Doris Knecht
| 01/08
| Kurier-Kolumne
Schwere diplomatische Verwicklungen mit Deutschland sind praktisch unausweichlich. Denn: „Mutter legt Baby von Wiener Vater weg.“ Das heimische Zentralorgan für Aufmunitionierungen aller Art weiß aus dem Drama um die Nürnberger Eisbärenbabys den für das hiesige Publikum relevanten Knackpunkt herauszukitzeln,und wird gleichzeitig seinem Namen gerecht. Nicht das arme Eisbärenputzi braucht uns interessieren, nicht der beunruhigende Mangel an maternaler Empathie in deutschen Eisbär-Gehegen, nein: über die Herkunft des Vaters soll solidarischer Patriotismus mobilisiert werden, denn der stammt aus unser aller Schönbrunn. Ist also einer von uns. Sollte also mit unserer ungeteilten Unterstützung rechnen dürfen. Auch jener der Diplomatie: Wir rechnen fix damit, dass der österreichische Botschafter in Berlin bereits auf dem Weg nach Gelsenkirchen ist, um dem Eisbärenvater Felix beizustehen, der dort bösartig seinem Nachwuchs entfremdet wird.
Überhaupt sind Fortpflanzungen dieser Tage das Thema. Und gerade dachten wir, es sei die Nachricht nicht zu toppen, dass die australische Wachsfrau nach endlosem Gerücht-Dementi-Pingpong nun doch echt endlich wahr schwanger ist. Da erblickten wir auf orf.on die selbst für Nichtchristen sensationelle Meldung: „Gott wird wieder Vater.“ Boah. Gleich wollten wir wissen, welcher glücklichen Jungfrau diesmal die unbefleckte Empfängnis zuteil wurde (jemand, den wir kennen?), und wurden jäh enttäuscht. Ach sooo, Karel Gott.
Nur die Krone wendet sich per Kleinanzeige auch an fortpflanzungsdesinteressierte Klientel: „Der kastrierte ältere Herr ist absolut freundlich.“ Das beruhigt; selbst wenn der Herr ein Hund ist.