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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Wenn ich das richtig verstanden habe, soll der Papa-Monat so funktionieren: Kind kommt auf die Welt, Papa nimmt einen Monat unbezahlten Urlaub (worauf er einen Rechtsanspruch hat), bleibt sozialversichert und erhält vom Staat 800 Euro Lohnersatz. Damit kuschelt sich die junge Familie vier Wochen daheim ein: Den Fehlbetrag auf Miete oder laufende Kosten spendieren die Schwiegereltern, oder man begleicht ihn mit Erspartem, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Bzw. aus den Überstunden, die der Papa macht (und zum Abarbeiten von Liegengebliebenem auch braucht), wenn er danach wieder arbeiten geht. Sehe ich das richtig?
Wenn das so ist, halte ich den Papa-Monat für eine subattraktive Idee und ich verwette meinen alten Wickeltisch darauf, dass seine Inanspruchnahme durch die väterliche Bevölkerung im unteren Zehn-Prozent-Bereich bleibt.
Das Ziel ist gut, das Instrument ist schlecht. Denn worum geht’s der Frauenministerin und dem Sozialminister? Es geht darum, die Väter von Anfang partizipatorisch in ihre Familien einzubinden. Das ist richtig; wichtig für die Kinder, die Mütter und die Väter selbst. Aber ich glaube kaum, dass man das mit einem isolierten Vater-Monat erreicht. Und ich bezweifle sehr, dass es zu mehr gesellschaftlicher Gerechtigkeit führt.
Was wir brauchen: flexible Arbeitszeitmodelle für Mütter und Väter, die es beiden Elternteilen langfristig erlauben, sich gleichermaßen und gleichberechtigt um ihre Kinder zu kümmern. Ein Vater-Monat bewirkt genau das Gegenteil. Er sagt: Papa, einen Monat kümmerst du dich mit, dann übernimmt Mutter wieder voll. Das ist, Verzeihung, familienpolitisch komplett kontraproduktiv.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Was ist los mit Wien? Die Straßenbahnen fahren seltener, die Toten werden nicht mehr abgeholt; und jetzt muss man sich um den guten, alten Eislaufverein sorgen. Das in einer Stadt, die überhaupt nicht arm wirkt oder den Eindruck macht, als könnte sie sich keinen Eislaufplatz in zentraler Lage mehr leisten. Eine tüchtig steuerzahlende Wiener Hobby-Eisläuferin würde deshalb meinen: die Stadt könnte dem Bund den Platz, ähnlich wie sie es bei der Erweiterung der Steinhofgründe auf“s lobenswerteste getan hat, ohne große Wellen einfach abkaufen und als innerstädtisches Klein-Erholungsgebiet für alle Wiener widmen.
Denn gleichzeitig kann man ja offenbar problemlos in der Innenstadt Häuser abreißen und an ihrer Stelle von britischen Star-Architekten (in Wien gibt es ja keine) noch einen sechsstöckigen Hobbyraum für jene errichten lassen, die in ihrer Freizeit eher teuer einkaufen als billig eislaufen. Ein sog. „Weltstadthaus“ (wer erfindet eigentlich immer diese behämmerten Begriffe?), stolz präsentiert vom gleichen Planungsstadtrat, der in der Sache mit dem Eislaufverein tüchtig herumdruckst. Denn es gibt, siehe Augarten, überaus konkrete Gründe, um öffentliche, innerstädtische Freiflächen zu bangen: Wer einen Konzertsaal in einen Barock-Park bauen läßt, der kann vermutlich auch ganz gut mit einem Eislaufplatz weniger leben.
Es gibt ja eh den jährlichen „Eistraum“ am Rathausplatz. Eine wirklich herrliche Einrichtung, in der ich mir am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein prächtig die Hüfte prellte. Und wo das dichte Gewurl der Eisläufer keinen Zweifel daran ließ, dass Wien auf den zweiten innerstädtischen Platz nicht verzichten kann.

Never get lost in Copenhagen
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Jetzt aber ein Wort zur Abkühlung, bevor der Wir-Wahn vollends um sich greift. Weil folgendes, ihr verehrten, bewunderten und unbeneideten Schlagzeilen-Dichter, die ihr komplizierteste Sachverhalte auf knappste Worte einzudampfen habt: Der „Wir sind“-Hammer hat den Nagel genau ein einziges Mal getroffen, als Bild ganz Deutschland zum heiligen Vater machte. Damals allerdings mit Wucht. „Wir sind Papst!“: Das war wirklich, wirklich gut, ach: das war kolossal, witzig, verboten triumphal, prachtvoll inkorrekt, eine der trefflichsten, wenn nicht überhaupt die trefflichste Schlagzeile, die im deutschen Sprachraum je gedichtet wurde, und ihr Dichter wurde hoffentlich mit güldenen Lettern bekränzt und mit Geldbündeln beworfen.
Und sie ist nicht wiederholbar. Nicht kopier-, nicht adoptier- und nicht übertragbar, ganz besonders nicht auf Unbeseeltes oder Immaterielles: Wir sind nicht Literaturnobelpreis, nicht Gold und nicht Schiflug. Wir sind nicht EURO und nicht schwanger (mit Eisbären-oder Pandababies). Wir sind nicht Oscar.
Aber natürlich wären wir jetzt alle gern Niederösterreicher. Denn in Niederösterreicher erlebt das zuletzt durch einen Giftanschlag übel gebeutelte Wir-Gefühl eine ruhmreiche Renaissance. Wie freudentaumelte die NÖ-SPÖ-Vorsitzende Onodi? „Die niederösterreichische Beteiligung mit dem in Klosterneuburg lebenden Regisseur und dem aus Gerasdorf stammenden Hauptdarsteller ist eine großartige Visitenkarte für unser Bundesland.“
Besonders Klosterneuburg, meinte dessen Bürgermeister werde nun „zweifellos international aufgewertet“. Das sollte ein raffinierter Tourismus-Slogan unterstützen: „Wir sind Fälscher“, vielleicht.
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| 02/08
| Falter-Kolumne
Wichtig ist, dass immer genug Essen im Haus ist. Das habe ich von meiner Mutter gelernt, die ihr Leben der Aufgabe gewidmet hat, Leute zu füttern. Falls bei uns plötzlich das gesamte Viertel vollzählig auftaucht, weil, ich weiß nicht weil warum, aber falls: kein Problem für uns, es ist genug für alle da. Der Kühlschrank ist voll, das Tiefkühlfach ist voll und das Vorratsregal ist voller lang haltbarer Nahrungsmittel, aus denen sich schnell 33 bunte Menüs aus drei Kontinenten zaubern lassen. Ist vielleicht etwas genetisches.
Dennoch bringt mich die letzte Woche an psychische und phyische Grenzen. Am Montag finden wir, wir hätten die Horwaths zu lange nicht gesehen, also kommen sie zum Essen. Am Dienstag bitten wir die Breußes an unseren Tisch. Am Mittwoch haben die Mimis zwei Freunde zum Spielen zu Besuch, die von ihren Müttern wieder abgeholt werden, und das eine oder andere Glaserl und ein Teller Nudeln geht sich immer aus, auch für die Mutter von der Janine, die um halb sieben gleich gehen muss, und um neun muss ich sie aus der Tür treten. Ein Freund vom
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Der chinesische Promi-Porno-Foto-Skandal ist eine Lehrstunde im Unterrichtsfach „Privatsphäre“. Denn die Geschichte des chinesischen Jungstars, der seinen Laptop zur Reparatur gab, ohne zu bedenken, dass er darauf über 1000 private Sex-Fotos gespeichert hat, ist exemplarisch: Dafür, dass die größte Bedrohung für unsere Privat- und Intimsphäre wir selber sind – und die Überwachungskameras, die wir selber auf uns richten.
Natürlich hat sich der Privatheitsbegriff seit den 50ern massiv verändert: Die sog. eigenen vier Wände sind seit der Erfindung des Internets extrem durchlässig geworden – was heißt: sie existieren in dieser Form nicht mehr, weil wir das, was wir in dieser Sekunde zuhause privat tun und denken, in der nächsten der ganzen Welt zeigen und mitteilen können. Und es, siehe Millionen Chat-Foren, gerne tun.
Das Privatfernsehen wiederum kauft seinem Publikum erfolgreich die Scham ab: erstens mit Geld, zweitens indem es den Leuten einredet, dass etwas derartiges wie ein Geheimnis nicht mehr exisitert, wenn nur alle ihre Geheimnisse preisgeben. Die Schamgrenzen haben sich so massenhaft gegen Null verschoben, dass man den Eindruck gewinnen kann, alle bekämen ihre Kinder in Anwesenheit des Fernsehens, oder ließen sich unter die Bettdecke schauen, oder nur noch das Fernsehen mache Vaterschaftstest; und Auswandern oder Kochen oder Einrichten sei ohne das Fernsehen gar nicht mehr möglich.
Wir zeigen alles, wir filmen alles, jedes Kind hat eine Kamera im Hosensack, und immer mehr Leute haben auch eine im Schlafzimmer: Die Löcher in unseren vier Wänden sind so groß wie Schaufenster.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Die unbelehrbaren Falco-Verherrlicher, die derzeit durch die Medien marodieren und nun die Ziegelofen-Gasse ihres Namens berauben wollen, wurden vom ehrenwerten Kollegen Tartarotti eh schon zu 20 Zeilen schweren Sarkamus verurteilt; völlig zu Recht.
Wenngleich ich einräumen möchte: Wer die Falco-Stiege kennt, würde nicht wollen, dass etwas, das aussieht wie aus der Sommerschlussverkauf-Postwurfsendung eines Baumarkts nach ihm benannt wird. Da wird man ja noch ja lieber von einem Abschnitt der Südosttangente in Erinnerung gehalten, da ist man wenigstens periodisch im Verkehrsfunk. Verträumte Gässchen mit viel Denkmalschutz, hübsche Brunnen, kopfsteingepflasterte Platzerl, kleine Parks wie jener, der eben nach der 1986 verstorbenen Schauspielerin Dorothea Neff benannt wurde: Das hat man gern.
Wo bei man ruhig auch öfter einmal an die großen Lebenden denken könnte: Barbados bitte hat einem 20jährigen Popsternchen eben einen eigenen Feiertag freigeräumt. In Wien: Immer nur Ehrenzeichen, silber, gold, fad. Da hat ja niemand was davon, das kann man besser machen, volksnäher, mit optimiertem Nutzfaktor. Eine Lugner-City haben wir: Warum nicht auch eine Toni-Polster-Garage, einen Schneckerl-Kiosk, eine Hermann-Maier-Weiher, einen Helmut-Zilk-Bezirk, einen Alfons-Haider-Poller, ein H.C-Strache-Pis... Aber halt, aufgepasst, was man nach wem benennt: da lauern Zerwürfnisse wie zwischen Ikea und den Dänen.
Grundsätzlich aber ist Wien tragisch unterbenamst; was da namenloses Zeug herumsteht: Ampeln, Hecken, Verkehrsschilder, Büsche, Bäume; Bauzäune Geben wir ihnen Namen. Falco hat eh seine Stiege.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Dieses Jahr ist alles anders. 2008 ist das Jahr, in dem Castro abtritt, und Falcos ehedemes Abtreten extrabreit getreten wird. Es ist das Jahr, in dem auch der für Fashion-Fuzzis bisher eher unpackbare Bob Dylan von den Glam-Hochglanzmagazinen vereinnahmt werden wird, „I‘m not There“ sei Dank – und den vielen trendsettenden Schauspielern, die in diesem Film mitspielen.
Es das Jahr, in dem wir Simone de Beauvoirs Beziehung zu Jean Paul Sartre wieder einmal auf ihren erotischen Content untersuchten. Es ist das Jahr der verzückten Erinnerungen an 1968, die auch mal putzige Kunstbegriffsneuorientierungen zeitigen. Wie sagte Guggi Löwinger am Sonntag im KURIER? „Als Künstler muss man neutral bleiben.“ Im Gegensatz zu Supermarktregal-Schlichterinnen, Bankangestellten, Bus-Chauffeuren, Ärztinnen, Sekretärinnen oder Altenbetreuern, die ihre politischen Anschauungen in ihrem Berufsalltag ungeniert ausleben können.
Es ist das Jahr, in dem der Vertrag des bräsigen Doppels Harald Schmidt und Oliver Pocher um ein weiteres Jahr verlängert wird, was die Süddeutsche Zeitung ein wenig aus der grammatikalischen Spur warf: „Die Frage ist, wer wem verlängert hat: die ARD Schmidt oder Schmidt die ARD.“ Dessen fragen wir sich auch.
Es ist, säawas!, das Jahr, in dem zähe, sehnige Vorarlberger mit „Matrix“-Sonnenbrillen nach Wien gerufen werden müssen, um einmal ein bisschen durchzulüften. Und es ist das Jahr, in dem Thomas Schäfer-Elmayer (im Seitenblicke Magazin) verblüffende neue Weiblichkeitspostulate aufstellte: „Die Unterwäsche gehört bei einer Frau einfach dazu.“ Oh. Echt. Schwestern, jetzt heißt es umdenken.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Das ist einmal eine schöne Idee: 100 Krankls (oder sagt man: 100 Krankl?) werden während der EURO als Kunststoff-Skulpturen über Wien verteilt aufgestellt. Keine dummen Witze über hoffnungssattes, strategisches Herumstehen in Bezug auf unsere Nationalmannschaft, bitte! Wir wollen positiv denken, positiv, positiv, positiv. Und wer könnte uns dabei besser unterstützen als Hans Krankl, der personifizierte Glücksmoment der heimischen Fußballgeschichte.
Die Krankls werden die Zürcher giften, denn im öffentlichen Herumstehenlassen von Plastikklumpert habe die Zürcher eine lange Tradition. Erstens zwingt die Zürcher Abfallwirtschaft die Zürcher, zweimal wöchentlich ihren Müll in dafür vorgeschriebenen Züri-Säcken vor die Tür zu stellen, wo ihn dann die Müllabfuhr abholt. Was dazu führt, dass Zürich zweimal die Woche aussieht wie Neapel an einem schlechten Tag; es riecht nur besser.
Zweitens, und darum geht es hier, verstellen die Zürcher alle paar Jahre wieder ihre Stadt mit hunderten bemalten Plastik-Viechern; erst waren’s Löwen, dann waren’s Kühe, zuletzt waren es 630 riesige, grottengruusige Plastikbären: Was Touristen und Kinder entzückte und vom gelernten Zürcher eher resigniert abgenickt oder in Form vereinzelter Vandalenakte kommentiert wurde.
Weil sich natürlich die Frage stellt: Was hat der Bär in Zürich verloren? Diese Frage stellt sich bei Krankl und Wien nicht. Allerdings kann Wien von Zürich etwas Mengenlehre lernen. Weil: 100? Hundert Krankls sind bitte viel! zu! wenig! Wenn Zürich, bestenfalls ein größeres Dorf, mehr als 600 Bären verträgt, braucht eine Weltmetropole wie Wien, mindestens 1000 Krankls. Mindestens.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Heuer ist konstruktives Denken angesagt. Heißt konkret, diese Kolumne stochert nicht mehr nur lustvoll in den so herumliegenden Problemen umadum und überläßt deren Lösung den zuständigen Stellen, nein: jetzt wird mitgelöst. Jetzt hagelt’s konstruktive Vorschläge, jetzt setzt’s Ideen zur Weltverbesserung im Kleinen und im, naja, Mittelkleinen. Diesmal: Rauchen im öffentlichen Raum.
Die Kollegin G. verbrachte kürzlich ein paar Tage in Zürich und hat in den lokalen Restaurants folgendes erlebt: Überall dort, wo gegessen wurde, wurden die Gäste gebeten, nicht zu rauchen. Die Gäste entsprachen dieser Bitte ohne Murren, und gingen, wenn sie rauchen wollten, hinüber an die Bar oder hinaus vor die Tür. In anderen Lokalen wiederum waren auf den Tischen Schilder aufgestellt, auf denen über ein zeitlich begrenztes Rauchverbot informiert wurde: ab 18 oder 20 oder auch 22 Uhr dürfe hier geraucht werden.
Und das erscheint mir ein relativ pragmatischer und praktikabler Schritt, die Interessen von Rauchern und Nichtrauchern allmählich zur Deckung zu bringen, und Raucher auf lieb daran zu gewöhnen, dass nicht mehr immer und überall geraucht wird.
Es wäre, denke ich, nicht zu viel verlangte Raucher-Rücksicht, dort konsequent nicht zu rauchen, wo gegessen wird, und dann nicht, wenn Kinder dabei sind. Im Gegenzug würden wir Nichtraucher, spät am Abend im Klein-Lokal, wenn alle satt und alle Kinder im Bett sind, freiwillig etwas Raucher-Rauch in Kauf nehmen. Das wäre, für den Anfang, vielleicht eine Verhandlungsbasis.
Was man allerdings bedenken muss: Wenn man die Zürcher um Rücksichtbittet, nehmen die Zürcher Rücksicht. Die Wiener: hm.
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| 02/08
| Falter-Kolumne
Ich bin mit dem Sedlacek zum Frühstück verabredet, und zur Begrüßung sagt er, das sei jetzt schwer zu glauben, aber er hat vorhin auf der Straße einen großen Mann mit einem Kind im Genick und Brillen wie zwei kleinen Fernsehern gesehen, war das vielleicht der Horwath? Das war zuverlässig der Horwath. Coole Brille, sagt der Sedlacek, sehr einprägsam. Sagte ich doch, sage ich, wie geht es dir? Einen doppelten Espresso und ein großes Glas Wasser, sagt der Sedlacek, nein, zum Essen nichts.
Es geht dem Sedlacek gut. Der Sedlacek ist zufrieden. Naja, bis auf die Weiber. Aber über die Auftragslage kann sich der Sedlacek nicht beschweren. Es ist natürlich anstrengend. Diese Woche war er schon in London, letzte Woche in Kopenhagen und in Mailand und vorletzte Woche in Hongkong. Und die ewige Fliegerei macht dir nichts aus?, sage ich. Nein, sagt Sedlacek. Ich flieg nicht mehr gern, sage ich. Ich bin auch nicht gern länger als zwei Tage weg von der Familie, es ist wie früher, als Kind, ich bekomme Heimweh. Echt, sagt Sedlacek. Ja, sage ich, wie damals im Jungscharlager: Weißt du, der Schmerz ist nicht kleiner geworden, nur die Person rundherum größer. Der Sedlacek schaut mich
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Kaum hatte ich meine unschuldigen, also von vollendetem Halbwissen dominierten Neonkappenbeobachtungen mitgeteilt, wurden mir von meinen Lesern gleich die Hintergründe dazu überbracht: danke für die gute Mitarbeit. Leserin P., die ihr Wissen von einer halbwüchsigen Nichte bezieht, informiert mich, beim Neonkapperl-Trend handele es sich um den sog. „Vokuhila Stila“: das Blende-deine-Umwelt-Hauberl hat, so schreiben die „Stila“-Regeln offenbar vor, sehr hoch auf dem Haupthaar zu sitzen, das wiederum, nona, hinten länger zu sein hat als vorne.
Es gibt auch, für diesen Tipp danke ich der aufmerksamen Kollegin T., einen assozierten Tanz, der sich „Jumpstyle“ nennt: Alles darüber erfährt man auf der Website www.krocha.at und den dort gelinkten, betörenden YouTube-Filmchen. Denn was die Krocha (also: Kracher) in ihren von radikal schonungslosen Postings kommentierten Videos vorzeigen, ist in vielerlei Hinsicht sehenswert und sollte dallidalli in die laufende „Dancing-Stars“-Staffel Eingang finden.
Was YouTube übrigens beweist: Man braucht die jungen Menschen gar nicht vidoeüberwachen, sie tun es selbst und stellen das Material, für jeden einsehbar, ins Netz. Im Fall der Krocha erfährt man, wie und wo sie tanzen: am Balkon, im Stiegenhaus neben den Postfächern, vorm Küchenherd, im Jugendzimmer zwischen Bett und Einbauschrank, in der Bauernstube, im Aufenthaltraum der Reha-Klinik und, mit Gasmaske, in den Schlafsälen von Bundesheer-Kasernen. (Überhaupt sehr aufschlussreich: die Bundesheer-Kurzfilme. Bam, Oida, wie die Krocha sagen.)
Die Alten kochen, die Jungen krochen: Wieder etwas gelernt.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Christina Lugner wurde also jetzt, eigenen Angaben zur Folge, durch zwei Silikonkissen zur Frau gemacht, was gestern schon den geschätzten Kollegen Hohenlohe von der Umseite verunsicherte. Und auch ich frage mich irritiert: Was war Christina Lugner vorher, 42 Jahre lang? Womit hatte man es zu tun? Mit einem Zwitter-oder Zwischenwesen? Mit einem Dummy? Mit einem humanoiden Work in Progress, vollendet erst durch die Zauberhände eines Schönheitschirurgen?
Soll mit seinem Körper jeder machen, was er will: Aber je mehr verschnittene, überspannte, aufwattierte Gesichter mit final aufgerissenen Augen mir begegnen, desto lieber sehe ich solche, die einfach ganz normal altern. Und die Frage, ob es die Aufgabe der Medizin sein kann, an gesunden Körpern herumzuschneiden, um vermeintliche Makel im Zuge von unnötigen Operationen zu beschönigen, könnte man ruhig noch intensiver diskutieren.
Weiblichkeit jedenfalls (und es ist ungemein deprimierend, dass man diesen Satz tatsächlich formulieren muss, meine Güte) ist keine Frage der Körbchengröße. Abwesendes Selbstwertgefühl lässt sich nicht mit Silikon substituieren. Und es ist krank, wenn Mütter wie Christina Lugner ihren pubertierenden Töchtern die Botschaft mit auf den Lebensweg geben, ein Frauendasein unter Cup D sei ein vergebliches.
Natürlich: Es ist die Lebensphilosophie einer äh Frau, die sich jahrelang angesprochen fühlte, wenn der Gattungsname eines Nagetiers gerufen wurde. Man braucht von so jemandem kein ausgeprägtes feministisches Bewusstsein erwarten. Man könnte solchen traurigen Unsinn einfach ignorieren. Leider ist er längst gesellschaftsfähig: Die Vernunft schnarcht auf weichen Kissen aus Silikon.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Das Jungvolk hat sich neue Quälereien für die Spießer-Generation einfallen lassen: Die Neonkappen kommen. Die Lugner-City, Schaufenster juveniler Sinnsuche und Laufsteg für Trends, die bald die Stadt überschwemmen werden, ist schon voll davon: Voll von Jugendlichen beiderlei Geschlechts, die steife Schildkappen in den entsetzlichsten Neontönen (also allen Neontönen) tragen: neonwischerlgelb, neonschreipink, neongiftgrün. Die Kappen sind hoch, stirnseitig gepolstert und zitieren erbarmungslos das schlimmste Modeverbrechen der achtziger Jahre, das Netzleiberl. Ästhetische Gewaltkriminalitätsverherrlichung, wenn Sie mich fragen: Sieht aus, wie etwas, das ein drittklassiger deutscher Rapper in einem Video tragen würde, während er einer minderbekleideten Dame den Popo tätschelt; und genau da her hat der Wind die Dinger vermutlich auch geweht.
Stehen auch keinem, was allerdings, wenn ich mich recht erinnere, auch nicht der Sinn adoleszenten Modesündigens ist: Sondern man will Eltern Sätze abpressen im Stil von
Wie schaust du denn aus! und
So gehst du mir nicht aus dem Haus! und
Ach ja, und wenn alle anderen von der Klippen springen, springst du dann auch? Passen Sie auf: Bald, nächsten Monat oder schon übermorgen, ist die Stadt voll davon. Es wird wie vorletztes Jahr mit den gruseligen Croqs: Man sieht sie einmal und während man sich noch wundert, was jemand dazu bringt, etwas derart abseitig Geschmackloses anzuziehen, noch dazu außerhalb der eigenen vier Wände, haben es plötzlich alle an, tausende, abertausende, und an jeder Ecke stolpert man über eine Wühlkiste von billigen Kopien der Billigkopien. Da! Ich seh schon wieder eine.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Das lässt einen nicht kalt, diese Sache mit den Kampusch-Ermittlungen. Da drängt sich eine Kette von „was-wäre-gewesen-wenn“-Assoziationen ins Grübeln hinein, und fast immer läuft es darauf hinaus, dass Kampusch gefunden und befreit hätte werden können.
Wir habe Kampuschs Gesicht mittlerweile tausend Mal gesehen. Und wir haben das so unendlich oft gehört und gelesen, das mit dem Kind und dem Keller und den achteinhalb Jahren, dass es uns, als abgebrühte Massenmedienkonsumenten, kaum mehr berührt. Es ist nur noch eine Meldung aus dem vorletzten Jahr, die wir aufgenommen und einsortiert haben in die Furchtbarkeiten-Schublade, wo auch die Maddie-Meldungen liegen und die Darfur-Nachrichten.
Wäre die Geschichte so frisch schockierend wie damals im August 2006, als Natascha Kampusch sich befreite, wir hätten auf die Ausflüchte, die man derzeit von Platter, Missethon und Schögel hört, mit entsetztem Gebrüll reagiert. Dieses Abwiegeln und Ausbüchsen, dieses Abputzen und Verniedlichen: es ist unwürdig, es ist unanständig gegenüber Natascha Kampusch und es wird von den Bürgern nicht goutiert.
Dass man mit Fehlern politisch auch anders umgehen kann, zeigt dieser Tage der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber (55 Prozent bei den letzten Wahlen). Man mag den Vorarlberger als solchen für seine unklare Aussprache verspotten, aber wenn es darauf ankommt findet er klare Worte. Als jetzt Fotos auftauchten, die Mitglieder der Jungen ÖVP Vorarlberg beim Kühnengruß zeigten, lobte, verteidigte oder bagatellisierte Sausgruber die Sache nicht. Sondern er nannte sie „eine nicht tolerierbare Fehlleistung“. Klare Worte, die man sich auch andernorts wünscht.
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| 02/08
| Falter-Kolumne
Der Horwath hat eine neue Brille: eine überaus eindrucksvolle Brille. Eine schöne Brille, in der Tat, in erstklassiger Qualität von Cutler and Gross in London, UK, gefertigt. Die Brille steht dem Horwath hervorragend. Wenn Sie dieser Tage einen Mann mit einer Brille erblicken, das ist der Horwath: Sie wissen es, wenn Sie ihn sehen. Ein missgünstiger Mensch mag einwenden, die Brille sei für übliche Brillenverhältnisse irgendwie viel, aber ich entgegne, dass sie zwar viel, für ein Charakterantlitz wie jenes des Horwath aber keinesfalls zu viel ist. Wenn Sie den Horwath mit seiner neuen Brille sehen: Es wird Sie kein Zweifel darüber anhauchen, dass der Horwath ein furchtloser Kerl ist, ein Mann, der das Neue, und sei es auch fremd und ungewohnt, unerschrocken antizipiert, und so, genau so, wollen wir die Männer haben.
Vielleicht müsste ich dem Kollegen Dings ein Foto vom Horwath zeigen, und sagen: Schau, Kollege, wenn der Horwath diese Brille mit Stolz tragen kann, kann ein Kerl wie du sich auch itunes von einem Weib installieren lassen, ohne dass ihn eine spontane Rückgraterweichung niederstreckt. Denn der Kollege, ein totaler Pop-Auskenner, kennt
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Das ist nicht gut für mein heuriges Anti-Motschgern-Programm. Weil: Penetrantes Sudern nützt offenbar. Das jedenfalls schließen die Anonymen Euroskeptiker (AEUS), denen ja vor allem die Fanmeile am Ring ein Quell sprudelnden EURO-Pessimismus ist, aus Äußerungen von Vizebürgermeisterin Grete Laska gegenüber der Presse. Sie meinte nämlich zum Thema Public-Viewing-Bereiche, es werde „unter Umständen zwei weitere geben: Bei den Gasometern und auf der Donauinsel“. Na, was sagt man dazu.
Ist doch schön, dass die Stadt schon 17 Wochen vor Beginn der EURO bemerkt, dass sie über Orte verfügt, die sowohl die Kapazitäten als auch die Infrastruktur haben, große Menschenmengen zu fassen, zu verpflegen und sanitär zu versorgen. Im Unterschied zu einer zentralen, bimbefahrenen Straße zwischen empfindlichen Prachtbauten und schönen Parks: Es ist eine späte, aber gute Idee, die Fan-Massen ein bisschen über die Stadt zu verteilen und ihnen so auch den Rest von Wien zu zeigen. (Apropos Massen: Das schweizer Beharren auf ein Leben ohne scharfes ß könnte, sollten während der EURO die Massen in Maßen trinken, auf eine harte Probe gestellt werden.)
Und apropos Schweizer. An dieser Stelle muss ich im Zusammenhang mit der EURO-Wurstkrisen-Kolumne einen verheerenden Fehler eingestehen, vor allem, da er einer passierte, die fast zwei Jahre in Zürich lebte: Die Schweizer Nationalwurst, Damen und Herren, heißt, wie mich Patrick H. aus Wängi höflich korrigiert, natürlich Cervelat. Nicht Geschwellte. Gschwällti sind (es gibt dafür erstaunlicherweise keinen Viennismus) Pellkartoffeln. Richtig, das ist ein bisschen peinlich.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Sehr geehrter Herr Direktor Yuriy Lisetksy! Herzlichen Dank für Ihr Mail! Ich bin bestürzt zu erfahren, dass Ihr ukrainisches Softwarefunternehmen in Schwierigkeiten steckt, und würde gerne helfen. Vor allem für „8 % von jedes Geschaeft, das wir durch ihres Konto fuehren aus“. Allerdings fehlt es mir an der nötigen Kompetenz zur Lösung Ihres Problems: „Die Bezahlungen (3000 - 20 000) weist man ungefaehr 3-5 Tagen lange ueber + man braucht so lange Zeit, um diese Bezahlungen zu bekommen. In der Regel kommt ungefaehr von 10 Tagen bis 2-3 Woche mit Wochenende heraus.“ Ich kann Ihnen aber einen ehemaligen Vizekanzler mit besten Beziehungen empfehlen, mit dem Sie sich sicher glänzend verstehen werden.
Dear Ian Hayes, thank you for your email! As you correctly suggested, my dick is actually way not big enough. Doctors keep telling me, this is because I am a girl and warn me from trying your pills for rocksolid hardness and allnight staying power. Sorry and nothing for ungood!
Lieber Paulus Uhijyo, danke dass Sie mich darüber informieren, dass Sie einen „exklusiven Samowar (orientalischer Teekocher)“ verkaufen. Leider habe ich an Ihrer „extrem exklusiven Maschine“ trotz Superpreis derzeit keinen Bedarf. Nicht bös sein bitte!
Sehr geehrter Herr Cross Reed! Danke für Ihr Angebot, das Casino Las Vegas zu meinem Zuhause zu machen. Tatsächlich habe ich eine Freundin, die gerade eine Wohnung sucht und auch den Willkommensbonus gut brauchen kann. Wie schreibt Direktor Lisetsky? „Wenn Sie verschiedenartige Fragen haben, verlegen Sie nicht.“ Bitte also um nähere Angaben! Meine Adresse haben Sie ja! Ihre D.K.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Der ORF sabotiert meine guten Neujahrsvorsätze. Diese Sache mit den jäh abgesetzten „Men in Trees“ kitzelt meinen Motschger-Nerv heftig. Die Kollegin Braunrath hat sich schon völlig zurecht beschwert, ich schließe mich an.
Zuerst redet uns der ORF ein, dass wir das unbedingt sehen müssen. Dann sehen wir das und finden es bestenfalls naja. Dann gefällt es uns, trotz Einwänden, mit der Zeit doch nicht so schlecht, also allmählich ganz gut. Wir gewöhnen uns daran und, zack, ist es weg. Miese Quote, baba.
Aha. Aber so öd und sinnlos dieser ewige Ruf den Berg hinauf auch sein mag, wir brüllen trotzdem: ÖFFENTLICH-REEECHTLICHES GEBÜÜÜÜHRENFERNSEHEN, SIE!
Dass im Privat-TV mit schlechten Quoten nicht lang gefackelt wird: gut. Aber der ORF sollte einen längeren Atem haben. Das Gegenteil ist der Fall: Ständig werden Sachen angefangen und, teilweise fixfertig produziert, panisch gestoppt („Extrazimmer“). Oder auf unmögliche Sendetermine verschoben und dann mittendrin abgesetzt (für immer und ewig unverzeihlich: „The Sopranos“). Oder Serien hören mitten in der ersten Staffel auf und fangen in der dritten wieder an („Dr. House“). Oder sie hören plötzlich auf und werden irgendwann wiederholt („Weeds“). Und sie fallen ununterbrochen jedem drittklassigen Sportereignis zum Opfer.
Natürlich kann man sagen: Sind ja nur doofe Serien. Aber dann lässt man‘s besser gleich. Wenn man mit Serien Erfolg haben will, muss man ihr Wesen ernst nehmen: Eine Serie braucht einen fixen Ort. Und sie braucht eine gewisse Zeit, um ihr Publikum zu verführen. Wenn man beides nicht garantieren kann, lieber erst gar nicht damit anfangen.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Also, einerseits war ich zwanzig Jahre lang eine rücksichtslose Raucherin und habe jetzt keine Rücksicht verdient. Andererseits bekenne ich mich bis heute nur bedingt schuldig, da es mir kaum möglich war, Rücksicht zu nehmen, denn ich war süchtig: Krankhaft abhängig; weshalb mich die Nachricht überrascht, Nikotin solle innerhalb der EU zum süchtig machenden Mittel deklariert werden.
Ja was. Wie ist es möglich, dass es das bisher nicht war? Denn dass etwas derartiges wie Nikotinsucht existiert, sehen und wissen wir nun doch schon seit einiger Zeit: alle Ex- und die meisten Raucher auch aufgrund unvergesslicher körperlicher Erfahrungen.
Das Problem, das wir nicht zu lösen im Stande sind: wie man Nichtraucher vor Leuten schützt, die man nicht davon überzeugen kann, mit dem Rauchen aufzuhören. Was nicht funktioniert: Auf die Rücksichtnahme von Süchtigen zu hoffen. Die rauchen, das kann ich mit einiger Kompetenz behaupten, genau dort nicht, wo man es ihnen unter Strafe verbietet.
Natürlich ist es mir als einer, die mittlerweile 135.000 Zigaretten nicht geraucht hat, lieber, wenn die Luft sauber ist, vor allem wenn Kinder dabei sind und gegessen wird. Aber es macht überhaupt keine Freude, wenn einem die Leute, mit denen man Abends im Musiklokal ein Bier trinkt, ständig aus der Konversation hoppeln, weil sie draußen eine rauchen wollen: Da ist mir das Gespräch eigentlich wichtiger als mein Schutz.
Wie man das löst? Weiß ich auch nicht; aber genau dafür bezahlen wir doch Experten in Ministerien, dass sie für schwierige Probleme Lösungen finden: Z.B. wer wo geschützt werden will und soll. Sonst machts die EU über unseren Willen hinweg.
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| 02/08
| Kurier-Kolumne
Nun dräut der EURO neue Ungemach, diesmal als Wurstkrise. Denn auf dem Weltmarkt herrsche eine Wurstdarmknappheit, mit dramatischen Auswirkungen auf die EM: In der Schweiz ist gar von einer Wurstpanik die Rede. Und wer das aufbrausende Temperament der Schweizer kennt, möchte ihr hitziges Blut lieber nicht durch massenhaften Entzug der Schweizer Nationalwurst, der Geschwellten, wallend machen.
Eine Lösung für die Wiener Wurstkrise verbirgt sich eventuell in einem Mail-Wechsel, in den mir die mittlerweile zart pikierte Leserin Maria H. Einblick gewährte. Frau H. wandte sich vor Weihnachten höflich an Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel: Sie fühlt sich, wenn Sie nach der Oper auf die Bim wartet, belästigt vom Geruch und der Beschallung, die genau dort aus zwei Kebab-Ständen dringt. Als freiwilliger Urbanist neigt man zwar zur Ansicht, dass eine Großstadt ein paar Essengerüche und ein bisschen Musik vertragen kann, allerdings wissen wir nicht, wozu Frau Stenzel neigt: Denn Frau H. wartet noch immer auf die Antwort, die ihr Stenzels Büroleiterin auf frequente Nachfrage frequent verspricht.
Aber. Vielleicht lässt sich mit genau diesen und anderen Kebab-Buden eine drohende Knackerkrise abwenden, weil in der Not nascht der Teufel bekanntlich Kuchen oder so ähnlich. Und wollen wir den Fussballfan, der eventuelle Enttäuschungen mit dem Verzehr von totem Tier in Darm kompensieren möchte, mit Hirse-Zucchini-Laibchen zu Gewaltexzessen provozieren? Wollen wir nicht.
Vielleicht lässt sich hier Schlimmeres mit mobilem Emergency-Kebab verhindern. Z. B. mit den Buden von vor der Oper. So wäre auch Frau H. geholfen; zumindest temporär.

Never get lost in Vienna