Categories
Falter-Kolumne
Kurier-Kolumne
LiLäLa (Liste lässlicher Laster)
VN-Kolumne

powered by Feedburner
RSS Feed - Subscribe now! Knecht Feed


suchen

Doris Knecht
der doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
doris.knecht@kurier.at

Creative Commons License
This work is licensed under a Creative Commons License.

Visuelles Konzept:
Christina Goestl + Boris Kopeinig

Powered by Phreak 2.0

neue Kommentare
recent comments....

29.02.08

Mutter, übernehmen Sie!

| 02/08 Kurier-Kolumne

Wenn ich das richtig verstanden habe, soll der Papa-Monat so funktionieren: Kind kommt  auf die Welt, Papa nimmt einen Monat unbezahlten Urlaub (worauf er einen Rechtsanspruch hat), bleibt sozialversichert und erhält vom Staat 800 Euro Lohnersatz. Damit kuschelt sich die  junge Familie  vier Wochen daheim ein: Den Fehlbetrag auf  Miete oder  laufende Kosten spendieren die Schwiegereltern, oder man begleicht ihn mit Erspartem, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Bzw. aus den Überstunden, die der Papa macht (und zum Abarbeiten von Liegengebliebenem auch braucht), wenn er danach wieder arbeiten geht. Sehe ich das richtig?
Wenn das so ist, halte ich den Papa-Monat für eine subattraktive Idee und ich verwette meinen alten Wickeltisch darauf, dass seine Inanspruchnahme durch die väterliche Bevölkerung im unteren Zehn-Prozent-Bereich bleibt.
Das Ziel ist gut,  das Instrument ist schlecht. Denn worum geht’s der Frauenministerin und dem Sozialminister? Es geht darum, die Väter  von Anfang partizipatorisch in ihre Familien  einzubinden. Das ist richtig;  wichtig für die Kinder, die Mütter und die Väter selbst. Aber ich glaube kaum,  dass man das mit einem isolierten Vater-Monat erreicht. Und ich bezweifle sehr, dass es zu mehr gesellschaftlicher Gerechtigkeit führt.
Was wir brauchen: flexible Arbeitszeitmodelle für Mütter und Väter, die es beiden Elternteilen langfristig erlauben, sich gleichermaßen und gleichberechtigt um ihre Kinder zu kümmern. Ein Vater-Monat bewirkt genau das Gegenteil. Er sagt: Papa, einen Monat kümmerst du dich mit, dann übernimmt Mutter wieder voll. Das ist, Verzeihung, familienpolitisch komplett kontraproduktiv.
28.02.08

Gemma lieber eislaufen

| 02/08 Kurier-Kolumne

Was ist los mit Wien? Die Straßenbahnen fahren seltener,  die Toten werden nicht mehr abgeholt; und jetzt muss man sich um den guten, alten Eislaufverein sorgen. Das in einer Stadt, die  überhaupt nicht arm wirkt oder den Eindruck macht, als könnte sie sich keinen Eislaufplatz in zentraler Lage mehr leisten. Eine tüchtig steuerzahlende Wiener Hobby-Eisläuferin würde deshalb meinen: die Stadt könnte dem Bund den Platz, ähnlich wie sie es bei der Erweiterung der Steinhofgründe auf“s lobenswerteste getan hat, ohne große Wellen einfach abkaufen und als innerstädtisches Klein-Erholungsgebiet für alle Wiener widmen.
Denn gleichzeitig kann man ja offenbar problemlos in der Innenstadt Häuser abreißen und an ihrer Stelle von britischen Star-Architekten (in Wien gibt es ja  keine) noch einen sechsstöckigen Hobbyraum für jene errichten lassen, die in ihrer Freizeit eher teuer einkaufen als billig eislaufen.  Ein sog. „Weltstadthaus“ (wer erfindet eigentlich immer diese behämmerten Begriffe?), stolz präsentiert vom gleichen Planungsstadtrat, der in der Sache mit dem Eislaufverein tüchtig herumdruckst. Denn es gibt, siehe Augarten, überaus konkrete Gründe, um öffentliche, innerstädtische Freiflächen zu bangen: Wer einen Konzertsaal in einen Barock-Park bauen läßt, der kann  vermutlich auch ganz gut mit einem Eislaufplatz weniger leben.
Es gibt ja eh den jährlichen „Eistraum“ am Rathausplatz. Eine wirklich herrliche Einrichtung, in der ich mir am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein prächtig die Hüfte prellte. Und wo das dichte Gewurl der Eisläufer  keinen Zweifel daran ließ, dass Wien auf den zweiten innerstädtischen Platz  nicht verzichten kann.
27.02.08

Wir sind Klosterneuburg!

| 02/08 Kurier-Kolumne

Jetzt aber ein Wort zur Abkühlung, bevor der Wir-Wahn vollends um sich greift. Weil folgendes, ihr verehrten, bewunderten und unbeneideten Schlagzeilen-Dichter, die ihr komplizierteste Sachverhalte  auf knappste Worte einzudampfen habt: Der „Wir sind“-Hammer hat den Nagel genau ein einziges Mal getroffen,  als Bild ganz Deutschland zum heiligen Vater machte. Damals allerdings mit Wucht. „Wir sind Papst!“: Das war wirklich, wirklich gut, ach: das war kolossal, witzig, verboten triumphal,  prachtvoll inkorrekt,  eine der trefflichsten, wenn nicht überhaupt die trefflichste Schlagzeile, die im deutschen Sprachraum je gedichtet wurde, und ihr Dichter wurde hoffentlich  mit güldenen Lettern bekränzt und mit Geldbündeln beworfen.
Und sie ist nicht wiederholbar. Nicht kopier-, nicht adoptier- und nicht übertragbar, ganz besonders nicht auf Unbeseeltes oder Immaterielles: Wir sind nicht Literaturnobelpreis, nicht Gold und nicht Schiflug. Wir sind nicht EURO und nicht schwanger (mit Eisbären-oder Pandababies). Wir sind nicht Oscar.
Aber natürlich wären wir jetzt alle gern Niederösterreicher. Denn in Niederösterreicher erlebt das  zuletzt durch einen Giftanschlag übel gebeutelte Wir-Gefühl eine  ruhmreiche Renaissance. Wie  freudentaumelte die NÖ-SPÖ-Vorsitzende Onodi? „Die niederösterreichische Beteiligung mit dem in Klosterneuburg lebenden Regisseur und dem aus Gerasdorf stammenden Hauptdarsteller ist eine großartige Visitenkarte  für unser Bundesland.“
Besonders Klosterneuburg, meinte dessen Bürgermeister werde nun „zweifellos international aufgewertet“. Das sollte ein raffinierter Tourismus-Slogan unterstützen: „Wir sind Fälscher“, vielleicht.
27.02.08

Bleib lieber sitzen

| 02/08 Falter-Kolumne

Wichtig ist, dass immer genug Essen im Haus ist. Das habe ich von meiner Mutter gelernt, die ihr Leben der Aufgabe gewidmet hat, Leute zu füttern. Falls bei uns plötzlich das gesamte Viertel vollzählig auftaucht, weil, ich weiß nicht weil warum, aber falls: kein Problem für uns, es ist genug für alle da. Der Kühlschrank ist voll, das Tiefkühlfach ist voll und das Vorratsregal ist voller lang haltbarer Nahrungsmittel, aus denen sich schnell 33 bunte Menüs aus drei Kontinenten zaubern lassen. Ist vielleicht etwas genetisches.
  Dennoch bringt mich die letzte Woche an psychische und phyische Grenzen. Am Montag finden wir, wir hätten die Horwaths zu lange nicht gesehen, also kommen sie zum Essen. Am Dienstag bitten wir die Breußes an unseren Tisch. Am Mittwoch haben die Mimis zwei Freunde zum Spielen zu Besuch, die von ihren Müttern wieder abgeholt werden, und das eine oder andere Glaserl und ein Teller Nudeln geht sich immer aus, auch für die Mutter von der Janine, die um halb sieben gleich gehen muss, und um neun muss ich sie aus der Tür treten. Ein Freund vom ... weiter lesen ...
26.02.08

Leben ohne Vorhang

| 02/08 Kurier-Kolumne

Der chinesische Promi-Porno-Foto-Skandal ist eine Lehrstunde im Unterrichtsfach „Privatsphäre“. Denn die Geschichte des chinesischen Jungstars, der seinen Laptop zur Reparatur gab, ohne zu bedenken, dass er darauf über 1000 private Sex-Fotos gespeichert hat, ist exemplarisch: Dafür, dass die größte Bedrohung  für unsere Privat- und Intimsphäre  wir selber sind – und die Überwachungskameras, die wir selber auf uns richten.
Natürlich hat sich der Privatheitsbegriff seit den 50ern massiv verändert: Die sog. eigenen vier Wände sind seit der Erfindung des Internets extrem durchlässig geworden – was heißt: sie existieren in dieser Form nicht mehr, weil wir das, was wir in dieser Sekunde zuhause privat tun und denken, in der nächsten der ganzen Welt zeigen und mitteilen können. Und es, siehe Millionen Chat-Foren, gerne tun.
Das Privatfernsehen wiederum kauft seinem Publikum erfolgreich die Scham ab:  erstens mit  Geld,  zweitens indem es den Leuten einredet, dass etwas derartiges wie ein Geheimnis nicht mehr exisitert,  wenn nur alle ihre Geheimnisse  preisgeben. Die  Schamgrenzen haben sich so massenhaft gegen Null verschoben, dass man den Eindruck gewinnen kann,  alle bekämen ihre Kinder in Anwesenheit des Fernsehens, oder ließen sich  unter die Bettdecke schauen, oder nur noch das Fernsehen mache Vaterschaftstest; und Auswandern oder Kochen oder Einrichten sei ohne das Fernsehen gar nicht mehr möglich.
Wir zeigen alles, wir filmen alles, jedes Kind hat eine Kamera  im Hosensack, und immer mehr Leute haben auch  eine im Schlafzimmer: Die Löcher in unseren vier Wänden sind so groß wie Schaufenster.

24.02.08

Wir treffen uns am Maier-Weiher

| 02/08 Kurier-Kolumne

Die unbelehrbaren Falco-Verherrlicher, die derzeit durch die Medien marodieren und nun die Ziegelofen-Gasse ihres Namens berauben wollen, wurden  vom ehrenwerten Kollegen Tartarotti eh schon zu 20 Zeilen  schweren Sarkamus verurteilt; völlig zu Recht.
Wenngleich ich einräumen möchte: Wer die Falco-Stiege kennt, würde nicht wollen, dass etwas, das aussieht wie aus der Sommerschlussverkauf-Postwurfsendung eines Baumarkts nach ihm benannt wird.  Da wird man ja noch ja lieber von  einem Abschnitt der Südosttangente in Erinnerung gehalten, da ist man wenigstens periodisch im Verkehrsfunk.  Verträumte  Gässchen mit  viel  Denkmalschutz,  hübsche Brunnen, kopfsteingepflasterte Platzerl, kleine Parks wie jener, der eben nach der 1986 verstorbenen Schauspielerin Dorothea Neff benannt wurde: Das hat man gern.
 Wo bei man ruhig auch öfter einmal an die großen Lebenden denken könnte: Barbados bitte hat  einem 20jährigen Popsternchen eben einen eigenen Feiertag freigeräumt. In Wien: Immer nur Ehrenzeichen, silber, gold, fad. Da hat ja niemand was davon, das kann man besser machen, volksnäher, mit optimiertem Nutzfaktor. Eine Lugner-City haben wir: Warum nicht auch eine Toni-Polster-Garage, einen Schneckerl-Kiosk, eine Hermann-Maier-Weiher, einen Helmut-Zilk-Bezirk, einen Alfons-Haider-Poller, ein H.C-Strache-Pis...  Aber halt, aufgepasst, was man nach wem benennt: da lauern Zerwürfnisse wie zwischen Ikea und den Dänen. 
Grundsätzlich aber ist Wien tragisch unterbenamst; was da namenloses Zeug herumsteht: Ampeln, Hecken, Verkehrsschilder, Büsche, Bäume; Bauzäune Geben wir ihnen Namen. Falco hat eh seine Stiege.
 
22.02.08

Soviel anders war nie

| 02/08 Kurier-Kolumne

Dieses Jahr ist alles anders.  2008 ist das Jahr, in dem Castro abtritt, und Falcos ehedemes Abtreten extrabreit getreten wird. Es ist das Jahr, in dem  auch der für Fashion-Fuzzis bisher eher unpackbare  Bob Dylan von den Glam-Hochglanzmagazinen vereinnahmt werden wird, „I‘m not There“ sei Dank – und den  vielen trendsettenden Schauspielern, die in diesem Film mitspielen.
Es das Jahr, in dem  wir Simone de Beauvoirs Beziehung zu Jean Paul Sartre wieder einmal auf ihren erotischen Content untersuchten.  Es  ist das Jahr der verzückten Erinnerungen an 1968, die auch mal putzige Kunstbegriffsneuorientierungen zeitigen. Wie sagte Guggi Löwinger am Sonntag im KURIER? „Als Künstler muss man neutral bleiben.“ Im Gegensatz zu Supermarktregal-Schlichterinnen, Bankangestellten, Bus-Chauffeuren, Ärztinnen, Sekretärinnen oder Altenbetreuern,  die ihre politischen Anschauungen in ihrem Berufsalltag ungeniert ausleben können.
Es ist das Jahr, in dem der Vertrag des bräsigen Doppels Harald Schmidt und Oliver Pocher um ein weiteres Jahr verlängert wird, was die Süddeutsche Zeitung ein wenig aus der grammatikalischen Spur warf: „Die Frage ist, wer wem verlängert hat: die ARD Schmidt oder Schmidt die ARD.“ Dessen fragen wir sich auch.
Es ist, säawas!, das Jahr, in dem zähe, sehnige Vorarlberger mit „Matrix“-Sonnenbrillen nach Wien gerufen werden müssen, um einmal ein bisschen durchzulüften. Und es ist das Jahr, in dem Thomas Schäfer-Elmayer (im Seitenblicke Magazin) verblüffende neue Weiblichkeitspostulate  aufstellte: „Die Unterwäsche gehört bei einer Frau einfach dazu.“ Oh. Echt. Schwestern, jetzt heißt es umdenken.
21.02.08

Lernen von Zürich

| 02/08 Kurier-Kolumne

Das ist einmal eine schöne Idee: 100 Krankls (oder sagt man: 100 Krankl?) werden während der EURO als Kunststoff-Skulpturen über Wien verteilt aufgestellt. Keine dummen Witze über hoffnungssattes, strategisches Herumstehen in Bezug auf unsere Nationalmannschaft, bitte! Wir wollen positiv denken, positiv, positiv, positiv. Und wer könnte uns dabei besser unterstützen als Hans Krankl, der personifizierte Glücksmoment  der heimischen Fußballgeschichte.
Die Krankls werden die Zürcher giften, denn im öffentlichen Herumstehenlassen von Plastikklumpert habe die Zürcher eine lange Tradition. Erstens zwingt die Zürcher Abfallwirtschaft die Zürcher, zweimal wöchentlich  ihren Müll in  dafür vorgeschriebenen Züri-Säcken vor die Tür zu stellen, wo ihn dann die Müllabfuhr abholt. Was dazu führt, dass Zürich zweimal die Woche  aussieht wie Neapel an einem schlechten Tag; es riecht nur besser.
Zweitens, und darum geht es hier, verstellen die Zürcher alle paar Jahre wieder ihre Stadt mit hunderten  bemalten Plastik-Viechern; erst waren’s Löwen, dann waren’s Kühe, zuletzt waren es 630 riesige, grottengruusige Plastikbären: Was Touristen und Kinder entzückte und vom gelernten Zürcher eher resigniert abgenickt oder in Form vereinzelter Vandalenakte kommentiert wurde.
Weil sich natürlich die Frage stellt: Was hat der Bär in Zürich verloren? Diese Frage stellt sich bei Krankl und Wien nicht. Allerdings kann Wien von Zürich etwas Mengenlehre lernen. Weil: 100? Hundert Krankls sind bitte viel! zu! wenig! Wenn Zürich, bestenfalls ein größeres  Dorf, mehr als 600 Bären verträgt, braucht eine Weltmetropole wie Wien, mindestens 1000 Krankls. Mindestens.
20.02.08

Rauchverbot bis 22 Uhr

| Comments (2) | 02/08 Kurier-Kolumne

Heuer ist konstruktives Denken angesagt. Heißt konkret,  diese Kolumne stochert nicht mehr nur lustvoll in den so herumliegenden Problemen umadum und überläßt deren  Lösung den zuständigen Stellen, nein: jetzt wird mitgelöst. Jetzt hagelt’s konstruktive Vorschläge, jetzt setzt’s Ideen zur Weltverbesserung im Kleinen und im, naja, Mittelkleinen. Diesmal: Rauchen im öffentlichen Raum.
Die Kollegin G. verbrachte kürzlich ein paar  Tage in Zürich und hat in den lokalen Restaurants folgendes erlebt:  Überall dort, wo gegessen wurde, wurden die Gäste gebeten, nicht zu rauchen. Die Gäste entsprachen dieser Bitte ohne Murren, und gingen, wenn sie rauchen wollten, hinüber an die Bar oder  hinaus vor die Tür. In anderen Lokalen wiederum waren auf den Tischen Schilder aufgestellt, auf denen über ein zeitlich begrenztes Rauchverbot informiert wurde: ab 18 oder 20 oder auch 22 Uhr dürfe hier  geraucht werden.
Und das erscheint mir ein relativ pragmatischer und praktikabler Schritt, die Interessen von Rauchern und Nichtrauchern allmählich zur Deckung zu bringen, und Raucher auf lieb daran zu gewöhnen, dass nicht mehr immer und überall geraucht wird. 
Es wäre, denke ich, nicht zu viel verlangte Raucher-Rücksicht, dort konsequent nicht zu rauchen, wo gegessen wird, und dann nicht, wenn Kinder dabei sind. Im Gegenzug würden wir Nichtraucher, spät am Abend im Klein-Lokal, wenn alle satt  und alle Kinder im Bett sind, freiwillig etwas Raucher-Rauch in Kauf nehmen. Das wäre, für den Anfang, vielleicht eine Verhandlungsbasis.
Was man allerdings  bedenken muss: Wenn man die Zürcher um Rücksichtbittet, nehmen die Zürcher Rücksicht. Die Wiener: hm.
20.02.08

Das war zuverlässig der Horwath

| 02/08 Falter-Kolumne

Ich bin mit dem Sedlacek zum Frühstück verabredet, und zur Begrüßung sagt er, das sei jetzt schwer zu glauben, aber er hat vorhin auf der Straße einen großen Mann mit einem Kind im Genick und Brillen wie zwei kleinen Fernsehern gesehen, war das vielleicht der Horwath? Das war zuverlässig der Horwath. Coole Brille, sagt der Sedlacek, sehr einprägsam. Sagte ich doch, sage ich, wie geht es dir? Einen doppelten Espresso und ein großes Glas Wasser, sagt der Sedlacek, nein, zum Essen nichts.

Es geht dem Sedlacek gut. Der Sedlacek ist zufrieden. Naja, bis auf die Weiber. Aber über die Auftragslage kann sich der Sedlacek nicht beschweren. Es ist natürlich anstrengend. Diese Woche war er schon in London, letzte Woche in Kopenhagen und in Mailand und vorletzte Woche in Hongkong. Und die ewige Fliegerei macht dir nichts aus?, sage ich. Nein, sagt Sedlacek. Ich flieg nicht mehr gern, sage ich. Ich bin auch nicht gern länger als zwei Tage weg von der Familie, es ist wie früher, als Kind, ich bekomme Heimweh. Echt, sagt Sedlacek. Ja, sage ich, wie damals im Jungscharlager: Weißt du, der Schmerz ist nicht kleiner geworden, nur die Person rundherum größer. Der Sedlacek schaut mich

... weiter lesen ...
19.02.08

Dancing Stars

| 02/08 Kurier-Kolumne

Kaum hatte ich meine unschuldigen, also von vollendetem Halbwissen dominierten Neonkappenbeobachtungen mitgeteilt, wurden mir von meinen Lesern gleich die Hintergründe dazu überbracht: danke für die gute Mitarbeit. Leserin P., die ihr Wissen von einer halbwüchsigen Nichte bezieht, informiert mich, beim Neonkapperl-Trend handele es sich um den sog. „Vokuhila Stila“:   das Blende-deine-Umwelt-Hauberl hat, so schreiben die „Stila“-Regeln offenbar vor, sehr hoch auf dem Haupthaar zu sitzen, das wiederum, nona, hinten länger zu sein hat als vorne.
Es gibt auch, für diesen Tipp danke ich der aufmerksamen Kollegin T.,  einen assozierten Tanz, der sich „Jumpstyle“ nennt:  Alles darüber erfährt man auf der Website www.krocha.at und den dort gelinkten, betörenden YouTube-Filmchen. Denn was die  Krocha (also: Kracher) in ihren von radikal schonungslosen Postings kommentierten Videos vorzeigen, ist in vielerlei Hinsicht sehenswert und sollte dallidalli in die laufende „Dancing-Stars“-Staffel Eingang  finden.
Was YouTube übrigens beweist: Man braucht die jungen Menschen gar nicht  vidoeüberwachen, sie tun  es selbst und stellen das Material, für jeden einsehbar, ins Netz. Im Fall der Krocha erfährt man, wie und wo sie tanzen: am Balkon, im Stiegenhaus neben den Postfächern, vorm Küchenherd, im Jugendzimmer zwischen Bett und Einbauschrank, in der Bauernstube,  im Aufenthaltraum  der Reha-Klinik und, mit Gasmaske, in den Schlafsälen von Bundesheer-Kasernen.  (Überhaupt sehr aufschlussreich: die Bundesheer-Kurzfilme. Bam, Oida, wie die Krocha  sagen.)
Die Alten kochen, die Jungen krochen: Wieder etwas gelernt.
17.02.08

Wie man eine Frau wird

| 02/08 Kurier-Kolumne

Christina Lugner wurde also jetzt, eigenen Angaben zur Folge, durch zwei  Silikonkissen zur Frau gemacht, was gestern schon den geschätzten Kollegen Hohenlohe von der Umseite verunsicherte.  Und auch ich frage mich irritiert: Was war Christina Lugner vorher, 42 Jahre lang? Womit hatte man es zu tun? Mit einem Zwitter-oder Zwischenwesen? Mit einem Dummy? Mit einem humanoiden Work in Progress, vollendet erst durch die Zauberhände eines Schönheitschirurgen?
Soll mit seinem Körper jeder machen, was er will: Aber je mehr verschnittene, überspannte, aufwattierte Gesichter mit final aufgerissenen Augen mir begegnen, desto lieber sehe ich solche, die einfach ganz normal altern. Und die Frage, ob es die Aufgabe der Medizin sein kann, an gesunden Körpern herumzuschneiden, um vermeintliche  Makel im Zuge von unnötigen Operationen zu beschönigen, könnte man ruhig  noch  intensiver  diskutieren.
Weiblichkeit jedenfalls (und es ist ungemein deprimierend, dass man diesen Satz tatsächlich formulieren muss, meine Güte) ist keine Frage der Körbchengröße. Abwesendes Selbstwertgefühl lässt sich nicht mit Silikon substituieren.  Und es ist krank, wenn  Mütter  wie Christina Lugner  ihren pubertierenden Töchtern die Botschaft mit auf den Lebensweg geben, ein Frauendasein unter Cup D sei ein vergebliches.
Natürlich: Es ist die Lebensphilosophie einer äh Frau, die  sich jahrelang angesprochen fühlte, wenn der  Gattungsname eines Nagetiers gerufen wurde. Man braucht von so jemandem kein ausgeprägtes feministisches Bewusstsein erwarten. Man könnte solchen traurigen Unsinn einfach ignorieren. Leider ist er längst gesellschaftsfähig: Die Vernunft  schnarcht auf weichen Kissen aus Silikon.
15.02.08

Gleich sind sie überall

| 02/08 Kurier-Kolumne

Das Jungvolk hat sich neue Quälereien für die Spießer-Generation einfallen lassen: Die Neonkappen kommen. Die Lugner-City, Schaufenster juveniler Sinnsuche und Laufsteg für Trends, die bald die Stadt überschwemmen werden, ist schon voll davon: Voll von Jugendlichen beiderlei Geschlechts, die steife Schildkappen in den entsetzlichsten Neontönen (also allen Neontönen) tragen: neonwischerlgelb, neonschreipink, neongiftgrün. Die Kappen sind hoch, stirnseitig gepolstert und zitieren erbarmungslos das schlimmste Modeverbrechen der achtziger Jahre, das Netzleiberl. Ästhetische  Gewaltkriminalitätsverherrlichung, wenn Sie mich fragen: Sieht aus, wie etwas, das ein drittklassiger deutscher Rapper in einem Video tragen würde, während er einer minderbekleideten Dame den Popo tätschelt; und genau da her hat der Wind die Dinger vermutlich auch geweht.
Stehen auch keinem, was allerdings, wenn ich mich recht erinnere, auch nicht der Sinn adoleszenten Modesündigens ist: Sondern man will Eltern Sätze abpressen im Stil von Wie schaust du denn aus! und So gehst du mir nicht aus dem Haus! und Ach ja, und wenn alle anderen von der Klippen springen, springst du dann auch?
Passen Sie auf: Bald, nächsten Monat oder schon übermorgen, ist die Stadt voll davon. Es wird  wie vorletztes Jahr mit den gruseligen Croqs: Man sieht sie einmal und während man sich noch wundert, was jemand dazu bringt,  etwas derart abseitig Geschmackloses anzuziehen, noch dazu außerhalb der eigenen vier Wände, haben es plötzlich alle an, tausende, abertausende, und an jeder Ecke stolpert man über eine Wühlkiste von billigen Kopien der Billigkopien. Da! Ich seh schon wieder eine.
14.02.08

Abwiegeln, ausbüchsen, abputzen

| 02/08 Kurier-Kolumne

Das lässt einen nicht kalt, diese  Sache mit den Kampusch-Ermittlungen. Da drängt sich eine Kette von „was-wäre-gewesen-wenn“-Assoziationen ins Grübeln hinein, und fast  immer läuft es darauf hinaus, dass  Kampusch gefunden und befreit hätte werden können.
Wir habe Kampuschs  Gesicht mittlerweile tausend Mal gesehen. Und wir haben das so unendlich oft gehört und gelesen, das mit dem Kind und dem Keller und den achteinhalb Jahren, dass es uns,  als  abgebrühte Massenmedienkonsumenten, kaum mehr berührt. Es ist nur noch eine Meldung aus dem vorletzten Jahr, die wir aufgenommen und einsortiert haben in die Furchtbarkeiten-Schublade, wo auch die Maddie-Meldungen liegen und die Darfur-Nachrichten.
Wäre die Geschichte so frisch schockierend wie damals im August 2006, als Natascha Kampusch sich befreite, wir hätten auf die Ausflüchte, die man derzeit von Platter, Missethon und Schögel hört, mit entsetztem Gebrüll reagiert. Dieses Abwiegeln und Ausbüchsen, dieses Abputzen und Verniedlichen: es ist unwürdig, es ist unanständig gegenüber Natascha Kampusch und es wird von den Bürgern nicht goutiert.
Dass man mit Fehlern politisch auch anders umgehen kann, zeigt dieser Tage der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber (55 Prozent bei den letzten Wahlen). Man mag den Vorarlberger als solchen für seine unklare Aussprache  verspotten, aber wenn es darauf ankommt findet er klare Worte. Als jetzt Fotos auftauchten, die Mitglieder der Jungen ÖVP Vorarlberg beim Kühnengruß zeigten, lobte, verteidigte oder bagatellisierte Sausgruber die Sache nicht. Sondern er nannte sie „eine nicht tolerierbare Fehlleistung“. Klare Worte, die man sich auch andernorts wünscht.
13.02.08

Solche Männer braucht das Land

| Comments (2) | 02/08 Falter-Kolumne

Der Horwath hat eine neue Brille: eine überaus eindrucksvolle Brille. Eine schöne Brille, in der Tat, in erstklassiger Qualität von Cutler and Gross in London, UK, gefertigt. Die Brille steht dem Horwath hervorragend. Wenn Sie dieser Tage einen Mann mit einer Brille erblicken, das ist der Horwath: Sie wissen es, wenn Sie ihn sehen. Ein missgünstiger Mensch mag einwenden, die Brille sei für übliche Brillenverhältnisse irgendwie viel, aber ich entgegne, dass sie zwar viel, für ein Charakterantlitz wie jenes des Horwath aber keinesfalls zu viel ist. Wenn Sie den Horwath mit seiner neuen Brille sehen: Es wird Sie kein Zweifel darüber anhauchen, dass der Horwath ein furchtloser Kerl ist, ein Mann, der das Neue, und sei es auch fremd und ungewohnt, unerschrocken antizipiert, und so, genau so, wollen wir die Männer haben.

Vielleicht müsste ich dem Kollegen Dings ein Foto vom Horwath zeigen, und sagen: Schau, Kollege, wenn der Horwath diese Brille mit Stolz tragen kann, kann ein Kerl wie du sich auch itunes von einem Weib installieren lassen, ohne dass ihn eine spontane Rückgraterweichung niederstreckt. Denn der Kollege, ein totaler Pop-Auskenner, kennt ... weiter lesen ...
13.02.08

Da war doch was

| 02/08 Kurier-Kolumne

Das ist nicht gut für mein heuriges Anti-Motschgern-Programm. Weil: Penetrantes Sudern nützt offenbar. Das jedenfalls schließen die Anonymen Euroskeptiker (AEUS), denen ja vor allem die Fanmeile am Ring  ein  Quell sprudelnden EURO-Pessimismus ist, aus Äußerungen von Vizebürgermeisterin Grete Laska gegenüber der Presse. Sie meinte nämlich zum Thema Public-Viewing-Bereiche, es werde „unter Umständen zwei weitere geben: Bei den Gasometern und auf der Donauinsel“. Na, was sagt man dazu.
Ist doch schön, dass die Stadt  schon 17 Wochen vor Beginn der EURO bemerkt, dass sie über Orte verfügt, die sowohl die Kapazitäten als auch die Infrastruktur haben, große Menschenmengen zu fassen, zu verpflegen und  sanitär zu versorgen. Im Unterschied zu einer zentralen, bimbefahrenen Straße   zwischen empfindlichen Prachtbauten und schönen Parks: Es ist eine späte, aber gute Idee, die Fan-Massen ein bisschen über die Stadt zu verteilen und ihnen so auch den Rest von Wien zu zeigen. (Apropos Massen: Das schweizer Beharren auf ein Leben ohne scharfes ß könnte, sollten während der EURO die Massen in Maßen trinken,  auf eine harte Probe gestellt werden.)
Und apropos Schweizer. An dieser Stelle muss ich im Zusammenhang mit der EURO-Wurstkrisen-Kolumne einen verheerenden Fehler eingestehen, vor allem, da er einer  passierte, die fast zwei Jahre in Zürich lebte: Die Schweizer Nationalwurst, Damen und Herren, heißt, wie mich Patrick  H. aus Wängi höflich korrigiert, natürlich Cervelat. Nicht Geschwellte. Gschwällti sind (es gibt dafür erstaunlicherweise keinen  Viennismus)  Pellkartoffeln. Richtig, das ist ein bisschen peinlich.
12.02.08

Nichts für ungut!

| Comments (1) | 02/08 Kurier-Kolumne

Sehr geehrter Herr Direktor Yuriy Lisetksy! Herzlichen Dank für Ihr Mail! Ich bin bestürzt zu erfahren, dass Ihr ukrainisches Softwarefunternehmen in Schwierigkeiten steckt, und würde  gerne helfen. Vor allem für „8 % von jedes Geschaeft, das wir durch ihres Konto fuehren aus“. Allerdings fehlt es mir an der nötigen Kompetenz zur Lösung Ihres Problems: „Die Bezahlungen (3000 - 20 000) weist man ungefaehr 3-5 Tagen lange ueber + man braucht so lange Zeit, um diese Bezahlungen zu bekommen. In der Regel kommt ungefaehr von 10 Tagen bis 2-3 Woche mit Wochenende heraus.“ Ich kann Ihnen aber einen ehemaligen Vizekanzler mit besten Beziehungen empfehlen, mit dem Sie sich sicher glänzend verstehen werden. 
Dear Ian Hayes, thank you for your email! As you correctly suggested, my dick is actually way not big enough. Doctors keep telling me, this is because I am a girl and warn  me from trying  your pills for rocksolid hardness and allnight staying power. Sorry and nothing for ungood! 
Lieber Paulus Uhijyo, danke dass Sie mich  darüber informieren, dass Sie einen „exklusiven Samowar (orientalischer Teekocher)“ verkaufen.  Leider habe ich an Ihrer  „extrem exklusiven Maschine“ trotz Superpreis  derzeit keinen  Bedarf. Nicht bös sein bitte!
Sehr geehrter Herr Cross Reed! Danke für Ihr Angebot, das Casino Las Vegas zu meinem Zuhause zu machen. Tatsächlich habe ich eine Freundin, die gerade eine Wohnung sucht und auch den Willkommensbonus gut brauchen kann. Wie schreibt Direktor Lisetsky? „Wenn Sie verschiedenartige Fragen haben, verlegen Sie nicht.“  Bitte also um nähere Angaben! Meine Adresse haben Sie ja! Ihre D.K.
10.02.08

Das Gesetz der Serie

| 02/08 Kurier-Kolumne

Der ORF sabotiert meine guten Neujahrsvorsätze.  Diese Sache mit den jäh abgesetzten „Men in Trees“ kitzelt meinen Motschger-Nerv heftig. Die  Kollegin Braunrath hat sich  schon völlig zurecht beschwert, ich schließe mich an.
 Zuerst redet uns der ORF ein, dass wir das unbedingt sehen müssen. Dann sehen wir das und finden es bestenfalls naja. Dann gefällt es uns, trotz Einwänden, mit der Zeit doch nicht so schlecht, also allmählich ganz gut. Wir gewöhnen uns daran und, zack,  ist es weg. Miese Quote, baba.
 Aha. Aber so öd und sinnlos dieser ewige Ruf den Berg hinauf auch sein mag, wir brüllen trotzdem: ÖFFENTLICH-REEECHTLICHES GEBÜÜÜÜHRENFERNSEHEN, SIE!
Dass im Privat-TV mit schlechten Quoten nicht lang gefackelt wird: gut. Aber der ORF sollte einen längeren Atem haben. Das Gegenteil ist der Fall: Ständig werden Sachen angefangen und, teilweise fixfertig produziert, panisch gestoppt („Extrazimmer“). Oder auf   unmögliche Sendetermine verschoben und dann mittendrin abgesetzt (für immer und ewig unverzeihlich: „The  Sopranos“). Oder Serien hören  mitten in der ersten Staffel auf und fangen in der dritten wieder an („Dr. House“). Oder sie hören plötzlich auf und werden irgendwann wiederholt („Weeds“). Und sie fallen ununterbrochen jedem drittklassigen Sportereignis zum Opfer.
Natürlich kann man sagen: Sind ja nur doofe Serien. Aber dann lässt man‘s besser gleich.  Wenn man mit Serien Erfolg haben will,  muss man ihr Wesen ernst nehmen: Eine Serie braucht einen fixen Ort. Und sie  braucht eine gewisse Zeit, um ihr Publikum zu verführen. Wenn man beides nicht garantieren kann, lieber  erst gar nicht damit anfangen. 
8.02.08

Ach, das macht süchtig?

| 02/08 Kurier-Kolumne

Also, einerseits war ich zwanzig Jahre lang eine rücksichtslose Raucherin und habe jetzt keine Rücksicht verdient. Andererseits bekenne ich mich bis heute nur bedingt schuldig, da es mir kaum möglich war, Rücksicht zu nehmen, denn ich war süchtig: Krankhaft abhängig; weshalb mich die Nachricht überrascht, Nikotin solle  innerhalb der EU zum süchtig machenden Mittel deklariert werden.
Ja was. Wie ist es möglich, dass es das bisher nicht war? Denn dass etwas derartiges wie  Nikotinsucht existiert, sehen und wissen wir nun doch schon seit einiger Zeit: alle Ex- und die meisten  Raucher auch aufgrund unvergesslicher körperlicher Erfahrungen.
Das Problem, das wir nicht zu lösen im Stande sind: wie man Nichtraucher vor Leuten schützt, die man nicht davon überzeugen kann, mit dem Rauchen aufzuhören. Was nicht funktioniert: Auf die Rücksichtnahme von Süchtigen zu hoffen. Die rauchen, das kann ich mit einiger Kompetenz behaupten, genau dort nicht, wo man es ihnen unter Strafe verbietet.
Natürlich ist es mir als einer, die mittlerweile 135.000 Zigaretten nicht geraucht hat, lieber, wenn die Luft sauber ist, vor allem wenn Kinder dabei sind und gegessen wird. Aber  es macht  überhaupt keine Freude, wenn einem die Leute, mit denen man  Abends im  Musiklokal ein Bier trinkt, ständig aus der Konversation hoppeln, weil sie draußen eine rauchen wollen: Da ist mir das Gespräch eigentlich wichtiger als mein Schutz.
Wie man das löst? Weiß ich auch nicht; aber genau dafür bezahlen wir doch Experten in Ministerien, dass sie  für schwierige  Probleme Lösungen finden: Z.B. wer wo geschützt werden will und soll. Sonst machts die EU über unseren Willen hinweg.
7.02.08

Emergency-Kebab

| 02/08 Kurier-Kolumne

Nun dräut der EURO neue Ungemach, diesmal als Wurstkrise.  Denn auf dem Weltmarkt herrsche eine Wurstdarmknappheit, mit dramatischen Auswirkungen auf die EM: In der Schweiz ist gar von einer Wurstpanik die Rede. Und wer das aufbrausende Temperament der Schweizer kennt, möchte ihr hitziges Blut lieber nicht durch massenhaften Entzug der Schweizer Nationalwurst, der Geschwellten,  wallend machen.
Eine Lösung für die Wiener Wurstkrise verbirgt sich eventuell in einem Mail-Wechsel, in den mir die mittlerweile zart pikierte Leserin Maria H. Einblick gewährte. Frau H. wandte sich vor Weihnachten höflich an Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel: Sie fühlt sich, wenn Sie nach der Oper auf die Bim wartet, belästigt vom Geruch und der Beschallung, die genau dort aus  zwei Kebab-Ständen dringt. Als freiwilliger Urbanist neigt man zwar zur Ansicht, dass eine Großstadt ein paar Essengerüche und ein bisschen Musik vertragen kann, allerdings wissen wir nicht, wozu Frau Stenzel neigt: Denn Frau H. wartet noch immer auf die Antwort, die ihr Stenzels Büroleiterin auf frequente Nachfrage frequent verspricht.
Aber. Vielleicht lässt sich mit genau diesen und anderen Kebab-Buden eine drohende Knackerkrise abwenden, weil in der Not nascht der Teufel bekanntlich Kuchen oder so ähnlich. Und  wollen wir den Fussballfan, der eventuelle Enttäuschungen mit dem Verzehr von totem Tier in Darm kompensieren möchte, mit Hirse-Zucchini-Laibchen zu Gewaltexzessen provozieren? Wollen wir nicht.
Vielleicht lässt sich hier Schlimmeres mit mobilem Emergency-Kebab verhindern. Z. B. mit den Buden von vor der Oper. So wäre auch Frau H. geholfen; zumindest temporär.
6.02.08

Massive Transistions

| 02/08 Kurier-Kolumne

Mein absoluter, uneinholbarer Lieblingssatz der Woche: „Weißt, wir können den Park schon shredden und im Powder sind wir auch eine eigene Institution, aber so massive Transitions fahren wir einfach kaum.“ Weil Sie sich fragen: Hier erklärt der Snowboarder Rudi Kröll auf fm4.at, wieso er beim „Air & Style“-Contest in Innsbruck vergangenes Wochenende den Einzug ins Finale verpasst hat.
Von den Snowboardern könnten die Autoren von zweien meiner drei aktuellen LieblingsTV-Spots in ihrem wackeren Bemühen um coolen und lockeren Jugendsprech noch etwas lernen.  Besonders im Spot mit der fetzigen Rockband,  die sich dann bei der Entblätterung im Backstageraum als rüstige Rentner-Partie entpuppt. Weil wie bleiben Senioren so ure frisch? „Fleisch bringt’s“. Endskrass, AMA!
Aber nicht nur Fleisch bringt’s total, auch „Der Bilanzbuchhalterkurs hat’s voll gebracht!“ Und den hat die vor Beförderung juchzende Gattin eines vor Freude darüber  radioaktiv strahlenden Herrn bei Humboldt gemacht. Bravo.
Der Spot für www.tischler.at dagegen bemüht sich um eine unmissverständlich Bild-Text-Kohärenz: Ein nicht mehr ganz junger, aber ganz nackter Herr betritt ein Lokal und verstört dort die Menschen, und warum? „Lern was Gscheit’s! Damit du später nicht nackt da stehst.“ Ach so, aber klaro!
Die Lieblingsbeurteilung der Woche stammt einmal noch vom Opernball. Beziehungsweise der  Ankündigung seiner Übertragung durch Moderator Alfons Haider: „Wir sind ja schon ein bewährtes und charmantes Team.“ Dieser Einschätzung schließt sich vollinhaltlich an,
Ihre  brilliante und bildschöne Kolumnistin D. K.
5.02.08

Selber Schuld, Mutter

| Comments (3) | 02/08 Falter-Kolumne

Mittlerweile wurden mir ungefähr 286 Gründe zugetragen, warum es super ist, keine Kinder zu haben. Einige davon stammen von Horwaths kinderlosen Freunden, die, wie mir der Horwath überbrachte, recht angespeist seien über meine letzte Kolumne. (Äh, tja, sorri. Ich weiß, das tut man nicht. Ich weiß, das war ein Bruch des Geheimvertrages zwischen Kinderlosen und Bekinderten.) 62 Gründe mailte Leser Simon F., der in der Gnade der Kompetenz steht, denn er hat drei Kinder. (Grund 2: Weil man Schlaf NICHT für überbewertet hält. 17: Weil man Familienferienclubs hasst. 28: Weil man nach der Arbeit Ruhe braucht. 29: Weil man Spongebob hasst. 34: Weil man eine saubere, ordentliche Wohnung schätzt. 41: Weil man nach einer Trennung die Chance auf einen Neuanfang haben will. 42: Weil man gerneeinmal auf ein Jahr verschwinden will, bevor man alt oder tot ist. 50: Weil man die Freiheit haben will, zu seinem Chef "Sie Riesenarschloch" zu sagen und zu kündigen.)

Auch von mir fiel während des Nähens von zwei Dschungeltier-Kostümen die Mutterschaftsverklärung vorübergehend vollständig ab, und ich darf die Liste wie folgt ergänzen: 287: Weil man keine Affen-Kostüme nähen muss. 288: Weil man keine Panther-Kostüme nähen muss, bis kurz bevor ... weiter lesen ...
5.02.08

Verklärungsoffensive

| 02/08 Kurier-Kolumne

Alle paar Jahre, zu runden Falco-Geburts- und Todestagen springen wieder  all die Leute aus der Kiste, die eine Experten-Existenz darauf aufbauen, dass sie einmal mit Falco im U4 vom Barhocker gekippt sind; oder etwas in der Art.
Auch Falcos 10. Todestag begeht Österreich im Rahmen seiner Möglichkeiten: mit Werbebespots von Elektronikgroßmärkten, remixten Klingeltönen und mitternächtlichen TV-Talkshows mit ehemaligen Mitstreitern und Experten, die einmal mit Falco im U4 vom Barhocker gekippt sind: Zum zillionsten Mal wird die Frage geklärt, wer und wie der „wahre“ Falco eigentlich wirklich war und welche Bedeutung er für Österreich hatte. (Wobei in der ORF- Runde am Samstag so oft eine neue Falco-DVD angepriesen wurde, dass man sich zwischendurch in einer Tele-Shopping-Show wähnte.) Und natürlich werden  Falco-Dokus gezeigt, die die Verklärungsoffensive teilweise ins Lachhafte befördern. (Niki Lauda: „Der einzige internationale Popstar, der es weltweit geschafft hat.“)
Extra zum 10. Todestag kommt jetzt auch noch ein Falco-Film in die Kinos, den ich noch nicht sehen konnte, aber alle Gewährsleute meines Vertrauens, die konnten, hatten danach akuten Antiaggressionstrainingsbedarf. Weshalb ich mir jetzt nicht 100prozentig sicher bin, ob ich mir das antun will.
Überhaupt: Was ist so interessant an Falco? Die paar guten Songs, die er geschrieben und aufgenommen hat. Und wenn schon gedenken, warum nicht, indem man sich die wieder einmal in Ruhe anhört: Zum Beispiel  „Helden von heute“, in der Live-Version, ganz laut. Denn das, verdammt, lebt wirklich noch.
 
4.02.08

Rosenmontag im rhiz

| 02/08


rhiz
3.02.08

Bravo, Ursula!

| 02/08 Kurier-Kolumne

Zumindest ist  mittlerweile bewiesen, dass der kleine Kreis EURO-08-skeptischer Leserinnen und Leser, der sich in dieser  Kolumne seit einiger Zeit hin und wieder zu einer Art Europhorie-Selbsthilfegruppe versammelt, gesamtgesellschaftlich keineswegs isoliert dasteht: Nein, die Gruppe – nennen wir  sie die Anonymen EUROSkeptiker (AEUS) – repräsentiert, wie jüngste Erhebungen zeigten, in etwa die halbe österreichische Bevölkerung.
Hier herrscht massiver Motivationsbedarf, und wir wollen nicht angeben, aber auf dem Gebiet der EUROphorisierung durch positives Denken haben die AEUS bereits reiche Erfahrung, mit der wir nicht geizen. Denn wir haben schon Körbe voller Gründe gesammelt, warum die EURO wunderwunderwunderbar wird, und es werden immer noch mehr. 
Bettina M. freut sich darauf, dass die  englischen Hooligans während der EURO in England randalieren und nicht bei uns.  Wolfgang Michael T.  freut sich auf die frische Baumbepflanzung der Ringstraße nach der EURO.  Brigitte J. lacht schon jetzt das Herz, wenn sie daran denkt, wie ihre Gesundheit von der Kurzführung der Ringlinien  profitieren wird.
Besonders stolz aber sind die AEUS diese Woche  auf Ursula S., der es gelungen ist, ihre Zweifel an der EURO mit hartnäckiger Selbstindoktrination zu überwinden. Vor Wochen noch konnte Ursula S. über EURO und Fanmeile nicht sprechen, ohne von Fäkal- und Destruktionsphobien geschüttelt zu werden. Dieser Tage  gelangen ihr gegenüber dem KURIER schon Sätze wie „Vielmehr freue ich mich auf die Stimmung“, und „Auf Wien und seine Gäste wartet ein riesiges Fest“, und „Wir sollten alle diese Zeit genießen.“ Ja! So macht man das! Bravo Ursula!

1.02.08

Operball für alle

| 02/08 Kurier-Kolumne

Die Freundinnen freuen sich schon giftig darauf, was passiert, wenn Richard Lugner Dita Von Teese in seiner üblichen Opernballgastgeber-Weise anfasst. Sie wissen schon, diese verschmitzte und natürlich üüberhaupt nicht so gemeinte Art des Ausgreifens; ein Gottschalk, wer Böses dabei denkt. (Kommt der eigentlich auch?)
Denn Dita Von Teese, keineswegs irgendeine dahergelaufene Stripperin,  sondern eine der stolzesten  Frauen des Planeten, wird das Betatschtwerden  eventuell nicht so gnädig hinnehmen. Zudem gehört Dita Von Teese zweifellos zu jenen Damen, die wissen, dass spitze Schuhen noch für ganz andere Kunststücke einsetzbar sind, als damit zu trippeln und zu tanzen.  Das sollte Lugner eventuell lieber gewärtigen.
Die Freundinnen schauen sich  den Opernball natürlich heute im Fernsehen an. Während ich mit voraussehbarer Erfolglosigkeit versuchen werde, den Videorecorder zu programmieren, um mich sodann zu einem Popkonzert zu begeben, das perfiderweise ebenfalls am Ring stattfindet, und zwar ein Stück hinter der Oper.
Das könnte sich  als Problem erweisen. Gerüchteweise soll ja heuer vor der Oper wieder einmal das Anti-Opernball-Ballett zur Aufführung kommen, in einem hoffentlich beiderseits der Sperrgitter hübsch choroegrafierten  Schauspiel von Demonstranten und Polizei.  Wobei  der neue rote Teppich ein  frisches Spannungselement in die über die Jahre etwas lahm gewordene Außen-Inszenierung bringen könnte.
 Natürlich könnte ich die unbehinderte Route in die andere Ringrichtung wählen. Ich fürchte nur, die Neugier wirds mir nicht erlauben. Ein bisschen was vom Opernball will ich auch sehen: Und mit dem Recorder wird’s eh wieder nix.
« zurück weiter »