6.01.08

Wir zählen bis 1000

Doris Knecht | 01/08 | Kurier-Kolumne

Seit wenigen Jahren habe ich auch ein Auto und neige nun dazu, die Interessen von Autofahrern und ihren Clubs nicht mehr nur aus der Perspektive von Öffi-Nutzern und Radfahrern zu sehen: also prinzipiell negativ. Ich finde jetzt auch gern einen Parkplatz. Ich nutze jetzt auch gern einmal eine Tiefgarage. Ich stecke jetzt auch nicht gern im Stau.
Aber gerade weil ich nicht gern im Stau stecke, kann ich der Idee einer City-Maut einiges abgewinnen. Und weil ich aus Zeitmanagement-Gründen für kürzere Strecken meistens das Rad benutze, was sich immer rentiert. Und weil ich kürzlich in Venedig war: Eine historische Altstadt sieht ohne Autos nicht nur besser aus, man kann sie auch besser sehen und nutzen.
 In Wien wird die City-Maut eher beiläufig diskutiert, vermutlich  deshalb, weil die Autofahrer hier noch  einigermaßen flüssig an ihr angepeiltes Ziel kommen: Der Leidensdruck, der dazu führen könnte, das System zu überdenken, ist wohl noch nicht groß genug ist.
Die Frage ist, ob man immer so lange warten soll, bis nichts mehr geht. Zwar sinkt die Zahl der KFZ-Neuzulassungen  leicht, aber pro Monat werden in Österreich  nach wie vor über 20.000 PKWs neu zugelassen: im letzten November 22.870.  Die wollen wo fahren und  müssen wo parken, und früher oder später geht, vor allem in den Städten, der Platz dafür aus.
Nun gibt es zwei Schulen, das Problem zu lösen: Man unterhöhlt die Innenstädte mit Garagen und lernt, den Stau  dorthin produktiv zu nützen; etwa, in dem man Tschechisch lernt oder den Kindern das Zählen bis 1000  beibringt. Oder man  gewöhnt  sich an andere Wege ins Zentrum – oder wird durch Maut-Druck daran gewöhnt. Früher oder später werden wir intensiv darüber nachdenken.

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