Doris Knecht
| 01/08
| Kurier-Kolumne
An der Ampel höre ich „Radio Gaga“ von Queen; höre es doppelt, weil der Fahrer des Autos, aus dem das Lied dringt, lauthals mitsingt. Hübsch. Dann bin ich überrascht, als ich im Schuhgeschäft Nick Drake höre; erstaunlich, schön, sehr schön: weil wer kennt heute noch Nick Drake, den wunderbaren, sentimentalen Engländer, der schon in den 1970ern mit nicht mal 25 Jahren durch eine Medikamenten-Überdosis zu Tode kam. Ich glaube, das ist „From the Morning“ von seinem Album „Pink Moon“, und wenn es solche Musik ist, mit der ich beim Einkaufen ungebeten berieselt werde, habe ich nichts dagegen. (Grundsätzlich schon).
Der Leser E. hört auch ständig etwas, und zwar etwas Falsches. Er läuft deswegen, sagt er mir ins Telefon, schon seit ewig von Stadträtin zu Stadtrat; ohne Erfolg. Denn der Leser E. wohnt in der Wiener Innenstadt und benutzt regelmäßig den Bus 1A: fährt vom Schottentor über die Freyung über den Hof und steigt am Graben Ecke Kohlmarkt aus. Und hört zuvor etwas, das ihn ob seiner Unrichtigkeit täglich aufs Neue erzürnt: Er hört, bevor der Bus stehen bleibt, die Ansage „Bognergasse“. Und dann hört er meistens Leute fragen, wo sie aussteigen müssen, wenn sie zum Graben oder an den Kohlmarkt wollen.
Ja, hier!, möchte Leser E. dann rufen. Denn eine Haltestelle Bognergasse gibt es seit ewig nicht. Vor dem Schwarzen Kameel, wo früher Busse hielten, stehen heute Taxis, der Bus aber hält vor dem Meinl am Graben: direkt dort, wo viele Touristen hinwollen und während der EURO hinwollen werden. Die sollte man, findet Leser E., doch korrekt informieren! Und für ihn wäre diese richtige Ansage dann wohl, wie wenn für mich Nick Drake singt.