Schwestern.
Immerhin: Eine gemeine Stiefmutter haben sie beide. Und den schönen Prinzen kriegen sie, eh klar, am Ende auch und leben glücklich bis an ihr Lebensende und so weiter. Märchen eben.