Doris Knecht
| 01/08
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Ich will jetzt wirklich nicht ewig auf der Sache herumreiten, aber die Kollegen H. und T. wussten nicht, was ein Tabuleh ist. Bitte: Kurz gesagt handelt es sich beim Tabuleh um den Nudelsalat des 21. Jahrhunderts. Oder der Bobos, wenn man gern diesen Begriff strapaziert.
Und, doch, ich habe diese Woche auch Interessanteres erlebt, möchte aber nicht darüber sprechen. Auch nicht über das Kindertheater. Auch nicht über die erste Vorführung in der Zirkusschule, gerade weil es nett und beeindruckend war. Auch nicht über die spontan einberufene Kinderfaschingsparty bei den Schwarzens, denn klischeehafter können sich die Insignien eines für Mutter praktisch vollständig versauten Nachmittags nicht aneinanderketten (liegengebliebene Arbeit, Streit mit dem Langen, Langeweile, Frust, Prosecco, Magenübersäuerung, mehr Streit mit dem Langen.) Und das hatten wir schon, das hatten wir schon.
Die Geschichte wiederum, die Geschichte, die ich erzählen wollte, über Eltern, die Nicht-Eltern anlügen, geriet unfreiwillig irgendwie ketzerisch und
verbissen missionarisch zugleich. Gefiel mir gar nicht mehr. (Es ging um ein Gespräch, das ich mit dem F. bei einem Mittagessen geführt habe, der hat auch ein Kind. Wir sprachen darüber, wie schwierig es ist, gegenüber Leuten um die Mitte 40 oder 50, die aus diesem oder jenem Grund keine Kinder haben, so zu tun, als wäre das eh prima. Also, keine Kinder zu haben. Als gäbe es fantastische Gründe, freiwillig kinderlos zu sein. Und dass wir das dann immer beflissentlich tun: die immensen Vorteile der Nachwuchsfreiheit aufzählen. Wir kommen uns nämlich keineswegs besser vor, nur weil wir welche haben! Wir sind ja keine Lebensentwurfsmissionare! Was wir sind: Lügner, erbärmliche Lügner. In Wirklichkeit wissen wir keinen einzigen relevanten Grund, wieso es besser sein soll, keine Kinder zu haben. Ja, ja, wir kennen tausend Situationen, in denen Kinderlosigkeit von Vorteil ist, und man erspart sich furchtbare Ängste. Und wir halten es für einen groben, fatalen, mitleiderregenden Glücksverzicht, aus den oberflächlich bestechenden Benefizien dieser Situationen aus freien Stücken ganze Biographien zu zimmern; außer eben, es geht nicht anders.) Ich sagte ja: Nicht gut. Sektiererisch, gräbenaufreißerisch, deppert, schlecht. Beleidigend fast. Wenn man mittendrin, bei „Wir sind Lügner“ aufhören würde, funktionierte das vielleicht, bleibt aber unvollständig... Man kann das nicht lässig dahererzählen.
Aber es fällt mir ein, als sich die Kinder am Sonntag durch die Wohnung spielen, trappeln und singen, irgendwas, eine Mischung aus im Kindergarten gelerntem und Selbstgedichtetem, in dem wie ein Mantra die Zeile „Ist das Leben schön“ wiederholt wird. Ich liege im Bett und lese den neuen Nick Hornby, lausche den Kindergeräuschen und draußen regnet es und der Wind heult, und jeden Augenblick werden sie mein Zimmer stürmen, Hunger!, Durst!, fad! brüllen, aber im Moment, im Moment ist das Leben tatsächlich unversaut schön.
Elterndemenz?