15.01.08

Schlechte und andere Lösungen

Doris Knecht | 01/08 | Kurier-Kolumne

Lässt sich Jugendkriminalität vermeiden? Der Spiegel hat in sich seiner letztwöchigen Titel-Geschichte der gefährlichen Spezies „junger Mann“ angenommen, und wir lernen aus dieser und der Geschichte überhaupt: Es sollte in einer Gesellschaft lieber keinen „Überschuss unterbeschäftigter  junger Männer“ geben., Denn ein solcher führt relativ verlässlich zu einer Eskalation von Kriminalität und Gewalt. Und da  Maßnahmen zur kontrollierteren Ausschüttung von Testosteron kein Thema sind, bleibt die Optimierung sozialer Rahmenbedingungen wohl weiterhin das Mittel der Wahl.
Fragen wir naiv: Wie  muss ein Kind aufwachsen, damit es möglichst schlechte Voraussetzungen hat, ein krimineller Jugendlicher   zu werden?  Die Summe der Erfahrungen antwortet uns:
Das Kind darf nicht misshandelt und nicht missbraucht werden. Seine Eltern müssen es unterstützend und konsequent erziehen,  ihm Strukturen bieten, Grenzen setzen und ein verlässliches Vorbild sein. Das Kind sollte früh gefördert werden, daheim, im Kindergarten und in  der Schule.
Es sollte kommunizieren können. Es sollte nicht viel Zeit vor TV- und Computerbildschirmen verbringen. Das Kind sollte, was  sehr für die Gesamtschule spricht, nicht schon mit 10 Jahren als Bürger 2. Klasse aussortiert werden. Es sollte die bestmögliche Ausbildung erhalten, denn wer gut ausgebildet ist und  Perspektiven hat, dem wird weniger leicht fad im Schädel: Es braucht genügend Schul-, Lehr- und Studienplätze.
Ja, utopisch und schwer umzusetzen; speziell wenn es sich um Kinder aus komplizierten sozialen Milieus, oft   auch mit Migrationshintergrund handelt.  Aber was bleibt uns sonst? Eigentlich nur der Ausbau der Gefängnisse: keine gute Lösung.
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