Doris Knecht
| 01/08
| Kurier-Kolumne
Kein Kaffee in der Früh. Kein warmer Kakao für die die Kinder. Keine Toasts für die Kinder. Immerhin: warme Wohnung, heiße Dusche (es sei denn, es gibt auch bei mir daheim komplizierte, nur von Fachleuten durchschaubare Verbindungen zwischen Strom- und Gasversorgung), aber: Duschen im Halbdunkel, kein Föhn, Wimperntusche-Applikation im Halbdunkel.
Wimperntuschemassaker-Entfernung im Halbdunkel. Kein Tee. Kein Computer. Kein Telefon. (Falls Sie verwirrt sind: Ich versuche gerade, mir einen ganz normalen Tag ohne Elektrizität vorzustellen, nachdem eben so viele unter Stromausfällen zu leiden hatten). Kein Kühlschrank (die Butter und die Milch wie ganz früher im Sackerl vorm Fenster), der Tiefkühler voll verrottender Tiefkühlkost.
Keine Gegensprechanlage. Kein Aufzug. Kein Licht im Stiegenhaus. Kein Licht auf der Straße (also, wenn’s noch sehr früh wäre oder schon spät), außer den Scheinwerfern der Autos. Keine Bim. Keine U-Bahn. Keine offenen Läden, weil in den Läden kein Licht, keine Kühlung, keine Kassen. (Und öffnen nicht auch die Türen elektrisch?)
Apropos Türen! Der elektronische Schlüssel fürs Bürogebäude ist höchstens noch zum Kaffeeumrühren gebrauchen. Aber: Kaffeeautomat tot. Kein Wurstsemmerl aus der Kantine, weil kein Kantinenbetrieb. Kein Lift; was den Kolleginnen und Kollegen aus den Stockwerken acht bis elf für einmal die prächtige Aussicht vermiesen dürfte. (Andererseits sind die meisten vermutlich gar nicht da, sondern versuchen zu Hause, ihre Kinder zu bei Laune zu halten.) Weil: keine Schule, kein Kindergarten, kein Fernsehen, keine Computerspiele. Ach!, da fällt mir ein, ich bin ja auch nicht da.