9.01.08

Mehr EUROphorie, bitte!

Doris Knecht | 01/08 | Kurier-Kolumne

Leserin Monika B. rügt mich; sie wünscht, ich würde der EURO optimistischer entgegenblicken: Mit Euphorie statt Skepsis, mit Vorfreude statt Fluchtfantasien. Das sei ja hysterisch! Das stinke ihr gewaltig, dieses „typisch wienerische Gegrantel vor kommenden Ereignissen“, sie selbst freue sich auf die EURO und wolle kein schlechtes Gewissen haben deshalb.
Oh, Entschuldigung, das war nicht meine Absicht. Allerdings kommen mir meine zart  pessimistischen Einwände gegen die allgemeine EUROphorie eher so vor, als spuckte ich in einen Vulkan, als schmisse ich einen Eiswürfel in die heißen Quellen von Krisuvik, Island, als schmölze ich das ewige Eis mit einem Streichholz. Der klassische Rufer in  der Wüste, sozusagen.
Tatsächlich fühlt es sich ein bisschen wie eine Art göttlicher Auftrag an, einen minikleinen Fokus ein vorsichtig auf die eventuell mit der EURO verbundenen  Unannehmlichkeiten zu richten, und versuchsweise die Interessen jener zwei oder drei Wiener zu vertreten, die unheimlich gut ohne die EURO leben könnten.
Aber gut, ich will keine Suderantin sein. Wir beginnen hier jetzt eine Aufzählung der Erfreulichkeiten an der EURO: Ich freue mich über die Verlängerung der U-Bahn und darüber, dass während der EURO im Burgtheater einmal nicht immer Shakespeare, sondern etwas richtig Aktuelles und Volksnahes gespielt wird.
Kollege  M.  freut sich auf die Pannen der Stadt  Wien, auf die Pannen-Wegrede-Rhetorik und die Hoppalas der ORF-Reporter; aber das ist jetzt zynisch. Kollegin H. freut sich auf den Ausdruck im Gesicht von Innenstadt-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel, aber das ist auch zynisch. Deswegen wird  diese EUROphorie-Liste fortgesetzt.  Anregungen – unsarkastische, wenn möglich – sind willkommen.
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