Doris Knecht
| 01/08
| Kurier-Kolumne
Ein neues Selbstgefühl ist dringend erforderlich“, schreibt Leopold Stummer über den modernen Mann: Und der niederösterreichische Philosoph bietet in seinem „Handbuch für den angehenden jungen Herrn“ (Seifert Verlag)gleich eines an.
Das macht natürlich neugierig, speziell wenn man nicht der angepeilten Zielgruppe angehört. Und nicht selten schwelt in der längst herangewachsenen Leserin der Verdacht, dass Stummer seine durchaus ironischen, weitgehend gescheiten und überaus sicher kombinierten Worte schon auch den Leser jenseits der Adoleszenz hören lassen möchte; speziell im Kapitel „Gesellschaft“. Dennoch verliert er, auch durch den Kunstgriff des mitunter lehrerhaften Duzens, sein Zielobjekt nie aus den Augen.
Stummer rät dem jungen Herrn zu kritischer Selbstbetrachtung, zu Selbstdisziplin und Hygiene, einer realistischen Sicht auf die „Hierarchie des Affenfelsens“ und zur steten Vergrößerung seines Wissens: auch durch „den vielfältigen Gebrauch von Literatur“. Das nicken wir ab.
Nur an den guten emanzipatorischen Absichten des Autors regen sich Zweifel: Schreibt Stummer über Frauen, neigt sein Ton dazu, einen zarten Gout von fauligem Chauvinismus zu verströmen. Wo es etwa um die Verführung geht, bedient er sich einer witzig gemeinten Jagd-Metaphorik, die dennoch ein eher betagtes männliches Selbstgefühl bedient. („Nicht geschossen ist auch gefehlt! Verbringst Du zu viel Zeit mit verständnisvollem Zuhören, wird Dein Wild zum Haustier.“ Oi, oi, oi.)
Abgesehen davon sind Stummers Ratschläge „für die Wechselfälle des Lebens“ fast durchwegs annehmbar: eine heitere Theorie zur Optimierung des Mannes; und die nützt bekanntlich allen.