Doris Knecht
| 01/08
| Kurier-Kolumne
Der Fasching ist kurz, halten wir uns ran. Heute wird, heißt es, Richard Lugner seinen heurigen Opernballgast bekannt geben: Wir hoffen für Susan Sarandon, dass es nicht Susan Sarandon ist. Bereits verraten wurde, dass Lugner offenbar vergessen hat, termingerecht für seine Loge zu bezahlen; wobei uns Lugners Säumigkeit weit wurschter ist, als der Umstand, dass wir darüber aus den Medien erfahren: Wie kommt so etwas an die Öffentlichkeit? Wer sorgt dafür, dass es alle erfahren, wenn einer, der über die Jahre viele kleine Vermögen in den Opernball investierte, einmal verspätet überweist?
Richard Lugner ist aus freien Stücken eine öffentliche Figur ohne Geheimnisse, die für ihre Prominenz selbst den Preis der Lächerlichkeit zu bezahlen bereit ist. Dennoch behält er sein Kunden-Recht auf diskrete und höfliche Geschäftsabwicklung. Insbesondere im Zusammenhang mit einer Veranstaltung, die sich dermaßen feudal und staatstragend geriert. Es mag schon sein, dass Lugner nicht der Lieblingsgast der Opernball-Organisation ist, aber er ist, samt seinem Miet-Gefolge, einer der Lieblingsgäste der Opernballfernseher, und die tragen schließlich mit ihrem Interesse auch tüchtig zum Erfolg des sog. Staatsballes bei.
Egal. Für meinereine, deren Tanzkünste sich auf ein paar Zuckungen aus dem Pulp-Fiction-Fundus beschränken, ist der Opernball alljährlich ein lustiges Volkskunde-Seminar. Etwa die schwarzweißen Formationswalzungen zu Beginn: Wie wird dieses Ritual dereinst von Volkskundlern der Zukunft interpretiert werden, wenn die ORF-Aufzeichnungen aus der Müllhalde des 21. Jahrhunderts geborgen werden? Und was werden sie von Lugner halten?